Flugzeug beim Landeanflug
Sich fürs Fliegen schämen: Die Schweden kennen das - die Deutschen noch nicht so sehr. Bildrechte: dpa

Umwelt Deutsche schämen sich nicht fürs Fliegen

Fliegen ist schlecht für die Umwelt und wirkt für viele Schweden protzig. Deshalb kennen die Schweden das Gefühl "Flygskam" - Flugscham. In Deutschland ist es noch nicht besonders weit verbreitet.

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Flugzeug beim Landeanflug
Sich fürs Fliegen schämen: Die Schweden kennen das - die Deutschen noch nicht so sehr. Bildrechte: dpa

Laut Deutschem Reiseverband sind gerade einmal acht Prozent aller Reisen, die Deutsche unternehmen, Fernreisen. Dennoch ist der Anteil der Flugreisen in den letzten Jahren immer mehr angestiegen, von 30 Prozent aller Reisen im Jahr 2000 auf 41 Prozent im Jahr 2018.

Fliegen als Statussymbol

Das ist viel zu viel, sagt Anne Kretzschmar. Sie engagiert sich mit 30 anderen Mitgliedern in der deutschen Initiative "Am Boden bleiben". Die Gruppe ist Teil des internationalen Netzwerks "Stay Grounded", das sich gegen das Fliegen ausspricht. Den Grund, warum so viele Menschen fliegen, sieht die Gruppe im modernen Lebensstil mit seiner Hypermobilität: Alles müsse man mal gesehen haben und überall hinfliegen zu können, gelte als Statussymbol. Das könne aber nicht sein:

Wir wissen um die Folgen der Klimakrise und vor allem leiden unter den Folgen meistens die Menschen, die noch nie in einem Flugzeug saßen.

Anne Kretzschmar, "Am Boden bleiben"

Anne Kretzschmar fliegt schon seit einigen Jahre nicht mehr. So wie die Schwedin Greta Thunberg. Spätestens durch sie und die "Fridays for Future" Bewegung stellen sich auch viele Menschen in Leipzig die Frage nach dem richtigen Umgang mit unserer Umwelt. Aber haben sie auch etwas in ihrer Einstellung zum Fliegen verändert? Drei Passanten bei einer Straßenumfrage:

  • "Noch nicht, ich fliege auch Ende April in die USA, teilweise beruflich, aber für den nächsten Urlaub denke ich vielleicht schon drüber nach."

  • "Das ist meine Freizeit, das mache ich so und ich mache mir darüber keine Gedanken. Ich mache mir über andere Dinge Gedanken, zum Beispiel Müll."

  • "Ich versuche auf jeden Fall, nicht solche Wochenendtrips mal nach Paris zu machen. Und innerdeutsch oder innereuropäisch wird eigentlich nie geflogen."

Auch Fluganbieter wollen auch Nachhaltigkeit setzen

Ob sich das aufkommende Umweltbewusstsein auf das Reiseverhalten der Deutschen auswirke, könne man erst am Ende des Jahres beurteilen, sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband. Die Branche setze seit einigen Jahren auf Nachhaltigkeit. So sei es unter anderem möglich, ein so genanntes Kompensationsgeld zu zahlen - also seinen CO2-Ausstoß vom Flug über eine Spende für ein Umweltprojekt auszugleichen. Von einer "Flugscham" der Deutschen merke er nichts, so Schäfer:

Bei Umfragen unter den Konsumenten kam in der vergangen Zeit häufig auf, dass sie Wert auf nachhaltiges Reisen legen, aber in der Realität sieht es anders aus. Die Menschen kaufen noch nicht so häufig nachhaltige Reisen wie es laut den Umfragen eigentlich sein müsste.

Torsten Schäfer, Deutscher Reiseverband

Und selbst wenn sie Angebote wie sogenannte Kompensationszahlungen in Anspruch nehmen würden, wäre das Problem damit nicht gelöst, sagt Anne Kretzschmar von "Am Boden bleiben". Studien hätten gezeigt, dass solche Spendenprojekte keinen Effekt hätten, sondern einfach nur das Gewissen beruhigten. Wirklich wichtig seien der Ausbau des grenzüberschreitenden Verkehrs, besonders des Zugverkehrs, und ein Umdenken bei jedem einzelnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. April 2019 | 06:16 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 08:22 Uhr