Ein Blick auf ein Handy mit den verschiedenen Social Media Apps, wie Facebook, Instagram, Twitter.
Das Smartphone ist für viele ein täglicher Begleiter. Doch wie schädlich ist es, dauerhaft der Handystrahlung ausgesetzt zu sein. Bildrechte: dpa

Handystrahlung Wie gesundheitlich schädlich ist das neue 5G?

Am 19. März beginnt die Versteigerung der deutschen Frequenzen für ein mobiles 5G-Breitband. MDR AKTUELL - Hörerin Marion Krüger aus Dresden beschäftigt dabei das Thema Handystrahlung. Sie möchte wissen, welche Studien und aktuellen Erkenntnisse es zu gesundheitlichen Risiken infolge der Dauerstrahlung bei der Absicherung kabelloser Informationsübertragung durch 4G- und 5G-Technologie gibt.

von Albrecht Wagner, MDR AKTUELL

Ein Blick auf ein Handy mit den verschiedenen Social Media Apps, wie Facebook, Instagram, Twitter.
Das Smartphone ist für viele ein täglicher Begleiter. Doch wie schädlich ist es, dauerhaft der Handystrahlung ausgesetzt zu sein. Bildrechte: dpa

Das Szenario, das nicht nur Frau Krüger Sorgen macht: Zu Hause verschicken Kühlschrank oder Waschmaschine ständig Informationen. Auf der Straße kommunizieren selbstfahrende Autos und senden riesige Datenströme durch die Luft.

Unser Alltag ist mit 5G komplett vernetzt und wir sind überall den sogenannten Handystrahlen ausgesetzt – also wissenschaftlich hochfrequenten Feldern wie zum Beispiel die in der Mikrowelle.

Keine nachgewiesenen Gesundheitsschäden

Kann das krankmachen? Sarah Drießen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit der Uniklinik Aachen verneint das erst mal, denn "es gibt keine nachgewiesenen gesundheitlichen Wirkungen von Handystrahlung." Drießen räumt aber ein, es werde diskutiert, ob es mögliche Risiken für Hirntumore oder Wirkungen auf die Hirnaktivität gebe.

Studien liefern mehr Erkenntnisse

Wegen diesen möglichen Risiken stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung Handystrahlung in die 2B-Kategorie: möglicherweise krebserregend und genau in der Mitte zwischen Nein und Ja.

Zwei aktuelle Studien aus den USA und Italien haben die Diskussion neu angefacht. Sie zeigen bei Mäusen und Ratten einen messbaren Anstieg einer bestimmten Krebsart. Forscherin Drießen lobt die Studien und meint, "die Ergebnisse von den Studien sollten durchaus ernst genommen werden."

Allerdings sind Rückschlüsse auf den Menschen schwierig, weil die festgestellte Krebsart, ein sogenanntes Herzschwannom ist und bei Menschen so gut wie nie vorkommt.

5G-Stopp wird gefordert

Rund 200 internationale Wissenschaftler und Ärzte sehen trotzdem in den Studien einen weiteren Grund, den 5G-Stopp zu fordern. Sie warnen vor einem rasant steigenden Alltagskontakt mit Handystrahlung.

In einem im Internet verbreiteten internationalen Appell heißt es:

Neben 5G-Basisstationen werden laut Schätzungen '10 bis 20 Milliarden Drahtlosanschlüsse' zu einer exponentiellen Zunahme der gesamten langfristigen Exposition aller EU-Bürger gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) führen.

Neben 5G-Basisstationen werden laut Schätzungen '10 bis 20 Milliarden Drahtlosanschlüsse' zu einer Zunahme des gesamten langfristigen Kontakts aller EU-Bürger mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern führen.

Neue Funkstationen notwendig

Dass es viele neue Funkstationen geben wird, liegt an der geringen Reichweite der 5G-Antennen. Sie können deshalb nicht wie bisherige Mobilfunkantennen von Hausdächern senden, sondern müssen als kleine sogenannte Smart Cells in Hauswänden oder Haltestellenhäuschen dicht verteilt werden.

Gezielteres Senden kann Strahlung reduzieren

Allerdings könnten neue technische Lösungen die Strahlung reduzieren. Indem die Antennen Funkwellen nicht rundum streuen, sondern als dünnen gezielten Strahl zum Empfänger senden.

Einer der führenden deutschen Mobilfunk-Experten Christian Bornkessel von der TU Ilmenau hält auch die Prognosen der 5G-Skeptiker, wie viel mehr Handystrahlung es geben wird, für zu hoch. 

Messungen bleiben unter den Grenzwerten

Bornkessel verweist darauf, dass 5G zum Teil über das heutige UMTS-Netz senden wird. Das bedeutet, dass eine Strahlung nur durch eine andere ersetzt werde. "In den Frequenzbereichen, wo bisher noch nichts läuft, wird sich auch die Strahlung erhöhen." 

Aber auch hier wird sie nach den Messungen von Christian Bornkessel weit unter den internationalen Grenzwerten bleiben.

Keine endgültige Entwarnung

Gesundheitsexpertin Sarah Drießen sieht auch keine akute Bedrohung durch 5G – wegen der die internationalen Wissenschaftler einen Aufschub fordern. Den findet Drießen nicht gerechtfertigt. "Aber offene Fragen sollten natürlich parallel beforscht und auch geklärt werden."

Denn eine definitive Entwarnung zur Gefahr von Handystrahlung kann die Wissenschaft noch nicht geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Rückblick

Zurück zur Startseite