Bienen auf einer Honigwabe
Erst im Frühjahr werden die Honigbienen wieder aktiv. Solange überwintern sie dicht aneinander gedrängt im Bienenstock und werden vom Imker mit Zuckerlösungen versorgt. Bildrechte: MDR/Christian Werner

Honigproduktion Woher stammt der Honig aus den Lebensmittelmärkten?

Aufgrund der Kälte haben sich die Bienen zur Winterruhe zurückgezogen. Dennoch bekommen wir das ganze Jahr über Honig zu kaufen. Mit über einem Kilogramm Honig pro Jahr gehören die Deutschen zu den größten Genießern weltweit. Doch MDR AKTUELL-Hörer Thomas Hentschel aus Dresden hat Bedenken. Er fragt sich, ob das Bienensterben einen Einfluss auf die Produktion hat und woher dann der Honig aus den Lebensmittelmärkten stammt. Und wie kontrolliert man die Qualität?

von Maren Beddies, MDR AKTUELL

Bienen auf einer Honigwabe
Erst im Frühjahr werden die Honigbienen wieder aktiv. Solange überwintern sie dicht aneinander gedrängt im Bienenstock und werden vom Imker mit Zuckerlösungen versorgt. Bildrechte: MDR/Christian Werner

Diese Nutzerfrage hat viele Facetten: Bienensterben, Honigproduktion, Verkauf und Kontrollen. Mit all diesen Themen befasst sich das Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf bei Berlin. Eine Forschungseinrichtung, die auch für die mitteldeutschen Länder zuständig ist. Birgit Lichtenberg-Kraag ist die Leiterin der Abteilung Honiganalyse und Bestäubung. Über das oft zitierte Bienensterben sagt sie, dass es dieses globale Bienensterben, von dem auch viel in den Medien berichtet werde, eigentlich nicht in der Form gebe. Seit den 60er-Jahren haben sich die Bienenvölker weltweit sogar verdoppelt, ergänzt Lichtenberg-Kraag.

Anders sieht das mit den Wildbienen und Insekten aus: Das ist das eigentliche Sterben, nämlich, dass die Lebensräume sich so stark verändert haben, dass man dort einen Rückgang und Abnahme der Artenvielfalt verzeichnet.

Dr. Birgit Lichtenberg-Kraag, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Trotz Hindernissen qualitativ-guter Honig

Dennoch sterben auch Honigbienen. Hauptsächlich durch einen Blutsauger: die Varroamilbe. Imker Peter Jochmann aus Leipzig hat in diesem Jahr auch Bienen verloren.

Durch die Varroamilbe hatte ich den Verlust von zwei Völkern zu beklagen - leider Gottes Behandlung nicht angeschlagen. Schade!

Peter Jochmann, Imker aus Leipzig
Länderinstitut für Bienenkunde
Das Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf befasst sich mit Themen rund um den Honig und die Biene und ist auch für den mitteldeutschen Raum zuständig. Bildrechte: MDR/Christian Werner

Birgit Lichtenberg-Kraag vom Länderinstitut für Bienenkunde kennt solche Berichte, weiß aber, Imker sorgen dafür, dass es immer ausreichend gesunde Völker gibt. Auch dem Naturprodukt Honig vertraut sie, denn generell unterlägen alle Honige dem Lebensmittelgesetz. Lichtenberg-Kraag erklärt, dass es eine sogenannte Honig-Verordnung gebe und die gelte sogar europaweit. "Da gibt es erst einmal grundlegende Grenzwerte, Bestimmungen, wie ein Honig auszusehen hat und was überhaupt Honig genannt werden darf."

Kontrolle durch Lebensmittelämter und Imkerbund

Deutscher Honig werde stichprobenartig durch Lebensmittelämter kontrolliert. Der Deutsche Imkerbund lässt zusätzlich vom Länderinstitut für Bienenkunde Honig untersuchen. Imker schicken auch freiwillig Proben zur Qualitätskontrolle und Sortenbestimmung ein. Einar Etzold analysiert den Honig unter dem Mikroskop. Bei ihm gehe es um die Pollenanalyse und darum, dass die botanische und geografische Herkunft festgestellt werde.

Schon allein durch die Pflanzen, an denen die Biene gewesen ist, lässt sich heimischer von importiertem Honig unterscheiden. Der Importierte kommt überwiegend aus Mittel- und Südamerika sowie aus Süd- und Osteuropa - und hauptsächlich über die Häfen Bremen und Hamburg nach Deutschland. Dort nehmen die großen Abfüller oder Handelslabore die Ware unter die Lupe. Importhonig werde wesentlich strenger kontrolliert als einheimischer, sagt Birgit Lichtenberg-Kraag, denn der ausländische Honig bedarf auch einer größeren Kontrolle.

Nicht nur Qualität wird kontrolliert, sondern auch Rückstände und Honigverfälschungen. Mittlerweile ist es so, dass viele Lebensmittelketten Wert darauf legen, zertifizierten Honig in ihre Regale zu stellen.

Dr. Birgit Lichtenberg-Kraag, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Meist Importhonig in den Lebensmittelmärkten

Honig wird in ein Glas abgefüllt
Wer auf einen speziellen Honiggeschmack Wert legt, der ist beim Imker um die Ecke am besten aufgehoben. Bildrechte: MDR/Christian Werner

Importierter wie einheimischer Imkerhonig kann also guten Gewissens gegessen werden. Am Ende ist es nur eine Geschmacksfrage. Der Honig in den Märkten ist meistens Importware, die immer gleich abgeschmeckt wird. Nur rund 20 Prozent des Handelshonigs sind einheimisch, einfach, weil im Ausland länger und preiswerter produziert wird. Wer regionale, speziell schmeckende Sorten bevorzugt, sollte zum Imker um die Ecke gehen – auch, wenn es vielleicht ein paar Cent teurer ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Dezember 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

13.12.2018 19:43 Martin 4

Der Import Honig ist schon deshalb hoch erhitzt, damit er lange flüssig bleibt. Nahezu alle Import Honige haben Erreger der Amerikanischen Faulbrut.
Kauft deutschen Imkerhonig, hier wird der Blütenhonig mehrfach gerührt, somit bleibt er streichfähig.
Waldhonig und andere Glucose Honige werden nur so erwärmt, dass sie für eine begrenzte Zeit flüssig bleiben.

12.12.2018 21:35 Normalo 3

@ 1 Und damit haben Sie recht. Honig, der über 40 Grad erhitzt wird ist nichts weiter als süß. Alle bedeutsamen Inhaltsstoffe verschwinden. Das betrifft auch den Fall wenn man Honig in heißen Tee oder Milch rührt. Nur noch süß.

12.12.2018 15:55 Fragender Rentner 2

Die "guten Unternehmer" und die "guten Bauern" werden doch nichts einsetzen was der Umwelt und uns schaden wird ??? :-(((

Monokultur überall wo man hinsieht hoch 3 !!!

Dann werden noch angeblich Bioverpackungen hergestellt, die nicht in die BIO-Tonnen dürfen !!! :-(((

12.12.2018 11:39 M. 1

Hmm interessant, ich kenne aber diverse Meinungen von Imkern, dass gerade der Importhonig aus verschiedensten Honigsorten zusammengesetzt wird und (jetzt kommt`s) dann erheblich erhitzt wird. Das soll wohl die eigentlich antibakteriellen Eigenschaften des Honigs vernichten....
Also sicherlich ist der Honig verzehrbar, aber ob er die gewünschte Wirkung hat, wage ich zu bezweifeln...

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