Koran Islam
Für das kommende Schuljahr ist in Sachsen-Anhalt ein vertiefendes Islam-Modul im Ethikunterricht geplant. Bildrechte: Colourbox

Religion in der Schule Debatte über Islam-Unterricht in Sachsen-Anhalt

Bei einer Sitzung im Magdeburger Landtag debattieren die Abgeordneten am Freitagvormittag auch über die Frage, ob es an Sachsen-Anhalts staatlichen Schulen islamischen Religionsunterricht geben soll. Die Diskussion läuft im Land schon länger. Die unterschiedlichen Positionen im Überblick.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Koran Islam
Für das kommende Schuljahr ist in Sachsen-Anhalt ein vertiefendes Islam-Modul im Ethikunterricht geplant. Bildrechte: Colourbox

Zwischen 15.000 und 20.000 Muslime gibt es in Sachsen-Anhalt. 2.000 von ihnen sind Schülerinnen und Schüler, so schätzt es das Integrationsministerium. Das ist höchstens ein Prozent der Schülerschaft im Land. Für sie soll es laut Koalitionsvertrag in der Schule ein Angebot geben, das dem Religionsunterricht für katholische oder evangelische Schüler ähnlich ist.

Islam-Unterricht als Beitrag für gelingende Integration

Susi Möbbeck ist die Integrationsbeauftragte der Landesregierung. Sie sieht eine Reihe an Argumenten für einen islamischen Religionsunterricht und erklärt schriftlich: "Die Zahl der Muslime in Sachsen-Anhalt ist durch die hohe Zahl an Geflüchteten stark angestiegen. Unter ihnen sind auch viele Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter. Die Kinder haben einen hohen Bedarf an Orientierung im Alltag, auf dem Bildungsweg, aber auch in Religionsfragen." Ihr Fazit:

Die Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck.
Susi Möbbeck (SPD) ist für einen staatlich kontrollierten Islam-Unterricht. Bildrechte: dpa

Staatlich kontrollierter islamischer Religionsunterricht, der gemeinsam mit den islamischen Gemeinden entwickelt wurde, kann ein Beitrag für gelingende Integration sein.

Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte in Sachsen-Anhalt

Das Grundgesetz gewähre den Schutz der Religionsausübung, dazu gehöre auch der bekenntnisorientierte Religionsunterricht, erklärt Möbbeck weiter. Kurz: Religionsgemeinschaften haben in Deutschland ein Recht auf Religionsunterricht an staatlichen Schulen.

Kein Ansprechpartner für die islamischen Gemeinden

Das Bildungsministerium in Sachsen-Anhalt hat sich auch mit der Frage nach islamischem Religionsunterricht befasst und kommt zu dem Schluss: Es fehlt ein Ansprechpartner, der die islamischen Gemeinden vertritt.

Und daraus entsteht eine grundsätzliche Frage, meint Minister Marco Tullner: "Die Frage nämlich: Wer bildet eigentlich islamische Religionslehrer aus? Wer kontrolliert dort die Inhalte?" All das sei ein tiefgründiges Verfahren.

Man sieht ja auch in Ländern, die da weiter vorangeschritten waren – Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern –, dass die große Schwierigkeiten hatten, diese Dinge umzusetzen.

Marco Tullner, Bildungsminister Sachsen-Anhalt

Deswegen sei es auch in Sachsen-Anhalt kein Thema, Religionsunterricht für die islamischen Glaubensrichtungen einzuführen. Der Minister fordert: Die muslimischen Gemeinden im Land müssen sich organisieren. Dafür hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland kein Verständnis. Man stehe als Ansprechpartner zur Verfügung, heißt es auf Nachfrage.

AfD lehnt jegliche Form von Islam-Unterricht ab

Die Lösung soll nun ein vertiefendes Islam-Modul im Ethikunterricht bringen. Geplant sei das für die zweite Hälfte des kommenden Schuljahres an Schulen, die einen Bedarf sehen, erzählt Marco Tullner.

Kategorische Ablehnung kommt aus der oppositionellen AfD. Fraktionschef Oliver Kirchner erklärte im Vorfeld der Debatte am Freitag:

Fraktionsvorsitzender Oliver Kirchner
Oliver Kirchner (AfD) sieht Islam-Unterricht eher als Integrationshemmnis. Bildrechte: IMAGO

Einen Islam-Unterricht in Sachsen-Anhalt lehnen wir ab, weil wir das eben eher als Integrationshemmnis sehen.

Oliver Kirchner, AfD-Fraktionschef im Magdeburger Landtag

Hinzu käme, dass in Sachsen-Anhalt relativ wenige Muslime lebten und daher, der Meinung der AfD zufolge, überhaupt keine flächendeckende Nachfrage bestehe. Für Kirchner kommt auch der Islam-Unterricht als Teil des Ethikunterrichts nicht infrage.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2019 | 08:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 05:00 Uhr

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110 Kommentare

07.04.2019 06:21 Eumelino 110

Rainbow 66/ 102 Recht so! Genau so ist es!! Und hoffentlich kommt es so!!! Danke für ihren Beitrag bzw. Kommentar...

07.04.2019 04:40 Querdenker 109

Religionskritik sollte auch an Schulen seinen Platz haben. Religionskritik gehört mit zur Kultur von Deutschland.

Der deutsche Philosoph und Kritiker der Religion Karl Marx sagte:

Zitat Karl Marx „Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“ und „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“

Im Ethikunterricht können dann (unter anderem) auch die Verfehlungen und Gefahren von Religionen durchgenommen werden.

Separater Islamunterricht an Schulen lehne ich ab.

06.04.2019 19:57 der_Silvio 108

@100 Auf der Sonnenseite des Lebens;
"Das kann aber nicht der Grund sein unseren Wohlstand zu teilen, mit denen die etwas später hier ankommen."
1. Was hat das mit Islamunterricht zu tun?
2. Sollte es jedem selbst überlassen sein, was er von seinem verdienten Geld gibt. Wenn sie das tun wollen - bitte, niemand hindert sie.

In der Schule meiner Tochter werden im Reli-Unterricht alle 'großen' Weltreligionen behandelt, und ich finde, saß das reicht.
Wir sind hier in einem jüdisch-christlich geprägten Land, und ich finde, das sollten auch die islamisch geprägten 'Flüchtlinge' respektieren. Ebenso der Zentralrat der Muslime und die DITIB.
Ansonsten finde ich die Ausführungen von JM in #91 sehr aufschlussreich, informativ und richtig.

06.04.2019 19:26 jochen 107

82# Es könnte jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, an dem Sie verzichten und teilen sollten.
Ich für meine Person werde nichts von dem tun.
Vielleicht sollten jetzt auch die verzichten und teilen, die uns die Misere eingebrockt haben.
Jede Wette- darauf können wir alle lange warten.

06.04.2019 19:21 jochen 106

72 # Der Wähler wird sich sehr genau merken, welche Parteien die Verbreitung des Islam in Deutschland wie auch an deutschen Schulen fördern wollen.
Solche Parteien haben in deutschen Regierungen nichts zu suchen.
Wehret den Anfängen.

[Lieber Nutzer,

in einer deutschen Regierung, darf sitzen, wer gewählt wird. Ganz gleich, ob religiös oder religionsfrei. Im Übrigen gilt in Deutschland die Religionsfreiheit.

Wir verweisen Sie dazu gern auf das Grundgesetz:

Artikel 4
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Die MDR.de-Redaktion]

06.04.2019 18:12 Frido_Freimann 105

Solche "Märchenstunden" bitte nur in den Vorschuleinrichtungen, wenn es unbedingt sein muss. Ansonsten ist mir dort aber auch Pittiplatsch lieber.
Im allgemeinen sollten wir jedoch alle schon soweit sein, zu glauben, dass die Erde keine Scheibe ist ...

06.04.2019 17:42 Orrnee 104

@Auf der Sonnenseite, als Ironie nicht schlecht.

Sollte das allerdings Erst sein, dann kann ich Sie nur höflich bedauern!

06.04.2019 17:05 Rainbow66 103

Auf der Sonnenseite des Lebens (alle Beiträge)

Die feine Klinge der Ironie zu schlagen ist nicht jedem gegeben. Von mir 5 Sterne!

06.04.2019 17:01 Rainbow66 102

Das Schlimmste, was der Menscheit passieren konnte, war Religion. Aufgrund des zu Beginn der Entwicklungsgeschichte des Menschen vorherrschenden Wissensstandes war das aber unvermeidlich. Kirche ist eine Form der Diktatur, die aus der Religion entstanden ist und letzten Endes auch wieder nur Macht und Einfluß erhalten will und das um fast jeden Preis. Durch die sich ständig verschärfenden Widersprüche zwischen den Moralvorstellungen der Kirche und dem tatsächlich existierenden Leben wird die Kirche und die Religion sich eines Tages selbst obsolet machen und im Fegefeuer der Geschichte verschwinden. Und das ist gut so.

06.04.2019 16:53 Sonja 101

hat nicht jedes Land seine eigenen Bürger mit ihrer eigenen Sprache also ist es an erster Stelle unser Land uns deutschen, und von den zugereisten ihr Land wo sie herkommen aber nicht das Land von uns, begreifst du das , saublöder Kommentar.