Drohne
Drohnen in der Luft gehören schon fast zur Normalität - oft sind sie angemeldet, aber nicht immer. Bildrechte: dpa

Thüringen Polizei muss häufig wegen Drohnen ausrücken

Etwa 700.000 Drohnen soll es mittlerweile in Deutschland geben. Das ist aber nur eine Schätzung. Wie viele der unbemannten Fluggeräte durch die Luft surren, ist nicht bekannt. Denn nicht jede Drohne muss angemeldet werden. Dass es mehr werden, steht aber außer Frage. Das merkt auch die Thüringer Polizei. Sie muss immer häufiger ausrücken, weil jemand eine Drohne am Himmel gesehen hat.

von Lily Meyer, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Thüringen

Drohne
Drohnen in der Luft gehören schon fast zur Normalität - oft sind sie angemeldet, aber nicht immer. Bildrechte: dpa

Gerd Rahnfeld hat sich eine Drohnen-Fernbedienung um den Hals gehängt. Daran befestigt ist ein Tablet, auf dem momentan nur der Teppichboden zu sehen ist. Gefilmt wird der von einer Kamera, die an einer Drohne befestigt ist. Der Handwerker nutzt diese normalerweise für Dachkontrollen: "Im Prinzip ist an jedem zweiten Dach etwas kaputt. Und der Dachdecker kommt nicht hin bzw. nur mit Riesenaufwand. Mit Drohne dauert das Ganze vielleicht zehn Minuten."

Strenge Regeln besonders in Flughafen-Nähe

Gerd Rahnfeld mit Drohne
Handwerker Gerd Rahnfeld mit seiner Drohne Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Heute lässt Rahnfeld die Drohne aber nur ein paar Zentimeter in seinem Büro aufsteigen: "Erfurt ist komplett Flugkontrollzone. Und da gibt es bestimmte Sachen, die eingehalten werden müssen. Ich darf nicht auf hundert Meter fliegen, sondern nur auf 50. Und da es innerhalb der Ortschaft ist, muss ich vor dem Start das Ordnungsamt informieren und das Amt informiert dann die Polizei." Rahnfeld hat sich intensiv mit den Regeln auseinandergesetzt, die für Drohnen-Besitzer gelten. Aber auch bei ihm stand die Polizei schon vor der Tür.

Mehr Polizeieinsätze als im ganzen Vorjahr

Jemand hatte sie verständigt, nachdem Rahnfeld die Drohne erlaubterweise über einem Mietshaus fliegen gelassen hatte. Dieser Einsatz war einer von 54, zu der die Polizei 2017 ausgerückt ist. In diesem Jahr sei die Polizei bis Ende Juli bereits 70 Mal alarmiert worden, weiß Patrick Martin, Sprecher der Landespolizeidirektion Erfurt: "Wenn wir jetzt ungefähr bei der Mitte des Jahres sind, wird sich die Zahl wahrscheinlich verdoppeln. Man sieht, dass die Drohnennutzung in Thüringen massiv zunimmt."

Und damit steigt auch die Verunsicherung in der Bevölkerung, räumt Sirko Littau ein. Er arbeitet beim Landesverwaltungsamt in Weimar. Genauer im Referat 520, das für den Luftverkehr und für die Drohnen verantwortlich ist: "Viele fühlen sich belästigt. Der Lärm ist doch zu hören, wenn so ein Multicopter fliegt. Und viele fürchten natürlich, gerade durch die Bestückung mit den Kameras, dass sie in ihrer Privatsphäre verletzt werden."

Flugerlaubnis liegt meist vor

Häufig bleibe es allerdings bei den Befürchtungen, so Littau weiter: "Denn oft stellt sich heraus, es handelt sich nicht um eine Ordnungswidrigkeit, man durfte dort also fliegen." In Zahlen: 2017 handelte es bei neun der 54 Einsätze jeweils um eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit. Das geht aus der Antwortet das Innenministerium auf eine kleine Anfrage des CDU-Innenpolitikers Raymond Walk hervor. Angesichts der gestiegenen Zahl an Polizeieinsätzen im ersten Halbjahr dieses Jahres fordert Walk dennoch eine verstärkte Überwachung des Drohnenflugs in Thüringen.

Goldene Regeln für Drohnenbesitzer

Im Landratsamt und bei der Polizei hält man diese Forderung für unnötig. Noch stelle die gestiegene Zahl an Drohnen in Thüringen kein Problem dar, sind sich Martin und Littau einig. Um Ärger mit der Polizei zu vermeiden, rät Littau Drohnenfliegern drei Dinge: Eine spezielle Haftpflichtversicherung abzuschließen, die sogar Pflicht ist, sich im Internet zu informieren, wann und wo geflogen werden darf und den Nachbarn vorher Bescheid zu geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. August 2018 | 06:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

10.08.2018 21:33 Tobias 4

"Drohnen sind in der Tat als Risiko zu bewerten und sollten nicht überall eingesetzt werden dürfen." Von Fahrrädern gehen auch Gefahren aus, benötigen wir jetzt auch einen Fahrradführersein? Man sollte mal die Kirche im Dorf lassen. Es gibt schon genügend Reglementierungen in Deutschland.

10.08.2018 16:51 Fragender Rentner 3

Die armen Polizisten, wofür müssen die sich nicht noch alles opfern?

Kein Wunder wenn es nicht die richtigen Bewerber für den Job gibt.

Hoffentlicht reicht da ein Auto?

10.08.2018 12:38 Kritiker 2

Drohnen sind in der Tat als Risiko zu bewerten und sollten nicht überall eingesetzt werden dürfen.
Vielen Privatbesitzern ist das leider egal und damit steigt auch eine Unfallgefahr.
Hier ist der Gesetzgeber gefordert und ein "Drohnenführerschein" sollte Pflicht sein. Wer den nicht vorweisen kann, sollte keine Drohne kaufen dürfen.

10.08.2018 11:49 Nicole 1

Das ist ein sehr schlecht recherchierter Artikel! Herr Rahnfeld ist kein Dachdecker sondern macht Bodenbelege und -abdichtungen.
Außerdem muss ein Drohnenstart überhaupt nicht beim Ordnungsamt Erfurt angemeldet werden sondern in Erfurt z.b. beim Flughafen Erfurt.
Da sollten sie aber dringend nochmal richtig recherchieren!

[Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Artikel aktualisiert. Herr Rahnfeld nutzt die Drohne nur für Dachkontrollen und die Anmeldung beim Ordnungsamt ist eine Vorsichtsmaßnahme seinerseits. Herzliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]