Baustelle
Baustelle eines Schulneubaus in Leipzig-Möckern. Bildrechte: IMAGO

Fehlende Räume und Sanierungsstau 155 Mio. Euro und Taskforce gegen Schulnotstand in Leipzig

Leipzig wächst, in der Stadt aber fehlt es an Klassenräumen für alle Kinder. Die Lage ist so angespannt, dass der Stadtrat zum Monatsende ein 155-Millionen-Euro-Sofortprogramm beschlossen hat. Wenn aber solche Not an Schulräumen herrscht, will MDR-AKTUELL-Hörerin Angelika Kugeler wissen, warum steht am Stadtrand ein leeres Schulgebäude, an dem seit Jahren gebaut wird, ohne dass etwas passiert?

von Frank Ludwig, MDR AKTUELL

Baustelle
Baustelle eines Schulneubaus in Leipzig-Möckern. Bildrechte: IMAGO

Jens Kabisch, Abteilungsleiter im Leipziger Schulamt dürfte gelegentlich von leerstehenden Schulgebäuden träumen: "Wir suchen händeringend Gebäude, die für Schulen geeignet sind." Mittlerweile müsse die Stadt auf Objekte zurückgreifen die nicht unbedingt geeignet seien. "Dass wir keine Reserven haben, zeigt sich auch daran, dass wir keine Ausweichmöglichkeiten bei komplexen Baumaßnahmen haben, um Schülern und Lehrern Baulärm zu ersparen."

Zum seit Jahren leerstehenden Schulhaus in Leipzig-Meusdorf erklärt Stephan Prengel vom Gebäudemanagement der Stadt Leipzig, dass das Gebäude 2015 zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden sollte. "Bereits 2016 zeichnete sich aber ab, dass der Bedarf für Flüchtlingsunterkünften nicht mehr in dem Maße vorhanden war, so dass dann entschieden wurde, sofort eine Schule daraus zu machen."

Damit waren aber Neuplanung und -finanzierung verbunden. Außenarbeiten wie der Sonnenschutz an der Fassade wurden noch abgeschlossen, alles andere steht bislang auf Halt.

Stadt wegen fehlender Klassenräume in der Kritik

Die Stadt Leipzig musste in den letzten Monaten wegen des Mangels an Klassenräumen viel Kritik einstecken: Viel zu spät habe die Stadt auf den Zuzug vieler junger Familien mit schulpflichtigen Kindern reagiert, viel zu lange Sanierung und Neubau von Schulgebäuden schleifen lassen.

Dafür wird jetzt gebaut, was das Zeug hält. Eine Art Schnelle Eingreiftruppe, eine "Taskforce" wurde gebildet, die direkt dem Oberbürgermeister untersteht. Sven Stein, der die Taskforce im Tagesgeschäft leitet, sagt, mit extrem abgekürzten Verwaltungswegen und Entscheidungsprozessen gewinne man bei größeren Schulbauvorhaben schnell ein halbes Jahr.

Bauboom treibt die Kosten nach oben

Doch Probleme bleiben. Das größte ist der Bauboom in der Stadt. Rissen sich früher Bauunternehmen um Aufträge aus der Stadt, so fiel es heute schwer, überhaupt Auftragnehmer zu finden, so der Taskforce-Chef. "Wir bekommen häufig Angebote, die 25, 30 Prozent über unseren Kostenschätzungen liegen." Da es derzeit im Bausektor genügend Arbeit gibt, können die Unternehmer die Preise anziehen. Auch das macht Bauvorhaben oft teurer als geplant.

Jens Kabisch vom Leipziger Schulamt bleibt dennoch zuversichtlich: Das 155-Millionen-Euro schwere Vier-Jahres-Programm zu Schulneubau und -sanierung sei vom Stadtrat beschlossen worden. "Damit schaffen wir insgesamt eine Kapazität für 5.000 Schülerinnen und Schüler." Parallel zum bestehenden Bauprogramm könne so die Lücke, die die Stadt festgestellt habe, geschlossen werden.

Auch beim leerstehenden Schulgebäude im Leipziger Süden bestehe laut Kabisch Grund für Zuversicht: Die Planungen sind abgeschlossen, die Gelder beantragt. Aus- und Umbau sollen noch in diesem Herbst beginnen. Entstehen soll eine Oberschule für 420 Schülerinnen und Schüler. Geplanter Unterrichtsbeginn: nach den Winterferien 2020 - in reichlich anderthalb Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juli 2018 | 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2018, 05:20 Uhr

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12 Kommentare

12.07.2018 08:13 J.Heder 12

Wenn es so einen "Riesenmangel" an Schulräumen und Gebäuden geben soll, stelle ich mal ganz offen die Frage weshalb z. B. an der Schule in welche ich von 1976-80 gegangen bin, die "alten" Chemie- Physik und Biologiekabinette seit der Wende ungenutzt leer stehen oder als Abstellraum dienen? Und das ist nicht nur an 1 Schule so!
Zu DDR-Zeiten sind in den Leipziger Schulen 2-3 Jahrgangsstufen 1.-10. Klasse mit teilweise 32 Kindern gegangen! Wie hat das bei der angeblich so "schlechten" DDR funktioniert? Oder sind die heutigen Verantwortlichen "etwas" Ideenlos oder zur Improvisation für schnelle Lösungen nicht in der Lage? Wenn ich mich recht entsinne stehen in Kleinzschocher 2 Altschulen im desolaten Bauzustand. Das waren mal Schulen; man hat diese verwahrlosen lassen!
Ich wußte weshalb ich mit dem Politikstil dieser Stadt nicht zufrieden war und bin!

12.07.2018 00:34 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 11

@11.07.2018 12:49 Gaihadres

(Die Stadt wächst um etwa 10.000 Menschen pro Jahr und weitere Schulen fallen nicht vom Himmel - die müssen geplant, vergeben und gebaut werden. Lehrer müssen rekrutiert werden.[...] Da hat Niemand gepennt.)

Lach... - Sie haben so etwas von keiner Ahnung, was in deutschen (Schul-)Behörden abläuft und wer dort aus welchen Motiven was anweist, das ist schon richtig drollig. Da hat in der Tat niemand "gepennt" - sondern die Stadt hat parteiopportunistisch angestrengt am Problem vorbeigesehen, termingerecht schicke "Zahlen" präpariert, Vorsorge einfach unterlassen und sich die Sache schön gelogen; Motto: "Boomtown Leipzig", Modell Schröder-Merkel.

Und dass sie Lehrer "rekrutieren" wollen, ist gewiss ein freud'scher Versprecher; der uns ganz direkt verrät, wo ihre politische Heimat liegt. Wenn man das so nennen will. Jedenfalls fürchte ich, dass daraus nichts wird und das aus guten Gründen.

12.07.2018 00:24 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 10

Das ist eben das Ergebnis, wenn man statt Realpolitik lieber Marketing betreibt - zu deutsch: Leeres Geschwätz. Es ist kein Zufall und schon garnicht seltsam, dass das erstens 14 Jahre nach der Agenda2010 und zweitens in Leipzig unter der Amtsführung eines SPD-OB zutage tritt. Desselben OB übrigens, der in Sachen "Flüchtlinge" niemals irgendwelche Finanzprobleme sah und/oder gar thematisiert hätte. Hinweise von MDR-Lesern auf diesbezügliche Problemlagen wurden bekanntlich, sagen wir: redigiert. Denn Geld spielt ja in Schland keinerlei Rolle - solange es für noch mehr Geld ausgegeben werden "muss". Sonst schon - und wie.

Vielleicht sollte auch und vor allem der Wähler weniger auf "nette" Genau-wie-Onkel-Heinz-Politiker abheben, sondern mehr darauf achten, wo die Lobbyisten ihrem Mediengeschwätz auch konkrete Handlungen folgen lassen. Denn vorläufig besteht ja noch das Wahlrecht in diesem Land und das sollte man dann auch mit Verstand nutzen.
Leipzig ist nämlich kein Einzelfall.

11.07.2018 18:04 W. Merseburger 9

Die Russen waren ca. 45 Jahre in Leipzig. Dann kam die Wende und Biedenkopf und alles wurde geschönt. Heute nun nach ca. 32 Jahren CDU Herrschaft in Sachsen, weiß ich nicht mehr,, was ich denken soll. Bestimmte uns allen wichtige Aufgaben eines Landes gehen bestimmten Leuten irgendwo vorbei. Das ist leider nicht nur Satire sondern für viele Bereiche bitteter Ernst. (Ende des Wutkommentares)

11.07.2018 16:06 Na so was 8

Das Problem, dass die Anzahl der Erstklässler erst bemerkt werden, wenn diese die Zuckertüten schon in der Hand haben und diese schon sechs, sieben Jahre vorher geboren sind, hat nicht nur Leipzig. Sachsens Landeshauptstadt Dresden hinkt da Leipzig auf keinen Fall hinterher. Obwohl, eigentlich müßte die Anzahl der Kinder eines Jahrgangs einer Stadt zu erfassen doch spätestens drei Jahre nach der Geburt irgendwie den Personen, die dafür Gehalt bekommen, auffallen. Mit drei Jahren beginnt für den Großteil der Kinder ihre Kindergartenzeit. Oder ist das jetzt von mir zu einfach gedacht. Man auch alles komplizieren, hat man als Laie manchmal den Eindruck.

11.07.2018 15:58 Werner 7

@12:49 Gaihadres 2: Wen verteidigen Sie hier eigentlich immer? Leipzig wächst seit 2002 stetig um 2...3...4 Tausend. Seit 2010 um die 8- 10 Tausend pro Jahr. Seit 2010, das war gefühlt im Mittelalter, sind 8 Jahre vergangen. Die Politik ist dafür verantwortlich, die Rahmenbedingungen zu schaffen - die Steuerzahler, die Kohle dafür ranzuschaffen. Kleiner Scherz zum friedlichen Büroschlaf, mit anschließendem Jubel - und selber auf die Schulter "Klopf".

11.07.2018 15:46 Atze 6

@ Gaihadres:
" Lehrer rekrutieren"

das ist der richtige Ausdruck.So eine Formulierung gab es nicht mal in der "bösen" DDR.
Warum beschränkt man nicht den Zuzug, wenn nicht genügend Schulen vorhanden sind.Gab es schon mal....in Berlin. Dafür sind die Dörfer leergefegt?
MfG

11.07.2018 14:44 Markus 5

Ich korrigiere mich 1 Prozent Mehraufwand. Verzeihung, mein Fehler. ;-)

11.07.2018 14:41 Markus 4

@Nr.2: Schlafen wird im zuständigen Amt vielleicht keiner, aber haben sie ihre Arbeit ordentlich gemacht?
Ich bin jetzt kein Experte, aber Kinder brauchen nachdem sie geboren, also vom System erfasst werden, 6-7 Jahre um Schulreif zu sein. Bei einer Planungs- und Bauzeit von 5 Jahren für eine Schule sehe ich 1-2 Jahre Polster, um die Schule auch fertig zu haben. Ist sie es? Nein, also zu spät!
Mal abgesehen davon das jemand der seine Arbeit gut macht, wissen kann das jedes Jahr 10.000 Menschen neu in die Stadt ziehen, es also planen kann, sind es wenn ich die Demografie Deutschlands heranziehe vielleicht 800-1000 Kinder im schulpflichtigen Alter im Jahr.
Bei geschätzten vorhandenen 90.000-100.000 Schulpflichtigen Kinder, sind dass 10 % überraschender Mehraufwand(er ist, wenn die Arbeit richtig gemacht wird, nicht überraschend) pro Jahr. Das ist von einem gut aufgestellten Schulsystem zu leisten, nicht aber wenn die Schulen seit Jahren am Limit laufen. Eine maximale Klassengröße bede

11.07.2018 13:45 Wachtmeister Dimpfelmoser 3

@ 12:49 | Gaihadres: 5 Jahre hinziehen - das finden Sie akzeptabel? Und das für unser zukünftiges geistiges Potenzial? Sind da plötzlich nur 6-Jährige zugezogen, die von heute auf morgen alle schulpflichtig geworden sind oder wurden nicht vielmehr kontinuierlich Geburtenraten, Bevölkerungsentwicklung und Zuzug (meldepflichtiger; wohlgemerkt) ignoriert und/oder die erforderlichen Maßnahmen schlichtweg verschlampt? Denn wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen geht - da wurden doch auch binnen W o c h e n Milliarden mobilisiert und gehandelt!