Ein Binnenschiff transportiert 2015 auf der Elbe Güter.
Die Elbe in Sachsen-Anhalt. Die Wasserqualität in dem Bundesland ist laut WWF prekär. Bildrechte: dpa

Untersuchung WWF beklagt schlechten Zustand der deutschen Gewässer

In den deutschen Gewässern finden sich einer Untersuchung zufolge zu viel Nitrat und Quecksilber. Der WWF schlägt deshalb Alarm und fordert, den Gewässerschutz endlich ernst zu nehmen. Besonders schlecht ist die Wasserqualität in Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Ein Binnenschiff transportiert 2015 auf der Elbe Güter.
Die Elbe in Sachsen-Anhalt. Die Wasserqualität in dem Bundesland ist laut WWF prekär. Bildrechte: dpa

Die Qualität der Gewässer in Deutschland ist aus Sicht der Umweltschutzorganisation WWF "flächendeckend prekär". Im aktuellen Report des WWF heißt es, mehr als ein Drittel der Grundwasser-Vorkommen in Deutschland sei in einem schlechten chemischen Zustand.

Als Grund dafür nennt die Organisation die Belastung mit Nitrat aus der Landwirtschaft. Zudem sei die Belastung mit Quecksilber zu hoch. Sie liege beinahe flächendeckend über den in der Wasserrahmenrichtlinie festgeschrieben Grenzwerten. Der WWF kritisiert zudem Begradigungen, Vertiefungen, Wehre und Stauanlagen.

Laut WWF sind nur noch acht Prozent der deutschen Bäche und Flüsse ökologisch intakt. Wenn ein Gewässer ökologisch nicht intakt ist, findet man dort dem WWF zufolge nicht die Tiere und Pflanzen, die natürlich dort leben sollten.

EU-Wasserrahmenrichtlinie Die Wasserrahmenrichtlinie wurde im Jahr 2000 von den EU-Mitgliedsstaaten verabschiedet. Alle Mitgliedstaaten der EU sind verpflichtet, bis 2015 und in Ausnahmefällen bis 2027 alle Gewässer in einen "guten ökologischen" und "guten chemischen Zustand" zu bringen. Für Grundwasser ist ein "guter mengenmäßiger" und "guter chemischer Zustand" zu erreichen.

Thüringen im Mittelfeld

Dem WWF zufolge gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Rheinland-Pfalz, Bayern und Schleswig-Holstein bildeten zwar die Spitzengruppe beim Wasserschutz. Sie blieben aber "weit" hinter den gesetzlichen Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zurück. WWF-Vorstand Christoph Heinrich sprach wörtlich von den "Einäugigen unter den Blinden".

Zum Mittelfeld zählt der WWF unter anderem Thüringen. Im Freistaat sind den Umweltschützern zufolge mehr als 27 Prozent der Flüsse in einem schlechten ökologischen Zustand. Bei 45 Prozent wird der Zustand als unbefriedigend angegeben. Knapp 21 Prozent der insgesamt 124 Fließgewässer seien in einem mäßigen und 6,6 Prozent in gutem Zustand.

Sachsen-Anhalt und Sachsen Schlusslichter

Sachsen-Anhalt belegt in der Untersuchung den vorletzten Platz. Nur Sachsen schnitt noch schlechter ab. Dreiviertel aller Bäche und Flüsse in Sachsen-Anhalt sind laut Studie in einem mäßigen bis unbefriedigenden Zustand. Die Bewertung der Seen fiel ähnlich aus: Sie seien allesamt in einem schlechten Zustand.

Laut WWF ist die Wasserqualität in Sachsen die schlechteste in Deutschland. Als größtes Problem für die Wasserqualität nennt der WWF die Nitratbelastung durch die Landwirtschaft.

Nicht berücksichtigt wurden für die Studie Hamburg und Bremen. Laut WWF gibt es in Hamburg keine natürlichen Fließgewässer mehr. Bremen melde die Daten nicht durchgängig.

WWF fordert mehr Geld und Personal

WWF-Vorstand Heinrich forderte Bund und Länder auf, den Gewässerschutz endlich ernst zu nehmen. Er kritisierte, dass Teile von Industrie und Agrarbranche auf Kosten des Wassers gewirtschaftet hätten. da sei zu lange weggesehen worden. Notwendig seien mehr Geld und mehr Personal für den Gewässerschutz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2018, 12:22 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

05.11.2018 22:39 D. Thomas Scholle 10

Macht Sinn, nach mehr Geld zu rufen. Diese Studie würde als Gutachten in meinem Ingenieurbüro durchfallen, wenn verantwortungsvolle Journalisten Inhalte hinterfragen würden. Analysentabellen wo? Quecksilber warum in Osten und woher? Es gibt Belastungen, aber WWF legt vieles so aus, wie er es benötigt oder sehen will. Sorry, ich kenne mich da ein wenig aus. Mit der Zitierweise erhalten Sie nichtmal eine Belegarbeit. Hydrochemie mit Bindungen ist = Null. Geht es hier um Gelder für die Autoren?

05.11.2018 22:16 part 9

Bei Nitrat sind die Veruracher bekannt, aber beim Quecksilber wird leider die Kohleförderung und Kohleverstromung nicht benannt oder als hauptverursacher gekonnt verschwiegen, besonders wenn der Ostwind weht. Nitrat ist gut für die Fauna und das Algenwachtum, Quecksilber dagegen nicht.

05.11.2018 18:43 Wolfgang Nawalny 8

@ Frank 7 - Das was Sie berichten habe ich im Sommer auch in der Sächsischen Zeitung lesen können und der Beitrag war sehr ausführlich und schien mir auch sehr untermauert zu sein.

05.11.2018 17:10 Frank 7

Im Frühjahr konnte man in den Medien völlig gegenteilige Mitteilungen zum Zustand der deutschen Gewässer lesen. Es ergibt sich zwangsläufig die Frage, wer arbeitet hier mit welchen Grenzwerten und wer legt die nach welchen Kriterien fest.

05.11.2018 16:20 Max W. 6

(WWF fordert mehr Geld und Personal

WWF-Vorstand Heinrich forderte Bund und Länder auf, den Gewässerschutz endlich ernst zu nehmen. Er kritisierte, dass Teile von Industrie und Agrarbranche auf Kosten des Wassers gewirtschaftet hätten. da sei zu lange weggesehen worden. Notwendig seien mehr Geld und mehr Personal für den Gewässerschutz.)

An wen geht die Forderung? An die Lobbyisten und "Experten" derjenigen, die auf Kosten aller ihre Profite durch die Dauersauerei generieren? Na, das wird natürlich dann einschlagen wie ein Wattebausch - das wissen die nämlich schon lange und versuchen ja gerade jede längst fällige Konsequenz daraus zu verhindern.

Vielleicht sollte der WWF mal endlich ein paar Namen nennen - gerade in Sachsen-Anhalt dürfte nichts leichter sein, als das. Der Name einer der übelsten Figuren beginnt mit H - das nur als Tip;
da reicht ein Blick auf einen Quecksilbersee in der Altmark und eine gewisse "Arena"...

05.11.2018 16:13 C.T. 5

"...Nitratbelastung durch die Landwirtschaft..."
Das ist doch ein alter Hut und schon lange durch diverse Gewässeranalysen erwiesen. Jedoch wiegen die Steuereinnahmen durch die Landwirtschaft mehr als der Exodus an unserer Umwelt. Hier wird sich seitens der Politik nichts ändern ausser dem dreschen neuer Phrasen...

05.11.2018 14:58 Horst 4

Wen wundert es. Die deutsche Politik interessiert sich doch eh nicht groß was Brüssel vorgibt. Man nutzt Fristen bis zum Ende (oder darüber hinaus), setzt nur mangelhaft um und muss häufig durch Gerichte dazu gebracht werden zu handeln. Und das vor allem bei Themen wie Umwelt-/Naturschutz (aka Heimatschutz) und Verbraucherrechte.

05.11.2018 14:56 Max W. 3

(WWF fordert mehr Geld und Personal

WWF-Vorstand Heinrich forderte Bund und Länder auf, den Gewässerschutz endlich ernst zu nehmen. Er kritisierte, dass Teile von Industrie und Agrarbranche auf Kosten des Wassers gewirtschaftet hätten. da sei zu lange weggesehen worden. Notwendig seien mehr Geld und mehr Personal für den Gewässerschutz.)

An wen geht die Forderung? An die Lobbyisten und "Experten" derjenigen, die auf Kosten aller ihre Profite durch die Dauersauerei generieren? Na, das wird natürlich dann einschlagen wie ein Wattebausch - das wissen die nämlich schon lange und versuchen ja gerade jede längst fällige Konsequenz daraus zu verhindern.

Vielleicht sollte der WWF mal endlich ein paar Namen nennen - gerade in Sachsen-Anhalt dürfte nichts leichter sein, als das. Der Name einer der übelsten Figuren beginnt mit H - das nur als Tip.

05.11.2018 14:26 Sr.Raul 2

Macht nüscht! Da werden dann auch einfach die Grenzwerte nach oben geheilt und dann passt der Laden wieder. So wie beim "Dieselskandal" wohl in Planung, wenn ich das Gelesene noch richtig in Erinnerung habe. Soll ja wohl das Emissionsschutzgesetz entsprechend angepasst werden.

05.11.2018 13:36 Artep 1

Aber es ist schon bekannt, dass Flüsse an den Landesgrenzen nicht halt machen oder ausgewechselt werden. Sollten hier nicht viel mehr die Flüsse und ihre Einzugsgebiete verglichen werden.