Ein Düngfahrzeug in einer Nahaufnahme.
Eine moderne Art, Felder mit Gülle zu düngen: Die Gülle wird nicht gespritzt, sondern direkt in die Erde gegeben. Bildrechte: Maren Beddies

Düngen mit Gülle Gülledüngung sorgt für Ärger bei Anwohnern

Wer auf dem Land wohnt, sollte auch Landgerüche ertragen können. Doch das Düngen mit Gülle ist stark umstritten – nicht nur wegen möglicher Nitratbelastungen im Boden und Grundwasser. Schon die Ausdünstungen, die Gülle hinterlässt, sind mitunter für Anwohner belastend. So jedenfalls empfindet es MDR AKTUELL Hörer Jörg Clauß aus Chemnitz. Er möchte wissen, wieviel Gülle die Bauern auf den Feldern verteilen dürfen.

von Maren Beddies, MDR Aktuell

Ein Düngfahrzeug in einer Nahaufnahme.
Eine moderne Art, Felder mit Gülle zu düngen: Die Gülle wird nicht gespritzt, sondern direkt in die Erde gegeben. Bildrechte: Maren Beddies

Der Frühling ist da: Es riecht nach frischer Erde. Auf den Feldern bearbeiten Landwirte den Boden und bringen Gülle aus. Dieser Geruch verdirbt einigen Menschen zuweilen die Freude an der Natur, bestätigt auch Biolandwirt Roland Einsiedel - Gülleexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz in Sachsen.

Trotz der so genannten "guten fachlichen Praxis“ würden einige gegen die Auflagen verstoßen und die Gülle "massig ausbringen". Laut Roland Einsiedel müsse sich vor allem die Kontrolle verbessern. Dabei gehe es ihm konkret um den gedüngten Boden, die Qualität der verwendeten Gülle und wie viel davon verwendet wird.

Komplette Geruchsvermeidung unmöglich

Das Thema Gülle stinkt auch konventionellen Landwirten. Viele wollen nicht darüber sprechen, bemängeln eine einseitige Berichterstattung. Im Umfeld unseres Hörers war kein Landwirt für ein Gespräch zu finden, dafür immerhin in einer anderen Ecke von Chemnitz. Für Jens Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des „Wirtschaftshofes Sachsenland“ in Chemnitz Röhrsdorf ist es eine Frage der Wahrnehmung.

Wenn wir von der Toilette aufstehen, ist es auch nicht immer ein Eau de Toilette. Wir geben uns große Mühe, dass es nahezu nicht riecht, aber eine Geruchsvermeidung ist unmöglich.

Jens Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des "Wirtschaftshofes Sachsenland"

Wenn an trockenen Tagen ein Güllewagen nach dem anderen Richtung Feld fährt, zieht der Tross eine strenge Fahne hinter sich her. Der Geruch verfliegt zwar schnell, ist aber unangenehm. Jens Hoffmann findet sogar, dass sich die Landwirte ärgern müssten. Der Geruch kommt nämlich von Ammoniak und Schwefel. Das sei "bares Geld" und eben in der Luft und nicht im Boden.

Moderne Technick hilft

Der Vorstandsvorsitzenden des -Wirtschaftshofes Sachsenland- in Chemnitz, Jens Hoffmann steht auf einem Feld.
Jens Hoffmann versucht den Gestank beim Düngen mit Gülle zu minimieren. Bildrechte: Maren Beddies

Die Ausdünstungen vom Güllewagen kann auch der Landwirt aus Chemnitz nicht ganz verhindern. Sachsenland arbeitet jedoch mit moderner Technik. Dabei wird Gülle nicht mit Pralltellern verteilt, die alles durch die Luft streuen und Gestank verbreiten. Stattdessen wird die Gülle bodennah eingearbeitet, damit es möglichst wenig Verdunstung gibt.

Dabei zieht die Maschine einen Grubber hinter sich her, wie Hoffmann erklärt. Diese Scheibe schlitze den Boden auf. Hinter der Scheibe sei ein Düngeschlauch, der die Gülle in den Boden gebe. Dahinter komme eine Walze, die das wieder andrücke, wodurch nichts mehr an der Oberfläche sei.

Gülle-Obergrenze

Bleibt die Frage: Wieviel Gülle darf der Landwirt auf den Acker bringen? Gemäß aktueller Gülleverordnung zwischen der letzten Ernte und Anfang Februar gar nichts. Auch wenn der Boden gefroren oder sehr nass nicht. Die Gülle könnte nicht eingearbeitet werden oder die Maschinen würden steckenbleiben.

Ansonsten gibt es eine bundesweite Obergrenze, wieviel Stickstoff pro Hektar und Jahr die Landwirte im Durchschnitt ausbringen dürfen. Um eine Überdüngung – und damit eine zusätzliche Nitratbelastung des Bodens – zu vermeiden, werden im Winter Bodenanalysen von externen Labors durchgeführt. Dadurch weiß der Landwirt, wieviel Stickstoff erlaubt und nötig ist.

Umweltfreundliche Alternativen

Es gibt auch Bauern, die ganz ohne Gülle auskommen. Biolandwirt Roland Einsiedel ernährt seinen Boden ganz anders. Stickstoff für den Boden könne man auch durch den so genannten Zwischenfruchtanbau gewinnen. Dabei werden Pflanzen angebaut, die selbst Stickstoff sammeln, wie zum Beispiel Luzerne oder Klee.

Das blüht auch gut. Da haben wir [auch] wieder was für die Insekten getan. Das ist also ein unendlicher Kreislauf.

Roland Einsiedel, Biolandwirt

Der Verbraucher kann mitentscheiden, wieviel Gülle im Umlauf ist. Denn viel Fleisch- und Wurstkonsum heißt auch viel Tier- und Gülleproduktion.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2019, 05:00 Uhr

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26 Kommentare

11.04.2019 21:22 Manni 26

beschwert Euch nicht und fragt beim ZK der SED-Kreisleitung nach. Die Gülle sitzt tief in den Gremien.

11.04.2019 14:27 Ureinwohner 25

"Wenn wir von der Toilette aufstehen, ist es auch nicht immer ein Eau de Toilette. Wir geben uns große Mühe, dass es nahezu nicht riecht, aber eine Geruchsvermeidung ist unmöglich."Jens Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des "Wirtschaftshofes Sachsenland sagt nichts zur Nitratbelastung des Grundwassers. Der Gestank vergeht ,die Nitratbelastung bleibt .

11.04.2019 14:13 Hans W14979urst 24

Es ist doch arm zu denken das die massentierhaltung vom verbraucher gewünscht ist und dann die überproduktion ins ausland verkauft wird. Ausserdem denk ich das wir es nicht nötig haben einen gülletourismus zu fördern und nahezu unkontrolliert einzuführen.

11.04.2019 10:59 Klarheit 23

@22:50 Ron Bock 20,

dann bleib in dem Kaff......

ich würde mich freuen wenn die Landwirte mal für ein Jahr ihre "Produktion" einstellen würden ...... mal sehen wie schnell die Stadt-Ökos, die grünen Spinner und alle anderen aus ihren Bettenburgen ins jammern kommen - da können sie Kartoffeln auf dem Balkon anbauen..... der Bauer / Landwirt kann auch ohne die Städter leben .... andersrum siehts da schon anders aus .......

11.04.2019 08:42 Pille 22

@10.04.2019 20:56 stefan
Genau so ist es. Schön, dass doch noch einige Menschen "normal" geblieben sind.

11.04.2019 08:24 Hans-Jürgen 21

Nur ein kleiner Hinweis:
Man kann nun schon seit fast 40 Jahren die Gülle die ja eigentlich Sondermüll ist, relativ kostengünstig zu Flüssighumus umwandeln.
Dann stinkt nix mehr und der Landwirt verdient endlich mal Geld damit.
Man muss es halt tun.

10.04.2019 22:50 Ron Bock 20

... wenn dann noch Kettensägen, Schredder, Rasenmäher, -trimmer u.a. Traktoren u. Erntemaschinen u. Holz- u. Kohleöfen ihren Feinstaub u. Abgase ungefiltert ablassen, ist das Landidyll perfekt. Da ist Stuttgart ein Luftkurort dagegen.

10.04.2019 20:56 stefan 19

Ohne Landwirtschaft geht es nicht.
Jeder will es bequem haben und das ganze Jahr über auch alles essen wollen, auch saisonübergreifend.
Niemanden interessiert es wieviel Tausende Kilometer das Obst und Gemüse transportiert wurde.Und was ist mit den damit verbundenen unnötigen Schadstoffen?
Wenn möglich 3x jährlich mit dem Billigflieger in die Sonne.Zuhause mit dem E Bike fahren und einen Becher Koffee to GO In der Hand.
Sehr umweltfreundlich! !!!!Aber wehe es wird ein Güllefass auf der Straße gesehen, dann wird geschimpft und jeder weiß es besser.
Ich jedenfalls möchte die Landluft nicht gegen den unsichtbaren Verkehrgestank in der Stadt tauschen.
VG von einem Treckerfahrer aus Leidenschaft

10.04.2019 17:11 Hans 18

@C.T.
Na sie gehören auch zu der Sorte Menschen die den Mund aufmachen ohne vorher den Kopf zu benutzen. Vlt. Ist ja auch nix drin, sollte man zu ihrer Aussage zumindest annehmen
Zu Pkt 1
Wie viel Niederschlag fällt den pro qm?
Es sind im Durchschnitt je nach Region um die 600 Liter pro Jahr wenn wir Landwirte diese Menge düngen dürfen oder würden, ja, dann hätten wir vlt Nitrat von Gülle im Grundwasser und nicht aus natürlichen Quellen....
Das wären 6000 m3/ha.... Für sie als pauschalierer, umgerechnet 4500 mastschweine pro Jahr. Wir düngen davon noch nicht Mal 1 %.
Zu Pkt. 2
Mist und Gülle aus dem Niederlanden.
Ja sie kommt hier her! Aber was geht den dort hin? Getreide und Stroh. Das heißt dem Boden den Humus zurück geben was man ihn nimmt. So etwas nennt man auch einen geschlossenen Kreislauf.... Aber dieses wird ja auch nur in der Landwirtschaft verlangt... Gibt's sowas eigentlich auch in der Industrie?..

10.04.2019 16:23 Karl-Heinz Lenz 17

Die Tatsachen sehen anders aus, als hier beschrieben. Die Landwirtschaft hat ihren Düngeverbrauch (Gülle, Mist, Kunstdünger) seit 1980 halbiert. Der Bestand an Schweinen und Rindern sinkt seit Jahren und somit sinkt auch die Gülledüngung. Von den Medien wird das Gegenteil behauptet. Daher ist auch unser Trinkwasser nicht bedroht und ein Anruf beim Wasserwerk klärt alles. Aus den Trinkwasserbrunnen kommt Wasser fast ohne Nitrat - ohne jede Reinigungsstufe. Wäre schön, wenn die Medien dies auch mal berichten würden.

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