Hochwasser der Elbe am 07.06.2013 an der Schaumburgbrücke in Schönebeck/Sachsen-Anhalt
Der Vorteil des neuen Frühwarnsystems: vor dem Hochwasser kann noch vor Eintritt des Regens gewarnt werden Bildrechte: IMAGO

Hintergrund So funktioniert das neue Frühwarnsystem bei Hochwasser

Immer häufiger hat Starkregen in der Vergangenheit dazu geführt, dass es in Deutschland örtlich starke Überschwemmungen gab. Klimaprognosen sagen vorher, dass wir in der Zukunft vermehrt damit rechnen müssen. Bisher konnten die Gemeinden erst informiert werden, wenn die Pegel schon angestiegen waren. Jetzt hat das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ein 24-Stunden-Frühwarnsystem entwickelt. Dieses soll auch kleinere Regionen rechtzeitig warnen.

Hochwasser der Elbe am 07.06.2013 an der Schaumburgbrücke in Schönebeck/Sachsen-Anhalt
Der Vorteil des neuen Frühwarnsystems: vor dem Hochwasser kann noch vor Eintritt des Regens gewarnt werden Bildrechte: IMAGO

Wie funktionieren die Warnsysteme bisher bei Hochwasser?

  • Pegelstände

In Deutschland gibt es insgesamt 1280 Pegel, die die Wasserstände von Flüssen messen. Jedes Bundesland legt dabei individuell fest,  wann der Pegelstand zu hoch ist und wann Hochwasser droht. Bei Überschreiten dieser Werte werden die betroffenen Kommunen benachrichtigt, um entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Das Problem: es kann erst gehandelt werden, wenn der Pegelstand schon zu hoch ist.  Insbesondere bei schmalen Gewässern und nach starkem Regen steigt das Wasser so schnell an, dass selten rechtzeitig reagiert werden kann.

  • Niederschlagsmesser

Bei einem Niederschlagsmesser, einem sogenannten Ombrometer, wird Regen und Schnee in einer Art Trichter gesammelt und gemessen, wie viel Niederschlag in einem bestimmten Zeitintervall fällt.  In Sachsen gibt es 256 dieser Messstationen. Die Ombrometerdaten werden für Statistiken und Niederschlagsmittelwerte verwendet, können allerdings nicht vor akutem Hochwasser warnen. Schließlich werden die Daten auch hier erst erfasst, wenn der Niederschlag bereits gefallen ist und die Pegel ansteigen.

  • Regenradar

Unabdingbar bei Hochwasser-Warnsystemen sind Regenradare. Diese messen physikalisch in einem bestimmten Umkreis den Wassergehalt einer Wolke. Meteorologen können damit voraussagen, wann und wie viel Niederschlag in einem bestimmten Gebiet fällt. Die Daten liegen erst relativ kurzfristig vor Eintreten des Regen vor. Präzise Prognosen zur Regenwahrscheinlichkeit in einem bestimmten Gebiet können meist erst 3-4 Stunden vor dem Niederschlag gemacht werden.

Das Hochwasser der Elbe steht am 04.06.2013 auf den Strassen von Meiߟen (Sachsen), der Pegel der Elbe lag um 10:00 Uhr bei 8,00 Meter.
Der Pegel der Elbe stand im Juni 2013 in Meißen teilweise bei 8 Meter. Das neue Frühwarnsystem könnte die Gemeinden künftig eher vor Hochwasser warnen. Bildrechte: dpa

Was macht das neue Frühwarnsystem so besonders?

Mithilfe des neuen Frühwarnsystems kann die Hochwassergefährdung bereits im Voraus, bis zu 24 Stunden vor Eintreten der Überschwemmungen, eingeschätzt werden. Dabei werden nicht nur wie bisher die aktuellen Pegelstände und die Wetterlage berücksichtigt, sondern auch Eigenschaften des Bodens und die Topographie des Geländes

Die meteorologische Wetterdaten liefern zunächst erste grobe Erkenntnisse, wie sich das Wetter in den kommenden Stunden und Tagen entwickelt und wo besonders viel Regen fällt. Das Besondere am neuen 24-Stunden-Frühwarnsystem ist, dass nun auch mit beachtet wird, wie schnell das Wasser in einem bestimmten Gebiet abfließen kann und wie viel Flüssigkeit der Boden aufnehmen kann.

In Sachsen gibt es unterschiedliche Bodenarten, die ein unterschiedliches Versickerungsverhalten haben. Außerdem hat man unterschiedliche Hangneigungen. Im Mittelgebirge ist es steiler als im Norden im flachen Teil. Das sind alles Parameter, die enorm starke Auswirkungen auf die Abflussgeschwindigkeit haben können.

Uwe Müller, Landeshochwasserzentrum Sachsen

Eine 24-Stunden-Prognose könnte der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, der Feuerwehr und den betroffenen Anwohnern im Ernstfall wertvolle Zeit verschaffen.

Wie kann das neue Frühwarnsystem genutzt werden?

Je nach den genannten Faktoren wurde Sachsen in 16 Gebiete unterteilt. Auf der Internetseite des Landeshochwasserzentrum ist die Hochwassergefährdung dieser Gebiete durch Farben und anhand einer 5-teiligen Skala zu erkennen. Die Prognosen werden alle drei Stunden aktualisiert und staatliche Behörden und Kommunen im Notfall benachrichtigt. Ab 2019 sollen die Daten auch über eine App verfügbar sein.

Das neue Frühwarnsystem wurde ein Jahr lang getestet – mit guten Ergebnissen. 85 Prozent der später eintretenden Hochwasser konnten durch Starkregen vorhergesagt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 11. März 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2018, 11:41 Uhr