Mordfall Peggy: Böhnhardts DNA-Spuren LKA und Experten halten Panne für unwahrscheinlich

In den Fällen der ermordeten Peggy und dem NSU-Mitglied Uwe Böhnhardt benutzten die Ermittler denselben Meterstab an den jeweiligen Tat- beziehungsweise Fundorten. Nun wird spekuliert, ob die DNA Böhnhardts so an den Fundort von Peggys Leiche gelangt sein könnte. Nicht nur das LKA Thüringen hält das für unwahrscheinlich.

Das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) hält eine verunreinigte Spur im Mordfall Peggy für unwahrscheinlich. Dabei geht es um den Fund von DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilte das LKA schriftlich mit, dass die "Verwendung eines Einsatzmittels an verschiedenen Ereignisorten allein noch lange nicht den Schluss zulässt, dass dadurch eine Spurenübertragung stattgefunden hat." Die Begründung des LKA dazu lautet:

Kriminaltechnik [...] wird regelmäßig an mehreren Einsatzorten eingesetzt. Um hierbei eine Kontamination von Tatort zu Tatort möglichst auszuschließen, werden die verwendeten Einsatzmittel nach jedem  Einsatz gründlichst gereinigt! Einwegmaterialien werden entsorgt.

LKA Thüringen schriftlich auf Anfrage von MDR AKTUELL

Verunreinigung "wenig plausibel"

Das bestätigt auch Professor Peter Schneider. Er ist Spezialist für forensische DNA-Analyse an der Universität Köln. Im Interview mit MDR AKTUELL sagte er: "Ein solcher Gegenstand, der ja offensichtlich für die Tatortarbeit verwendet wird, der wurde ja nicht nur einmal in fünf Jahren verwendet, sondern wahrscheinlich regelmäßig, vielleicht wöchentlich. Selbst wenn dieser Gegenstand am Leichenfundort von Böhnhardt verunreinigt wurde, dann würde eine solche Verunreinigung auch nicht zwangsläufig so lange überdauern können." Weiter sagt Peter Schneider:

Eine solche Kontamination ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen. [...] Unter den gegebenen Umständen erscheint es mir wenig plausibel, dass das tatsächlich passiert sein kann.

Prof. Peter Schneider

Und auch Rechtsmediziner Rüdiger Lessig aus Halle hält eine DNA-Panne im Fall Peggy für unwahrscheinlich. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagte er, dass dies nur dann möglich sei, wenn ein Messinstrument der Ermittler jahrelang nicht benutzt worden wäre oder wenn die Spuren so groß seien, dass sie sich über Jahre auf dem Instrument gehalten hätten. Nach Angaben von Lessig sind verunreinigte Spuren immer ein Thema in der Rechtsmedizin. Es würden aber überall spezielle Standards gelten, die auch das LKA und Kriminalermittler einhalten müssten.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 28.10.2016 | 16:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2016, 18:46 Uhr

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17 Kommentare

30.10.2016 13:26 Angelika Oetken 17

Einer der Strippenzieher beim organisierten Kinderhandel rund um die NSU-Neofaschos ist Tino Brandt. Ein Mann, der aktuell wegen Missbrauchs einsitzt. Brandt arbeitete als V-Mann für den Thüringer und später den Bayerischen Verfassungsschutz. Wie gezielter sexueller Missbrauch als Mittel der Konditionierung vom MfS der DDR gezielt eingesetzt wurde, beschreibt die SPD-Politikerin Angela Marquardt in ihrem Buch "Vater, Mutter, Stasi". Bei Tino Brandt stellt sich die Frage, wer ihn als Teenager von Thüringen nach Bayern gelotst hat. Und auf wessen Fürsprache hin er im Lehrlingsheim des Regensburger Kolpingwerkes Unterschlupf fand. Kindesmissbrauch ist keine Frage der Gesinnung. Dass er nicht als Schwerstkriminalität gilt, eines der Verbrechen, die unsere Gesellschaft an Kindern begeht.

30.10.2016 13:14 Angelika Oetken 16

Im NSU-Blog (ZO) wird detailliert informiert. Die DNA-Spuren sind nur ein Hinweis unter vielen auf die Beteiligung von Menschen aus dem Umfeld des NSU-Trios in verschiedene Formen der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen bis hin zum Kindermord. Für die Behörden, die mit den Rechtsterroristen zu tun hatten und sich ihrer mutmaßlich bedienten, wird es immer schwieriger, ihre Verantwortung zu verschleiern. In der taz erschien am 11.10. diesen Jahres ein Artikel mit der Überschrift "Im Kern braun". Darin geht es um die politische Protektion von NS-Verbrechern in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Welche Folgen es hatte, dass dies nie wirklich aufgearbeitet wurde, bemerken wir daran, dass menschenfeindliche Einstellungen längst wieder salonfähig geworden sind.

Höchste Zeit, etwas dagegen zu tun.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die als Kinder und/oder Jugendliche Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

30.10.2016 09:07 Mediator an Krause (14) 15

Hallo Krause,

natürlich erreicht man Leute die bereits in einer abgekapselten Welt leben und nur noch die Informationen aufnehmen, die in das eigene Weltbild verstärken, kaum noch.

Sich mit Argumenten auseinanderzusetzen ist ja durchweg komplizierter, als seinem Bauchgefühl nachzugehen.

Jede populistische Behauptung, die hier mit Fakten wiederlegt wird, kann neutralen Lesern in der Realität als Argumentationshilfe dienen.

Ich denke viele Menschen können unterscheiden zwischen dumpfen Parolen und argumentativ hinterlegten Behauptungen. In der Realität würde ja auch niemand einen Menschen ernst nehmen, der seine Behauptungen nicht belegen kann und dem Hass und Geifer von den Mundwinkeln tropft.

Abgesehen davon kann man einiges lernen, wenn man zu den hier behandelten Themen eigene Recherchen anstellt um fundiert argumentieren zu können.

29.10.2016 17:38 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 14

Huhu, Medi,

das ist dann nur ein kleines Fenster, in dem die solchen Thesen Zugetanen noch nicht ihre 'Lügenpresse-Brille' aufgesetzt haben.
Ich habe auch arge Zweifel, daß selbst pädagogische Gesprächsversuche mit der Mehrheit dieser 'Glaubensanhänger' anders ablaufen als z.B. der von Claudia Roth in Dresden - und damit die 'Menge an mit der Realität noch nicht abgeschlossenen' rhetorisch einen vernünftigen Einfluß ausüben kann.

Von daher ist Ausgrenzung schon der kräftigste demokratische Ausdruck, zu dem ich mich in der Lage sehe: "Leg Dir mal ne grundgesetzkonforme Meinung zu, denn darfste auch an meinem Tisch mitreden." Aber da kommen wir auf Landtagsebene schon wieder zu einem Parteienverbot... ick sag nur 'NPD'! *hust hust*

Aus meiner Sicht 30 Jahre die gleichen absurden Argumente... da glaubt man irgendwann nicht mehr an Unwissenheit!

29.10.2016 14:34 Mediator an Krause (12) 13

Hallo Krause,

ich werde mich mit Sicherheit auch nicht daran gewöhnen, dass manche Menschen NEONAZIS die mordent durch das Land ziehen als nette [ostdeutsche] Junge ansehen, die halt ein wenig frustriert über ihr [selbstverpfuschtes] Leben waren.

Selbst der Höcke fordert ja mehr Männlichkeit von den Deutschen. Mörder, Nazis die im Rudel einen Ausländer halb tot treten oder Neonazis, deren sexuelle Passion der Mißbrauch von Kindern ist fallen ja selbst bei der AfD durch das akzeptable Raster durch.

Man sollte den Anhängern solcher Menschen durchaus deutlich machen, dass es sich um arme Würstchen und in jeder Hinsicht gescheiterte Existenzen handelt.

Ich hoffe je darauf, dass dienjenigen die rechten Thesen aufgeschlossen sind, aber noch nicht mit der Realität abgeschlossen haben, dies ähnlich sehen.

29.10.2016 11:02 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 12

@ 11. Medi: "Der NSU und seine Umgebung waren keine guten Deutschen mit stark konservativen Ansichten das waren schlicht und ergreifend Mörder und Verbrecher!"

Immer noch nich dran gewöhnt, daß das bei manchen halt keinen Unterschied ausmacht? ;)

29.10.2016 09:08 Mediator an 4711 (11) und jochen (5) 11

@11: Wie kommen Sie bei der aktuellen Meldung auf "Staatsversagen"? Entweder handelt es sich um einen schlichten handwerklichen Fehler der Kriminaltechniker oder um eine sensationelle Wendung in den beiden Fällen. Wenn bei Ihnen ein Schreiner die Küche krumm einbaut, handelt es sich dann auch um ein Staatsversagen?

Ansonsten was glauben Sie, das nach der Wahl 2017 geschieht? Was glauben Sie den könnte die Wahl ändern?

@5: Der NSU war kein Kindergarten, sondern eine Terrorvereinigung von verblendeten NEONAZIS die Mitbürger gemordet hat und deren Umfeld in schwerste Kriminalität und Kindesmissbrauch verwickelt war. So etwas gehört aufgeklärt!
Der NSU und seine Umgebung waren keine guten Deutschen mit stark konservativen Ansichten das waren schlicht und ergreifend Mörder und Verbrecher!

29.10.2016 08:30 Herbert 10

Wäre ja der Knaller, wenn Tschäpe das jetzt doch bestätigt. Für manche scheint die Sache ja klar zu sein.

29.10.2016 00:08 Ted Striker 9

Was stinkt wohl mehr zum Himmel? Der NSU-Sumpf (hinter den Kulissen, aka Verfassungsschutz), der Fall Peggy (Sag einfach ja, Ulfi und Du kriegst einen Lutscher) oder einfach nur 'Das Phantom', die mordende und brandschatzende Powerfrau?

28.10.2016 23:40 Mediator 8

Die im Artikel genannten Thesen sind doch durchaus nachvollziehbar. Natürlich wäre die Verbindung beider Fälle eine Sensation und gäbe neue Hoffnung für die Angehörigen von Peggy, dass die Umstände ihres Todes doch noch geklärt werden.

Selbstverständlich hinterfragt man bei solch einer Übereinstimmung kritisch jede noch so kleine Hypothese, wie die DNA Spur von Böhnardt ausser durch die Tat an den Fundort gelangen könnte.

Da Böhnhardts DNA bekannt war, hätte man sie bei einem verunreinigten Meterstab innerhalb von 5 Jahren sicherlich bereits früher an anderer Stelle entdeckt. Weiterhin wurde im Artikel ja ausgeführt, dass es durchaus Standards gibt, wie solche Werkzeuge zu reinigen sind. Einmal in 5 Jahren wird man dies wohl ordentlich gemacht haben.

Was bleibt ist eine DNA Spur, ein totes Mädchen sowie ein toter Neonazi. In dessen Freundeskreis gab es vorbestrafte Pädophile und auf dem Laptop seiner <Lebensgefährtin> Frau Zschäpe wurde Kinderpornographie sichergestellt.

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