Symbolisch für Social Bots arbeiten viele Roboter an Computern.
Ein Merkmal für Social Bots: Sehr viele Tweets in sehr kurzer Zeit. Dazu sind Menschen allerdings auch in der Lage. Bildrechte: MEDIEN360G

Faktencheck Sind Social Bots in Deutschland verbreitet?

Social Bots sind kleine Computerprogramme, die auf Twitter und Facebook unterwegs sein sollen. Dabei tarnen sie sich als menschlicher Nutzer und beeinflussen die Meinung der anderen User in eine bestimmte Richtung. Bei MDR AKTUELL bestritt der Nürnberger Medieninformatiker Florian Gallwitz die Existenz von Social Bots, zumindest im deutschsprachigen Twitter. Was hat es mit den Social Bots auf sich?

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Symbolisch für Social Bots arbeiten viele Roboter an Computern.
Ein Merkmal für Social Bots: Sehr viele Tweets in sehr kurzer Zeit. Dazu sind Menschen allerdings auch in der Lage. Bildrechte: MEDIEN360G

Der Chaos Computer Club ist sozusagen der Verband der Hacker in Deutschland. Hier versammeln sich diejenigen, die in die Tiefen des Internets und in fremde Computer eindringen können. Constanze Kurz ist Sprecherin dieser Hacker. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über Wahlcomputer. Sie kennt sich aus, wenn es um digitale Beeinflussung von Wählern geht.

Kurz erzählt: "Wenn man es von der technischen Seite beeinflusst, dann kann man solche Social Bots herstellen. Was wir allerdings relativ klar wissen, ist, dass sie in den tatsächlichen Desinformationskampagnen, die bereits untersucht wurden, also in den letzten ein, zwei Jahren und darüber hinaus keine bedeutende Rolle gespielt haben im Sinne der heimlichen Beeinflussung."

Politiker und Journalisten als Social Bots gewertet

Der Datenjournalist Michael Kreil wollte genauer wissen, was denn hinter diesen Social Bots steckt. Dafür hat er rund 400 Millionen deutschsprachige Meldungen bei Twitter ausgewertet. Kreil stellte dabei fest, dass bei den bisherigen Untersuchungen zu den Social Bots handwerkliche Fehler gemacht wurden. Das habe dazu geführt, dass reale Menschen einfach als Social Bots gewertet würden. Kreil verweist als Beispiel auf die Untersuchung der Universität Oxford, die Social Bots so definiere, dass ein Account mehr als 50 Mal pro Tag twittere.

Wenn man diese Zahl zugrunde lege, würden beispielsweise auch Politiker als Social Bots, also als Computerprogramme, gezählt werden. So habe er beispielsweise herausgefunden ...

… dass der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs 120 Mal am Tag twittert. Am 6. Januar, als Olaf Scholz seine Kanzlerkandidatur vorgeschlagen hat, hat er sogar 367 Tweets abgesetzt an einem einzigen Tag.

Michael Kreil, Datenjournalist

Gezählt werden dabei auch Diskussionsbeiträge und Tweets von Mitarbeitern, die unter dem Namen der Politiker schreiben. Trotzdem: Kahrs würde nach den Kriterien der Universität Oxford als Social Bot gewertet werden.

Bei seinen Untersuchungen hat Michael Kreil noch viele andere Twitter-Accounts entdeckt, die fälschlicherweise als Computerprogramme angesehen werden: Gerade Journalisten oder politisch aktive Menschen würden sehr oft wesentlich mehr als nur 50 Tweets täglich senden. Übrigens habe bislang noch niemand einen Social Bot namentlich genannt.

Social Bots für politische Kampagnen wenig hilfreich

Constanze Kurz vom Chaos Computer Club hat eine Erklärung, weshalb es in Deutschland keine erwähnenswerten Social Bots gibt. Sie sagt, man müsse immer sehen, dass politische Kampagnen Methoden verwendeten, die als Erfolg versprechend berechnet würden. Social Bots zählen nach ihren Worten derzeit nicht dazu.

Das heißt nicht, dass man darauf in Zukunft nicht einen Blick werfen darf. Die Methoden ändern sich jedes Jahr.

Constanze Kurz, Chaos Computer Club

Kurz scheint die deutsche Debatte in Bezug auf Social Bots etwas hysterisch. Besser als mit Social Bots könne man Personen durch Werbung überzeugen, die abgestimmt auf die Interessen und Aktivitäten der Nutzer sei.

Dafür würden allgemein zugängliche Veröffentlichung bei Twitter und Facebook sowie Bewegungsverläufe über andere Programme in Echtzeit ausgewertet. Dann wisse man genau, zu welchem Zeitpunkt die Nutzer für welches Thema gerade Interesse zeigen und könne entsprechende Werbung einblenden. Weniger anspruchsvoll, aber auch im Einsatz seien Twitter-Accounts, die bestehende Meldungen automatisch weiterleiten würden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Januar 2019 | 06:23 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

11.01.2019 15:59 Fragender Rentner 3

Waren das gestern oder vorgestern Abend beim SWR auch solche Dinger?

Man hatte da wieder mal die Statistiken bemüht.

11.01.2019 11:30 vtw 2

Irgendwas mache ich falsch. Seit vielen Monaten warte ich darauf, dass mir ein U-Boot (Social Bots) ins Netz geht umd meine Meinung manipuliert.
Leider hatte ich bisher keinen Erfolg, woran das blos liegen mag ?

11.01.2019 09:41 winfried 1

Social Bots ?! ... davon versteh' ich nichts.
Unabhängig davon meine ich, Jeder der es unbedingt will hat die Möglichkeit dazu.
Deshalb ... ich verlasse mich weiter auf meinen (gesunden?!) Verstand.