Portal am Haupteingang des Zoo Leipzig
Der Zoo Leipzig hat in den letzten Jahren viele Millionen Euro investiert. Bildrechte: imago/PicturePoint

Vergleich Leipziger Zoo besser aufgestellt als Zoo in Dresden

Zoos haben sich in den letzten 20 Jahren stark verändert: Der Trend geht zu großen, weitläufigen Anlagen. Vorbei die Zeiten, in denen der Löwe im kleinen Käfig saß. Doch der Umbau geht nicht überall gleich schnell, stellt MDR-AKTUELL-Nutzer Marcel Schneider fest. Der Leipziger Zoo biete viel für Kinder und habe mit dem Gondwanaland einen Publikumsmagneten. Der Zoo in Dresden dagegen verbreite immer noch "DDR-Flair". Woran liegt es, dass die beiden Zoos so unterschiedlich aufgestellt sind?

von Secilia Pappert, MDR AKTUELL

Portal am Haupteingang des Zoo Leipzig
Der Zoo Leipzig hat in den letzten Jahren viele Millionen Euro investiert. Bildrechte: imago/PicturePoint

Zunächst einmal gibt es gewaltige Größenunterschiede. Der Dresdner Zoo hat mit 13 Hektar Fläche nicht einmal halb so viel wie die Leipziger Kollegen. In Dresden leben etwa 1.500 Tiere aus 250 Arten. Im Leipziger Zoo sind es rund 9.400 Tiere aus über 800 Arten.

Beide Zoos haben eine lange Tradition. In Dresden wurde der Tiergarten 1861 eröffnet, den Leipziger Zoo gibt es seit 1878.

Volker Homes ist der Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten Deutschlands. Er weiß, die Ansprüche der Besucher haben sich sehr geändert. Tiere einfach "ausstellen" ist nicht mehr. "Zoobesucher erwarten andere Dinge als in den 60er oder 70er Jahren", erklärt Volker Homes. "Der Besucher will sich in die Kontinente geführt fühlen: In einer Savannen-Landschaft mit Giraffen und Zebras drauf, er will sich wie in Afrika fühlen."

Zoo-Experte: Investitionen in Dresden nötig

Leipzig spielt längst in der obersten Liga der europäischen Zoos. Der britische Zoo-Experte Anthony Sheridan hat die Anlage wiederholt auf Platz 2 seines Rankings im europäischen Vergleich und auf Platz 1 der deutschen Zoos in seiner Klasse gesetzt.

Eingang des Dresdener Zoos
Der Dresdener Zoo verzeichnete letztes Jahr rund 900.000 Besucher. Bildrechte: Zoo Dresden/Andreas Nepp

"Leipzig hat den Zoo der Zukunft", schwärmt Sheridan. Seit 2000 habe die Stadt Leipzig einen gigantischen Plan umgesetzt. "Die Stadt Leipzig war bereit, mehr Hilfe zu geben, mehr zu investieren."

In Dresden gebe es noch jede Menge zu tun. Er kenne die Probleme in Dresden. Dort müsse jetzt etwas für die Orang-Utans gemacht werden. "Und dafür braucht man x Millionen Euro." Doch das Geld lasse auf sich warten. Auch der Umbau des Elefantengeheges habe lange gedauert, kritisiert Sheridan.  Seiner Meinung nach müsste der Zoo in Dresden im umliegenden Großen Garten mehr Platz bekommen.

Zoo Dresden will keine Schulden aufnehmen

Elefanten
2018 wurde in Dresden ein neues Elefantenhaus eröffnet. Bildrechte: Secilia Pappert

Wie sieht das Karl-Heinz Ukena? Der Ostfriese leitet seit gut 15 Jahren den Dresdner Zoo. Ukena betont, dass im Zoo in Leipzig anders gewirtschaftet wird. In Leipzig habe man in den vergangenen Jahren eine Hausmarke gesetzt, dafür wurden aber auch viele Kredite aufgenommen. "Da gehen wir in Dresden einen anderen Weg. Wir geben nur Geld aus, wenn wir es vorher verdient haben und machen keine Schulden. Die Zeit lassen wir uns, da wir unseren Gästen auch in 20 bis 30 Jahren noch schöne Anlagen bieten wollen", erklärt Ukena.

2018 hat in Dresden das Afrikahaus eröffnet. Ein modernes Zuhause für Elefanten und Mandrill-Affen. Knapp neun Millionen Euro hat das Haus gekostet und dafür gesorgt, dass mit 900.000 Besuchern ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Damit konnte sich der Zoo zu 70 Prozent selbst finanzieren.

Neues Orang-Utan-Haus bis 2022

Er sei sehr zufrieden mit der  Unterstützung durch die Stadt,  betont Ukena. Mehr Geld wünsche man sich natürlich immer, aber die Kommune müsse auch noch andere Kultureinrichtungen oder auch Kitas finanzieren.

Einen Zoo zu betreiben heißt auch, man muss in Generationen denken. Keine Generation muss den Zoo fertig bauen - ein Zoo ist immer in Bewegung. Wir in Dresden versuchen, den Zoo schuldenfrei in die nächste Generation zu bringen.

Karl-Heinz Ukena, Direktor des Zoos Dresden
Nach sechs Jahren verlässt Orang-Utan Dodi den Zoo Dresden.
Noch lebt Orang-Utan Dodi auf Beton. Bald gibt es ein neues Affenhaus in Dresden. Bildrechte: Zoo Dresden

Von einer Erweiterung des Zoos will Ukena nichts wissen. Tatsächlich dringend sei der Bau einer neuen Anlage für die Orang-Utans. Da sei man bezüglich der Finanzierung mit der Stadt Dresden im Gespräch.

Bis 2022 sollen die Menschenaffen umziehen können. Das derzeitige Heim der rothaarigen Baummenschen, so der malaiische Name der Tiere, ist wirklich sehr in die Jahre gekommen. Das Dach schadhaft, die Tiere in tristen altmodischen Gehegen. Da haben es die Leipziger Orang-Utans wesentlich besser. Sie konnten schon 2001 ins Pongoland umziehen – gemeinsam mit Schimpansen, Gorillas und Bonobos.

Leipziger Zoo will an die Weltspitze

Das Pongoland war eine der ersten großen Attraktionen des Leipziger Zoos unter Leitung von Jörg Junhold, der Ende der 90er Jahre die Leitung des Zoos übernahm. Er betont, dass damals seit den 80er Jahren zu wenig investiert wurde. Auch deswegen habe man sich den Titel "Zoo der Zukunft" gegeben.

Wir haben für uns definiert: Wir wollen ein Spitzen-Zoo in der Welt sein.

Jörg Junhold, Direktor des Zoos Leipzig

150 Millionen Euro wurden bisher investiert. Zu je einem Drittel über Förderung von Land und Kommune, aus Eigenmitteln und aus Krediten. Derzeit steht der Zoo noch mit 25 Millionen Euro in der Kreide. Doch immer neue Attraktionen locken auch immer mehr Besucher. 2018 kamen 1,72 Millionen Besucher. Aktuell wird an der Erneuerung des Aquariums und der Fertigstellung der Südamerika-Anlage gearbeitet.

Wie der Leipziger Zoo wirtschaftet, erklärt Junhold anhand der Tropenhalle Gondwanaland. "Das war eine Einzelinvestition von 60 Millionen Euro. Da gehört ein Plan und ein Tourismuskonzept dahinter." Doch mit Attraktionen wie dem Gondwanaland habe sich Leipzig überregional positionieren können.

Konkurrenz zwischen den Zoos sei kein Thema, sagen sowohl Jörg Junhold als auch Karl-Heinz Ukena. Alle Zoos in Mitteldeutschland, ob Leipzig, Dresden, Halle, Magdeburg oder Erfurt würden eng und gut zusammenarbeiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Februar 2019 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 08:33 Uhr

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4 Kommentare

28.02.2019 08:02 Sophie 4

Auch andere Zoos hatten ähnliche Fernsehsendungen. Davon ist eine nach der nächsten abgesetzt worden, weil sie leider nicht genügend Zuschauer hatten. Leipzig waren nicht nur die ersten, sondern sind auch die einzigen Überlebenden.
Spannend finde ich jedoch auch die Besucherzahl in Leipzig. 1,7 Millionen. Und das in einem Jahr mit publikumswirksamen Jungtieren und Eröffnung einer neuen Themenwelt.
Da hatte Hagenbeck tatsächlich mehr. und die hatten nur einmal publikumswirksame Jungtiere (Tiger) im Juli.

27.02.2019 13:34 Bernd 3

Na der Zoo Leipzig ist marketingmaessig super aufgestellt o durch TV-Serien oder ETC. Damit ist man super bekannt. Dann natuerlich Pongoland, Godwana das sind Besuchermagnete und man ist weg von der Kaefighaltung. Ich weiss aber nicht ob es Sinn machen wuerde in Dresden dort nachzuziehen. Da fehlen wohl potentielle Besucher

27.02.2019 10:12 magdeburg 1965 2

Es darf aber auch nicht vergessen werden, das der Zoo Leipzig seit Jahren eine wöchentliche Dauerwerbesendung vom MDR bekommt. Bezahlt vom Gebührenzahler. Wo der Zoo ohne die Dauerwerbung stehen würde ist Spekulation. Es wäre meiner Meinung nach angebracht, hier auch mal andere Anlagen als immer nur Leipzig zu präsentieren.

27.02.2019 08:41 Spottdrossel 1

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