Hände von Baby und Hebamme
Mehr Geburten, zu wenig Hebammen: Ein Problem in Deutschland. Bildrechte: MDR/Julia Schäfer

Exklusiv Tausende Mütter beklagen fehlende Hebammenleistungen

20 Anrufe, alles Absagen: Die Suche nach einer verfügbaren Hebamme wird für viele Frauen offenbar zur Qual. Das zeigen Zahlen des Deutschen Hebammenverbands, die der MDR ausgewertet hat.

Hände von Baby und Hebamme
Mehr Geburten, zu wenig Hebammen: Ein Problem in Deutschland. Bildrechte: MDR/Julia Schäfer

In Deutschland ist es für viele Frauen schwer, eine Hebamme zu finden. Allein in den ersten zehneinhalb Monaten dieses Jahres zählte der Deutsche Hebammenverband mehr als 6.000 Fälle, in denen Leistungen von Hebammen nicht erbracht werden konnten. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Die Zahlen des Verbands, die aus einer Online-Umfrage hervorgehen, hat der MDR ausgewertet.

Die gemeldeten Fälle sind demnach in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. So wurden 2014, im ersten Jahr der Erhebung, noch rund 1.000 fehlende Hebammenleistungen gemeldet. Mitte November dieses Jahres waren es für 2018 bereits mehr als sechs Mal so viele Fälle. Die meisten Frauen suchten 2018 in Baden-Württemberg vergeblich nach einer Hebamme (1.216), die wenigsten in Bremen (9).

Eine Hebamme kümmert sich um ein Frühchen
Tausende Meldungen über fehlende Hebammen zählte der Deutsche Hebammenverband. Bildrechte: Colourbox.de

Der Deutsche Hebammenverband ermittelt die Daten seit 2014 über ein Formular auf seiner Internetseite. Dort können sich Frauen eintragen, die erfolglos auf Hebammensuche waren. Die Ergebnisse stellt der Verband in einer "Landkarte der Unterversorgung" dar. Seit Beginn der Online-Umfrage 2014 haben deutschlandweit mehr als 22.700 Frauen eine Unterversorgung beklagt. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind seit Beginn der Erhebung bislang insgesamt 423 Unterversorgungen angegeben worden.

Hebammenverband fordert bessere Bezahlung

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat die Zahl der Hebammen in Krankenhäusern in den vergangenen zehn Jahren zwar zugenommen. So arbeiteten im Jahr 2017 knapp 9.400 festangestellte Hebammen in Kliniken, etwa 1.400 mehr als im Jahr 2007. Im selben Zeitraum stieg aber auch die Zahl der Geburten in Deutschland um rund 100.000.

"Niedrig geschätzt fehlen allein im klinischen Bereich knapp 2.000 Hebammen", sagte eine Sprecherin des Hebammenverbands dem MDR. Zusätzlichen fehlten weitere Geburtshelferinnen, die freiberuflich arbeiteten. Der Verband fordert, Hebammen zu entlasten und ihren Beruf zum Beispiel über bessere Bezahlung attraktiver zu machen.

Zurzeit veranstaltet der Deutschen Hebammenverband in Berlin seine Jahresversammlung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 29. November 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2018, 05:01 Uhr

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9 Kommentare

30.11.2018 08:02 Gaihadres 9

@Nr.7: Nein, dass Gemeinwesen ist nicht kollabiert. Wäre dem so, hätten wir das alle sehr viel deutlicher mitbekommen. Hebammen fehlen aus den mir bekannten Gründen, Erzieher fehlen wegen der Betreuungsschlüssel und der gestiegenen Bevölkerung in den Städten. Lehrer sind in Sachsen tatsächlich verplant worden, da gebe ich Ihnen Recht. Pfleger fehlen vor allem weil die Menschen älter werden und die Gesellschaft andere Anforderungen hat - gleichzeitig gibt es hunderte neuer Berufe (etwa die IT) und damit verteilen sich die ohnehin zu geringe Zahl junger Menschen auf andere Berufe, die genau so für das Gemeinwohl wichtig sind. Verwaltungen etc. sind sehr kosten- und personalintensive Bereiche. Das Hauptproblem liegt in der zunehmenden Landflucht und der ungleich verteilten Arbeit in Deutschland. Sie vermengen hier Themen und ziehen falsche Schlüsse.

29.11.2018 22:23 Atze 8

Früher, nach dem 2. WK musste eine Hebamme z.B. im strengsten Winter durch hohen Schnee über die Landstrasse in den nächsten Ort laufen.Wie in meinem Fall mitten in der Nacht und mein Vater brauchte mit der Hebamme dazu Stunden. Er hatte sie schon im Nachbarort abgeholt.Telefon , so etwas gab es nicht auf dem Lande. Meine Mutter konnte mich nicht auf die Welt bringen, weil es 20 Grad minus waren und im Zimmer die Wände innen vor Frost glitzerten. Das war Not!
Und heute? Das muss doch alles zu regeln sein. Für was ist der Staat denn da? Kein Wunder, dass manch eine Frau die Hände hebt, wenn es um ein Kind geht.
Alle Unfähigkeit der Welt. In welchem Land wohnen wir? Bin sprachlos....

29.11.2018 19:30 konstanze 7

Es fehlen Hebammen, Kindererzieher, Pfleger, Lehrer, Verwaltungsmitarbeiter, Polizisten, Juristen, Soldaten ... . Wir haben in den letzten Jahren 2.000.000 Menschen hier zusätzlich aufgenommen. Monatlich kommen ca. 13.000 Weitere hinzu. Alle haben Ansprüche, die erfüllt werden müssen. Unser Gemeinwesen ist längst kollabiert, nur als Erster zugeben will das keiner. Die gleichen Probleme gibt es in allen Bundesländern. Alle können sich nicht zeitgleich verkalkuliert haben.

29.11.2018 19:23 colditzer 6

29.11.2018 13:15 REXt

...
Schmunzeln.
Schönen ersten Advent.

29.11.2018 13:28 Ureinwohner 5

Tausende Mütter beklagen fehlende Hebammenleistungen. Die Mütter in der ehemaligen DDR kannten solche Probleme nicht.

29.11.2018 13:15 REXt 4

An@1 colditzer, „ wenn seine Frau schwanger wird“, wird nicht passieren, falls sie Spahn meinen sollten, da er „Schwu..... ist, deshalb , ein Versagen der auf der ganzen Linie, wie so oft in diesem Staat, wo man sich lieber um das Wohlergehen fremder Länder kümmert , und im eigenen Land, alles 0815 laufen läßt.

29.11.2018 11:57 Pfingstrose 3

Ja das ist Deutschland.

29.11.2018 11:02 Gaihadres 2

Die Gründe für das fehlen der Hebammen liegt weniger in der Bezahlung. Im Mittel verdienen erfahrene Hebammen in Dresden 2.450 bis 3.100 EUR Brutto. Wobei man da im Krankenhaus meist besser verdient gegenüber einer freien Tätigkeit. Nein das Grundproblem sind die Beiträge zur Berufshaftpflicht für Hebammen. Da junge Eltern seit den 90igern immer häufiger gegen Hebammen klagen sind die Beiträge so exorbitant gestiegen, dass sich das freie Hebammen kaum mehr leisten können. @Colditzer: Die Schuld liegt also bei den Eltern und den Versicherern und nicht in der Politik. Statt sich also wieder über die bösen Politiker auszulassen, sollten Sie sich erst einmal mit dem Thema beschäftigen. Das gilt auch für Sie @MDR - der Beitrag ist unvollständig, es fehlt Ursachenforschung und ein ausführliches Fazit.

29.11.2018 08:37 colditzer 1

Haben wir nicht einen Bundesminister für solche Sachen?
Aber die Nöte der Frauen und Mütter gehen ihm am Allerwertesten vorbei.
Er will auf große Politik machen.
Da hat er für solch Pille-Palle keine Zeit.
Es hat halt jedes Land die Minister, die es verdient.
Vielleicht ändert sich etwas, wenn seine Frau schwanger wird...