Eine Schwebfliege hat sich auf einer Wiese im Stadtteil Bergen auf einer Blüte niedergelassen.
Bunte Wiesen sind für heimische Insekten wie die Schwebfliege das Paradies. Bildrechte: dpa

Insektensterben Aufgeräumte Gärten bedrohen Biene und Co.

In Halle treffen sich in dieser Woche mehr als 300 Insektenforscher aus der ganzen Welt zur Entomologentagung 2019. Ein großes Thema, über das sie sprechen werden, ist das Insektensterben. Es gibt Schätzungen, wonach 40 Prozent aller Insektenarten auf der Erde vom Aussterben bedroht sind. Die Gründe dafür sind vielfältig - Pestizide, die Monokulturen in der Landwirtschaft - und auch viele Kleingärtner. Wieso letztere eine Rolle spielen, erfahren Sie passend zum Start der Gartensaison hier.

von Mareike Wiemann, MDR AKTUELL

Eine Schwebfliege hat sich auf einer Wiese im Stadtteil Bergen auf einer Blüte niedergelassen.
Bunte Wiesen sind für heimische Insekten wie die Schwebfliege das Paradies. Bildrechte: dpa

In diesen Wochen bringen sie wieder Farbe in die heimischen Gärten: die leuchtend gelben Blüten der Forsythie. Doch Insekten haben von der Farbenpracht rein gar nichts, denn die Blüten des aus China stammenden Strauchs produzieren weder Blütenstaub noch Nektar.

Vorsicht bei diesen Gehölzen Diese Hecken sind keine Insektenweiden

Sie sehen schön aus, blühen herrlich - aber Insekten finden an den Blüten weder Nektar noch Pollen. Wer seinen Garten naturnah gestalten möchte, sollte auf diese Gehölze daher lieber verzichten.

Gelbe Blüten an einem Forsythiastrauch.
Die Forsythie zeigt im zeitigen Frühjahr ein Blütenmeer. Doch die weit verbreiteten Hecken sind Kreuzungen, also Hybriden. Ihre Blüten sind steril, produzieren weder Pollen noch Nektar. Bildrechte: Brigitte Goss
Gelbe Blüten an einem Forsythiastrauch.
Die Forsythie zeigt im zeitigen Frühjahr ein Blütenmeer. Doch die weit verbreiteten Hecken sind Kreuzungen, also Hybriden. Ihre Blüten sind steril, produzieren weder Pollen noch Nektar. Bildrechte: Brigitte Goss
Lila und rosa Blüten einer Bauernhortensie
Wunderschöne Blütenbälle bildet die Bauernhortensie Hydrangea macrophylla. Aber auch hier gehen Bienen und Insekten leer aus, wenn sie Nektar suchen. Die gezüchteten Hortensien sind oft geschlechtslos und für Bestäuber uninteressant. Bildrechte: Brigitte Goss
Weiße, runde Blüten einer Ballhortensie.
Auch die Ballhortensie Hydrangea Annabelle ist nichts für Insekten. Bildrechte: Brigitte Goss
Blüten eines Fliederstrauches mit gefüllten Blüten.
Flieder (Syringa vulgaris) bildet nur wenig Nektar, dafür sind die Blüten aber reich an Pollen. Da dieser sehr tief in der Blüte liegt, ist er eher eine Pflanze für Hummeln und Schmetterlinge mit einem langen Rüssel. Zu den beliebtesten Fliedersorten zählt der Duftflieder 'Schöne von Moskau'. Doch diese Sorte ist eine Züchtung, die gar keine Insektennahrung anbietet. Bildrechte: Brigitte Goss
Gelbe Blüten des Ranunkelstrauchs.
Ranunkeln sehen wunderschön aus. Doch der gefüllte Ranunkelstrauch ist wirklich nur etwas für den Ziergarten. Wer Bienen und Schmetterlinge in den Garten locken möchte, sollte einfach blühende Sträucher pflanzen. Bildrechte: Brigitte Goss
Stattlicher Strauch eines Schneeballs mit weißen, runden Blüten.
Auch einige gezüchtete Schneeball-Arten sind steril wie zum Beispiel der gefüllte Schneeball Viburnum opulus Roseum. Für den Naturgarten sind einfache heimische Arten geeignet, auch wenn sie nicht sehr pollen- und Nektarreich sind, werden sie von Insekten besucht. Bildrechte: Brigitte Goss
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 05. März 2019 | 19:30 Uhr

Das Problem sind Pflanzen aus dem Baumarkt

Ähnlich ist es beispielsweise beim Rhododendron oder beim Trompetenbaum. Und auch der so herrlich duftende Flieder, der aus Südeuropa stammt, wird nicht von unseren Bienen angeflogen.

Der hallesche Insektenforscher Professor Gerald Moritz erklärt das Problem. Nach seinen Worten werden zu Hause oftmals Pflanzen aus dem Baumarkt angebaut. Diese hätten letztendlich nicht die Vorzüge wie Pflanzen, die wild wachsen.

Wildnis ist insektenfreundlich

Zwischen wilden heimischen Pflanzen und unseren heimischen Insekten haben sich seit Jahrmillionen enge Beziehungen entwickelt - da können exotische Pflanzen nicht mithalten. Insektenfreundlich zu gärtnern heiße deswegen, Wildnis zuzulassen, erklärt Biologe Moritz.

Akelei
Die Akelei gehört in einen insektenfreundlichen Garten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Insektenparadies für ihn ist eine bunte Wiese. Die möge zwar nicht jeder, viele würden ganz grünes Gras bevorzugen. Aber die bunte Wiese mit heimischen Arten sei das Beste, was man zur Verfügung stellen könne.

Die bunte Wiese - mit Akelei, Nachtkerze oder etwa Hornklee darin. Dazu - ja, auch wenn sich Mücken darin vermehren können - kleine Wasserflächen als Trinkstellen für Insekten im Sommer.

Kleine Wasserflächen und keine Leuchten

Und möglichst wenig Leuchten in Bäumen, Sträuchern und Beeten. Künstliches Licht sei in der Evolution nicht vorgekommen, erklärt Insektenforscher Moritz. In der Entwicklung der Organismen gebe es das nicht. Viele Insekten würden sich nach Lichtquellen orientieren. Der Mond sei eine entscheidende Quelle, auch die Sterne. Wenn man auf der Erde für sogenannten Lichtschmutz sorge, dann werde die Orientierung dieser Insekten gestört.

Schotter ist der schlimmste Fall

Es sei nur ein kleiner Beitrag, den man mit dem eigenen insektenfreundlichen Garten leisten könne, räumt der Insektenforscher ein. Aber der sei auch wichtig.

Der schlimmere Fall ist der, dass man pflanzliche Fläche ganz reduziert, indem man Schotter hinmacht. Indem man einfach alles versiegelt. Natürlich hat man dann weniger Probleme mit Unkraut. Aber diese Fläche wird der Natur genommen.

Auf der Entomologentagung, die Moritz mitorganisiert hat, will er sich mit seinen Kollegen nun austauschen. Über die Gründe und über die Folgen des Insektensterbens. Denn die betreffen alle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. März 2019 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 05:00 Uhr

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17 Kommentare

12.03.2019 11:33 insider 17

Auch ich war ob der sehr provokanten Überschrift doch sehr verwundert. Da ich im Vorstand eines Vereines mitarbeite der im engen Erfahrungsaustausch mit Entomologen steht habe ich mich sogleich mit einigen verständigen können. Offensichtlich haben Sie, Frau Wiemann, das eine oder andere nicht korrekt verstanden. Der mdr selbst hatte vor ca. 6 Monaten ausführlich über die Wichtigkeit der Kleingartenanlagen in Urbanen Räumen mit Verweis auf die Biodiversität berichtet. Worauf die Entomologen abzielen sind die Gärten sogenannter Vorstadt – Reihenhaussiedlungen. Flächen oftmals ähnlich groß die eines Kleingartens, aber mit Terrasse und Carport versiegelt und das bisschen Land mit Schotter und künstlichem Rindenmulch zu gekippt. Der Hinweis in diese Richtung soll vor allem die Amtsstuben wachrütteln, zu glauben das derartige Baugebiete etwas mit nachhaltigem Gärtnern zu tun hätten. Sicher gibt es auch Ausnahmen, aber die überwiegende Mehrheit der Vorgärten sieht genauso aus.

12.03.2019 10:47 böse-zunge 16

Es scheint mal wieder beim Griff an die eigene Nase zu reflexartigen Störungen zu kommen.
Dem eigenen Vermieter mal näher treten, um darum zu bitten dem Grün"pflege"betrieb nahezulegen mit dem Mähen der Grünfläche bis nach Blüte und Fruchtbildung zu warten.
Statt Forsythien anderes Geheck zu pflanzen.
Den Schmetterlingsflieder statt der "sterilen" Variante zu setzen und statt Angebotsware zu pflanzen beim teureren Fachhandel einzukaufen.
Wer das alles hat/ tut ... wunderbar. Ansonsten geht's doch nur um den Aufruf "mehr" selbst zu tun. Und dies nach Möglichkeit eben bewusster.

12.03.2019 10:43 Berliner 15

An die erbosten Kommentatoren. Es geht hier, so wie ich es verstehe, in erster Linie um die Gärten der Häuslebauer: Steril, Kurzrasen und Thujahecke drumrum, damit es keine Arbeit macht. Thuja-Heckenschnitt ist aber Sondermüll und ein steriler Garten nützt Niemandem Etwas.... die Schrebergärtner machen sicherlich vieles richtig - Exoten sind hier ja auch oftmals verboten. Thujahecken gehören meiner Ansicht nach per Gesetz verboten, den ganzen Mist nach dem Schneiden findet man oftmals im Wald um die Ecke, weil das Ganze nicht verrottet und entsorgt werden muss. Und warum wollen Viele einen Garten, wenn es keine Arbeit machen soll ? Ich kann nicht verstehen, wie man sich in so einem sterilen Garten wohlfühlen kann, wo nichts blüht und alles akkurat ist....

12.03.2019 08:18 Möwe 14

Das ist doch wohl der Hammer. Vielleicht diskutieren wir mal über die Wohlstandsgesellschaft und wie sie lebt? Der Grund ist doch klar Landwirtschaft und Flächenvernichtung. Eine Frechheit auf die Kleingärtner zu verweisen. Das ist genau so eine dumme scheinheilige Diskussion, wie die Gesundheitsgefährdung durch moderne Diesel. Wenn man für Klimaschutz ist sollte man zuerst die Fluege verteuern. Für 19 EUR quer durch Europa fliegen, da ist die Umwelt nie eingepreist.

12.03.2019 05:51 Frank 13

Guten Morgen,

Das ganze ist schwierig und hat viele Ursachen. Aber jeder kann was tun. Direkt oder gemeinsam mit Menschen die etwas davon verstehen: Es gibt die Möglichkeit Blühfläche mit Landwirten zu schaffen. Kontakte bei eBay Kleinanzeigen!

11.03.2019 20:19 Rico 12

Heute Morgen hörte ich einen Beitrag im MDR zum Thema und war entsetzt. Eine Beleidigung für jeden Kleingärtner. Wie bereits viele in Ihren Beiträgen hier erwähnt haben sind Sie das geringste Übel.
Man hat eine vorgeschriebene Mindestanbaufläche, Hecken, Bäume dürfen nicht so groß sein, Blumenbete hier und da, ein paar Quadratmeter Wiese. In meinem Garten summt es!
Riesige Monokulturen und deren Bewirtschaftung wird kleingeredet. Weiterhin zunehmende Bebauung, Verkehr, Solarfelder und Windräder darüber kein Wort.

11.03.2019 18:22 NRW-18 11

Dass natürliche Flächen wie Gärten und Wiesen gut für Bienen sind, dürfte jedem Fünftklässler klar sein. Dass in der Landwirtschaft nur so viel Chemie wie nötig eingesetzt werden sollte, dürfte ebenfalls klar sein.
Allerdings glaube ich nicht, dass das eindeutig erkennbare Insekten- und Bienensterben (Frontscheibe nach 500km Fahrt) nur dem Steingarten des Nachbarn und der Chemie in der Landwirtschaft geschuldet ist.
Hat mal jemand den Zusammenhang zwischen hochfrequenter, gepulster Mikrowellenstrahlung durch Mobilfunk und dem Insektensterben hinterfragt?
Wenn diese Strahlung, abhängig von Leistungsflussdichte und Feldstärke, einen Einfluss auf Menschen hat, dann vermutlich auch auf diese empfindlichen Tierchen.

11.03.2019 17:02 W. Merseburger 10

Nun bin ich doch sehr erstaunt. Heute am Vormittag hatte obiger Artikel noch einen anderen provokativern Titel. Vielleicht ist der Verfasserin schnell aufgefallen, dass sie die Kleingärtner völlig zu Unrecht als Quelle des Übels "Bedrohung der Bienen" und eigentlich vieler Insekten hinstellt. Allerdings eine Sache ist völlig zu recht angesprochen worden. Warum müssen wir "Hirnlosen" noch Nachts im Garten Solarleuchten aufstellen. Die Antwort ist im Land der Gartenzwerge einfach, weil dies so schön und insektenschädlich ist und auch andere Tierarten irritiert!

11.03.2019 13:46 augu 9

Eine Blumenwiese braucht eine gewisse Größe und passt nicht in einen kleinen Garten. Ganz schlimm sieht es aus , wenn die Gräser und Blumen hoch und durch Trockenheit halb verwelkt sind, ein Rasenmäher kommt dann kaum noch durch. In einem kleinen Garten muss alles ziemlich streng kontrolliert wachsen, auch damit es naturnah aussieht. Bei mir ist es nur ein schmaler Rand am Gartenteich, in dem ich wenig eingreife und der Übergang von Blumenrabatte zur Brombeerhecke an der Grenze zum Nachbarn.. Mein kleines Stück Rasen ist aber keine wildwachsende Blumenwiese.

11.03.2019 12:57 Gerd Müller 8

Mein Rasen gehört mir, die Bienen können sich beim Nachbarn bedienen.
Es kommt noch das die Grünen vorschreiben wie ich mein Garten zu gestalten habe.
Dann Platz endgültig die Bombe.