Bäcker der Bäckerei Schwerdtner aus Löbau bei der Arbeit
In der gesamten Lebensmittelindustrie sind die Löhne gering. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gewerkschaft kämpft Zu niedrige Löhne in der Lebensmittelbranche

Wohl keine Gewerkschaft ist so häufig mit Niedriglöhnen konfrontiert wie die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Die NGG vertritt nicht nur die Angestellten in der Lebensmittelindustrie, sondern auch die Angestellten von kleinen Bäckereien, Fleischereien, Hotels und Gaststätten. Noch bis Freitag trifft sich die NGG zum Gewerkschaftstag in Leipzig.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Bäcker der Bäckerei Schwerdtner aus Löbau bei der Arbeit
In der gesamten Lebensmittelindustrie sind die Löhne gering. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kein Bäcker in Sachsen bezahlt seinen Angestellten Tariflohn. Dieser Fakt ist Guido Zeitler, dem neuen Vorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, ein Dorn im Auge. Seit 15 Jahren gebe es im sächsischen Bäckerhandwerk keinen Tarifvertrag mehr, sagt er. Dementsprechend seien die Gehälter und die Einkommen in der Branche sehr niedrig. Das sei auch der Grund für das fehlende Personal.

Zeitler würde das gern ändern. Er wünscht sich mehr Tarifbindung in all seinen Gewerken. Im Gastgewerbe zahlt im Osten nur jedes zehnte Unternehmen Tarif. Meistens ist der Mindestlohn das Maß der Dinge. Und manchmal nicht einmal der. In der Gastronomie werde das Mindestlohngesetz vielfach unterlaufen, beklagt Zeitler. Denn es gebe zu wenig Kontrollen. Zuständig dafür sei die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Bei dieser sollten mit der Einführung des Mindestlohns Stellen aufgebaut werden.

Das ist aber in dem Umfang nicht erfolgt. Und die, die aufgebaut wurden, sind dann teilweise für andere Zwecke eingesetzt worden. Das heißt die Kontrollen in den Betrieben fanden viel zu wenig statt.

Guido Zeitler, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten

Tarifverträge gar nicht möglich?

Roland Ermer
Roland Ermer ist sächsischer Innungsmeister. Bildrechte: Sächsischer Handwerkstag/Wolfgang Schmidt

Auf Nachfrage von MDR AKTUELL bestätigt das Bundesfinanzministerium, dass die Anzahl der Kontrollen gesunken ist. Im ersten Halbjahr wurden bundesweit rund zehn Prozent weniger Betriebe überprüft als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

Den Unternehmen ist es trotzdem zu viel. Das Bäckerhandwerk zum Beispiel schimpft über die Mindestlohn-Bürokratie. Sachsens Innungsmeister Roland Ermer sagt, dass ausgerechnet der Mindestlohn Tarifverträge überflüssig gemacht habe. Inzwischen werde über eine staatliche Lohnuntergrenze von zwölf Euro diskutiert.

Da fragt man sich schon, bei dieser Steigerung, die zu erwarten ist in den nächsten Jahren: Warum soll es noch einen Tarifvertrag geben?

Roland Ermer, Sächsischer Innungsminister

Der Innungsmeister sagt, er habe schon vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns davor gewarnt, dass die Tarifparteien die Kompetenz verlieren würden, Tarifverträge abschließen zu können. Besondern betroffen davon seien Branchen, die immer am unteren Ende der Lohnskala lägen.

Es braucht mehr Gewerkschafter

Guido Zeitler will das nicht gelten lassen. Der neue Gewerkschaftschef begrüßt einen höheren Mindestlohn. Zusätzlich möchte er aber auch Tarifverträge haben. Denn die schrieben ja nicht nur die Lohnhöhe fest, sondern auch die Höhe des Weihnachtsgelds oder die Anzahl der Urlaubstage. Es gebe also deutlich mehr Dinge als nur das Gehalt, die die Gewerkschaft für ihre Mitglieder über einen Tarifvertrag regle.

Eines räumt Zeitler allerdings ein: Um solche Dinge durchzusetzen, brauche es engagierte Gewerkschafter. Mitglieder, die auch mal streiken würden. In den vergangenen Jahren gingen die Mitgliederzahlen bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten allerdings stetig zurück.

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Zuletzt aktualisiert: 07. November 2018, 11:28 Uhr

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1 Kommentar

07.11.2018 12:54 Michael Möller 1

wenn ich diesen Artikel lese und dann eine Innenminister sich gegen den Tarifverträge ausspricht muss ich mich fragen wer bezahlt dien Politiker eigentlich der Souverän oder die Lobbyisten. auch brauchen wir nicht mehr Gewerkschaften sondern Gewerkschaften die auch mal zähne zeigen und nicht vor den Tarifrunden sagen unter 5% geht nichts und dann sich feiern lassen wollen für 0,5% dann abschließen. Zahnlose Gewerkschaften bracht kein Mensch. so sieht es doch leider aus oder etwa nicht