Klimawandel Meteorologe: Keine Belege für größere Trockenheit

Die Brände in Australien haben die Schlagzeilen bestimmt und die letzten beiden heißen, trockenen Sommer sind uns allen noch in Erinnerung. Doch ist es wirklich trockener geworden? MDR-AKTUELL-Hörer Johannes Hanel aus Eisenach fragt: "Wenn die Temperatur steigt, da müsste doch eigentlich mehr Wasser aus den Ozeanen verdampfen. Wo bleibt das?"

von Karsten Möbius, MDR WISSEN

Ausgetrockneter und gerissener Boden
Der vergangene Sommer war geprägt von Trockenheit. Im Schnitt regnete es nur 175 Liter pro Quadratmeter. Im Jahr waren es noch 239 Liter. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Die These, dass es immer trockener wird, würden sicher viele unterschreiben. Schließlich erleben wir es ja seit zwei Sommern am eigenen Leib. Allerdings behauptet Sebastian Balders das Gegenteil. Er ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig.

Wenn er ganz nüchtern die Zahlen betrachtet, dann kommt man zu einem anderen Schluss: "In den letzten 30 Jahren, so ab 1990, da kann man sehen, dass die nassen Jahre tendenziell sogar etwas zugenommen haben."

"Es gab immer schon trockene Sommer."

Sebastian Balders hat sich die Zahlen, die Niederschlagsmengen angeschaut, die seit 1871 sehr zuverlässig notiert werden. Einen Trend zu immer weniger Niederschlag kann er – wie gesagt – überhaupt nicht feststellen. Zwei trockene Sommer, erklärt er, lassen da keinerlei Aussagen zu.

Selbst eine Zeitspanne von 30 Jahren bringt da wissenschaftlich gesehen wenig: "Gerade wenn man sich die letzten beiden Sommer ansieht, dann waren das zwei aufeinanderfolgende Sommer, die sehr, sehr trocken waren in Deutschland. Nichtsdestotrotz gab es immer schon trockene Sommer."

Große regionale Unterschiede

Balders zufolge hätte es auch in den 40-er und 50-er Jahren schon lange Dürreperioden gegeben. Außerdem sei so ein trockener Sommer in Dresden nicht unbedingt auch ein trockener Sommer in Berlin.

"Wenn man sich die letzten 100 Jahre anguckt und wir nehmen jetzt mal das Beispiel Sachsen, da lässt sich sagen, dass da der Niederschlag tendenziell etwas abgenommen hat. Aber ganz minimal. Während er in Brandenburg, in Berlin zugenommen hat."

Flächendeckende Messungen sind kaum möglich

Die Schwierigkeit mit dem Niederschlag ist – so komisch sich das anhört – ihn zu messen. Denn ein wirklich flächendeckendes Netz an Messstationen gibt es nicht.

Niederschlagsmessungen sind immer punktuell, erklärt der Meteorologe: "Ein starkes Gewitter kann bis zu 50-60 Liter bringen. Ohne Frage! Und einen Kilometer daneben scheint die Sonne, da fällt Null! Entscheidend ist in dem Fall, wo steht die Wetterstation. Wurde der Schauer gemessen oder nicht?"

Wenn man schon bei uns in Mitteldeutschland nicht flächendeckend genau sagen kann, wie sich der Niederschlag verteilt, dann schon gar nicht im globalen Maßstab. Das Gefühl, nach den Waldbränden in Australien und unseren trockenen Sommern, dass es auch global immer weniger regnet, lasse sich schlicht nicht belegen, sagt Sebastian Balders vom DWD.

Der Experte erklärt, Klimamodellierungen anhand der letzten 100 Jahre gäben keinen Aufschluss darüber, ob der Niederschlag in Deutschland zu- oder abnehme. "Und global gesehen auf die ganze Welt projiziert, ist das schlichtweg unmöglich", ergänzt der Wetterforscher.

Keine globalen Antworten

Die Erdfläche bestehe zu 80 Prozent aus Wasser – und dort stehen ebenfalls keine Messstationen. Global gesehen eine konkrete Antwort zu liefern, ist daher eigentlich nicht möglich.

Auch für den Zusammenhang, von dem der MDR-Nutzer eingangs ausgeht, dass nämlich wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen könne und es dadurch eigentlich mehr regnen müsste, gebe es keine Belege, sagt Meteorologe Balders.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2020, 15:13 Uhr

46 Kommentare

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Hallo W. Merseburger
„Um diese offensichtlich auf Daten beruhende Aussage als "pseudowissenschaftlichen Blödsinn" abzutun, braucht man schon eine gehörige Portion Überheblichkeit, um es mal vorsichtig auszudrücken“
Aber ich habe doch diese Daten doch gar nicht angezweifelt!!!
Ich habe nur die Wichtigkeit dieser Daten in Frage gestellt.
Denn was bringt die Aussage das die jährliche Regenmenge gleich geblieben ist wenn aber jedes Jahr weniger im Boden versickern kann. Und ihre Milchmädchenrechnung wenn jedes Jahr die gleiche Regenmenge runter kommt dann sind die Böden auch jedes Jahr gleich durchnässt ist einfach falsch.

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Hallo Wo geht es hin
Und wo sind ihre Gegenargumente????
Ich sehe keine!
Auch ihnen würde ich gern dies Buch von der Klimaforscherin FRIEDERIKE OTTO, WÜTENDES WETTET empfehlen.
Dort können sie sich selber einen Einblick über den aktuellen Stand der Klimaforschung verschaffen.

wo geht es hin vor 5 Wochen

Bissl dünne als faktenbasierten Widerrede - meinen Sie nicht? Und e bissl arrogant kommt Ihr "Beitrag" auch rüber, denn so ne richtige Wissenschaftskoryphäe scheinen Sie ja doch nicht zu sein - oder? Dafür kommt Ihnen der "pseudowissenschaftlichem Blödsinn" ganz schön flott über die Lippen/Tastatur.

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