Gummistiefel für Kinder
Auch in absehbarer Zeit wird Leipzig nicht alle Kinder in einer Kita aufnehmen können. Bildrechte: dpa

Fünf Jahre Rechtsanspruch In Leipzig fehlen rund 500 Kita-Plätze

Seit fünf Jahren soll Eltern garantiert werden, dass sie einen Kitaplatz bekommen, wenn ihr Kind ihn braucht. Das ist gesetzlich verankert: Städte und Landkreise müssen also einen Platz im Kindergarten anbieten können. Tatsächlich sind in Mitteldeutschland viele neue Kitas in den letzten fünf Jahren entstanden, das bestätigen die Statistischen Landesämter. Trotzdem gibt es Kommunen, in denen es nicht reicht. Oben auf der Liste: Leipzig. Und fehlende Plätze sind nicht das einzige Problem.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Gummistiefel für Kinder
Auch in absehbarer Zeit wird Leipzig nicht alle Kinder in einer Kita aufnehmen können. Bildrechte: dpa

Zuerst hat sich die Leipzigerin Susanne Klimmroth gefreut. Sie habe recht schnell, innerhalb von zwei Monaten, einen Kitaplatz für ihre Tochter gefunden, mit sehr netten Erzieherinnen, erzählt sie. Nach und nach allerdings stellte sie fest, wie marode die Kita im Stadtteil Seehausen ist. "An der Fassade, wenn es viel regnet, drückt das Wasser rein. Und die Heizungen sind nicht regulierbar, die Dachrinnen sind rostig, also der Verfall ist schlimm."

Baulicher Zustand und Zuzug machen zu schaffen

Doch in Leipzig wird zurzeit jeder Kita-Platz gebraucht, auch in maroden Einrichtungen. In der Stadt fehlten aktuell rund 500 Betreuungsplätze, sagt Jens Kabisch vom Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt.

Der Grund für den Mangel: Leipzig hat seit Jahren einen Kinderboom. "Letztlich wächst die Stadt deutlich dynamischer, als wir angenommen haben. Da ist die Geburtenrate das eine, die kann man gut prognostizieren. Beim Zuzug wird es schwieriger. Und dass die Stadt in beiderlei Hinsicht attraktiv ist, ist grundsätzlich eine sehr schöne Nachricht. Das stellt uns aber auch vor erhebliche Herausforderungen", erklärt Jens Kabisch. 

Gutes Personal händeringend gesucht

Leipzig ist die Stadt in Sachsen, die sich am schwersten damit tut, den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz zu erfüllen. Dieser Anspruch wurde vor fünf Jahren eingeführt. Auf dem Land bekommt man heute in der Regel einen Kita-Platz. In den stark wachsenden Großstädten ist das dagegen schwieriger. 

Wie Zahlen des Statistischen Landesamts zeigen, entstanden in ganz Sachsen seit 2013 rund 150 neue Kitas. Die Zahl der Kinder in den Einrichtungen hat sich um 40.000 erhöht, die der Erzieher um 4.000.

Eines der größten Probleme in den kommenden Jahren werde jetzt die Personalsuche werden, sagt Jens Kabisch. "Die Ressourcen auf dem Arbeitsmarkt werden knapp, gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher sind nur schwer zu finden. Zumal wir als Stadt in Konkurrenz zu den freien Trägern stehen, weswegen übrigens auch Erzieherinnen und Erzieher in Leipzig deutlich besser bezahlt werden als das noch vor mehreren Jahren der Fall war."  

Einkommen müssen attraktiver werden

Knapp 2.700 Euro brutto verdient eine Erzieherin, die gerade angefangen hat, im öffentlichen Dienst laut Tarifvertrag. Doch nicht alle zahlten nach Tarifvertrag, sagt Manuela Schmidt von der Gewerkschaft Verdi. Sie fordert die Politik auf, Weichen zu stellen, um den Job attraktiver zu machen, nicht nur für Neuanfänger, sondern auch für langjährig Beschäftigte.

"Wir haben ein wachsendes, zunehmendes Alter im Erzieherbereich und eine ziemlich hohe physische und psychische Belastung. Da wird nicht entsprechend gegengesteuert. Auf der einen Seite sagt man, wir wollen hohe Qualität, das ist die Erwartung der Politik und auch der Eltern. Aber man tut nicht ausreichend dafür, an dieser Qualitätsschraube etwas zu verändern."

Ungeachtet dessen werden in ganz Sachsen weiter neue Einrichtungen gebaut oder alte erweitert. Allein Leipzig will in den nächsten knapp zwei Jahren 45 Millionen Euro in die Hand nehmen, für zwölf Kita-Neubauten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2018 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 08:11 Uhr

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2 Kommentare

01.08.2018 08:23 REXt 2

Nur 500? Bald werden durch Familiennachzug, und weiter ungehinderte Migration noch mehr Kitaplätze fehlen u. das nicht nur in Leipzig sondern Bundesweit!

01.08.2018 07:31 Na so was 1

"Vor fünf Jahren wurde der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz eingeführt." Und warum ist man fünf Jahre später nicht in der Lage, wie in Leipzig z.B., diesen Rechtsanspruch zu erfüllen ? Für mich ein Armutszeugnis konkret für Leipzig, da es aber noch mehrere andere Gemeinden und Städte in Deutschland mit dem gleichen Problem gibt, auch für Deutschland im Gesamten. Seit fünf Jahren gilt dieser Rechtsanspruch, also seit 2013. Am fehlenden Geld kann es also nicht liegen. Es klappt gerade heute, dem 01.08.2018, mit einem Beispiel, wo man sieht, es ist doch genügend Geld da. Heute ist Tag der Landtagsabgeordneten, zum achten mal in Folge werden die "Diäten" immer zum 01. August erhöht. Und warum nennt man das Diäten ? Geld ? Ist genug vorhanden. Es muß nur ordentlich und gerecht nach den Bedürfnissen verteilt werden. Aber leider ! ...