S-Bahn-Zug im City-Tunnel mit der Zielanzeige Zwickau
S-Bahn im Leipziger Citytunnel: Zum Gebiet des MDV gehören die Städte Halle und Leipzig sowie die Landkreise Leipzig, Nordsachsen, der Saalekreis, der Burgenlandkreis und das Altenburger Land. Bildrechte: MDR/L. Müller

ÖPNV Tritt Mansfeld-Südharz dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund bei?

Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) weitet sich aus Richtung Norden. Ab Ende nächsten Jahres gehören die beiden Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg sowie die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau dazu. MDR-Hörerin Carmen Lenke wohnt in Rollsdorf im Landkreis Mansfeld-Südharz. Sie möchte wissen, ob auch ihr Kreis bald zum MDV gehört. Immerhin hat sie beobachtet, dass täglich viele Menschen Richtung Saale-Kreis fahren, der schon lange zum MDV-Gebiet gehört.

von Frank Ludwig, MDR AKTUELL

S-Bahn-Zug im City-Tunnel mit der Zielanzeige Zwickau
S-Bahn im Leipziger Citytunnel: Zum Gebiet des MDV gehören die Städte Halle und Leipzig sowie die Landkreise Leipzig, Nordsachsen, der Saalekreis, der Burgenlandkreis und das Altenburger Land. Bildrechte: MDR/L. Müller

Ginge es allein nach dem Verkehrsministerium von Sachsen-Anhalt, dann wäre die Antwort auf die Frage von Carmen Lenke ein klares Ja. Denn die Zuordnung der Landkreise des Landes zu regionalen Nahverkehrsverbünden hat dort hohe Priorität. "Die politischen Erwartungen gehen viel weiter. Das ganze Land soll Verbundstrukturen bekommen. Und da ist noch viel zu tun", sagt Rüdiger Malter, Geschäftsführer der Nahverkehrsservice GmbH des Landes, die für das Thema Nahverkehrsverbünde zuständig.

Für den Norden Sachsen-Anhalts, Stendal und Salzwedel, geht es um einen Beitritt zu MAREGO, dem Magdeburger Regionalverbund, für die anderen um die Integration in den MDV. Der Landkreis Mansfeld-Südharz ist der nächste Kandidat, sagt Rüdiger Malter: "Wir streben eine Vollintegration an. Diese Gespräche müssen geführt werden, die sind noch nicht geführt, aber in Vorbereitung, wenn der Landkreis hierzu auch bereit wäre."

Landkreis fürchtet Preiserhöhungen

Doch mit der Bereitschaft der Landkreise ist das so eine Sache. Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg, dazu das kreisfreie Dessau-Roßlau haben sich erfolgreich gegen eine volle Integration in den MDV zur Wehr gesetzt. Heißt im Ergebnis: Zugverbindungen ja, die Busse – und in Dessau auch die Straßenbahn – nein.

Dr. Angelika Klein ist Landrätin von Mansfeld-Südharz, dem Heimatkreis von MDR-AKTUELL-Hörerin Carmen Lenke. Warum sich die Begeisterung für den MDV in Grenzen hält? "Unattraktiv sind für mich die jährlichen Preiserhöhungen. Die möchte ich nicht gern bei uns im Landkreis haben", erklärt Klein. "Außerdem haben wir attraktive Sonderangebote und da bin ich mir nicht sicher, ob wir das auch im MDV anbieten könnten". Konkret geht es etwa um ein 39-Euro-Monatsticket für Senioren oder das neue Schüleraktivticket, mit dem Jugendliche an Wochentagen ab 15 Uhr, dazu an Wochenenden und in den Ferien landkreisweit ganztägig kostenlos Bus fahren dürfen.

Zweck von Verkehrsverbünden In Verkehrsverbünden schließen sich mehrere Verkehrsunternehmen zusammen, um ihr Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr zu koordinieren. Hauptziele sind ein aufeinander abgestimmter Fahrplan und einheitliche Tarife. Fahrgäste profitieren davon, weil sie mit einem Ticket weitere Strecken zurücklegen können und nahtloser zwischen einzelnen Verkehrsmitteln, etwa vom Bus in die S-Bahn, wechseln können.

Züge einbinden

Landrätin Klein sagt, wenn überhaupt MDV, dann so: "Wir könnten uns so eine Form vorstellen, wie sie die Dessauer und die Bitterfelder gewählt haben, dass die Züge mit eingebunden werden in den MDV-Verbund."

Für Carmen Lenke und die Bewohner des Landkreises Mansfeld-Südharz würde das bedeuten: Sie können zwar mit einem MDV-Ticket nach Halle, Leipzig oder Wittenberg reisen, aber eben nur mit dem Zug und nicht mit dem Bus an der Haltestelle vor ihrer Haustür.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2018 | 07:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2018, 09:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.