Mängel in ICE-Zügen Fahrgastverband "Pro Bahn" wirft Bahn Versäumnisse vor

Defekte Klimaanlagen, geschlossene Toiletten und Bordbistros: Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat die Sparpolitik bei der Deutschen Bahn kritisiert. Er reagierte damit auf einen Bericht des ARD-Magazins "Kontraste".

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat auf einen Bericht reagiert, wonach ein Großteil der ICEs der Deutschen Bahn in schlechtem Zustand ist. Der Vorsitzende des Verbands, Karl-Peter Naumann, sagte MDR AKTUELL, man habe in der Vergangenheit auch auf politischen Druck hin gespart. Diese Kapazitäten fehlten heute, um die Züge vollständig in Schuss zu bringen.

Das ARD-Magazins "Kontraste" hatte am Donnerstag berichtet, dass nur 20 Prozent aller ICEs vollständig funktionsfähig seien. Der Rest sei reparaturbedürftig. Das Magazin beruft sich auf interne Aufsichtsrat-Dokumente der DB-Tochter Fernverkehr. Demnach hinkten die Instandhalter vor allem bei Reparaturen im Komfortbereich der Züge hinterher. Aus Kapazitätsgründen könnten oft nur sicherheitsrelevante Mängel beseitigt werden.

Zu wenig Instandhalter, zu wenig ICEs

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn
Karl-Peter Naumann von Pro Bahn Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Besonders häufig sind demnach in ICE-Zügen die Reservierungsanzeigen über den Sitzen defekt, aber auch Toiletten oder Maschinen des Bord-Bistros. "Das sind Dinge, die manchmal so gehäuft vorkommen, dass das Bahnfahren nicht mehr den Spaß bringt, den es bringen könnte", erklärte Naumann.

Die Probleme haben "Kontraste" zufolge unter anderem personelle Ursachen. So fehlten im zuständigen Bereich bei der Deutschen Bahn rund 5.800 Vollzeitstellen, also Lokführer, Zugbegleiter, Instandhaltungskräfte und IT-Spezialisten. Naumann sagte dazu, die Fehler der Vergangenheit rächten sich nun. "Es ist heute schwierig, genügend Personal zu finden."

Oft nicht genug Reservezüge

Hinzu kommt laut "Pro Bahn", dass es zu wenig ICE-Züge gebe. Im Fall eines Ausfalls könne die Bahn oft nicht auf Reservefahrzeuge zurückgreifen. Außerdem fehle es an ICE-Werkstätten.

Wie aus den internen Bahn-Dokumenten außerdem hervorgeht, hat sich die Bahn angesichts der Vielzahl der Probleme von der angepeilten Pünktlichkeitsquote verabschiedet. Demnach soll die Quote von 82 Prozent aller Fahrten nun nicht mehr 2018, sondern erst 2025 erreicht werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. November 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2018, 22:47 Uhr

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7 Kommentare

23.11.2018 18:12 Hemmschuhleger 7

Wo sind denn heute all diejenigen, die vor der Bahnreform 1994 danach gerufen haben, bei der Bahn müssten mal "richtige" Leute aus der Wirtschaft ran und die dummen Bahnbeamten gehörten nach Hause geschickt?

Die gelernten Eisenbahner gingen auch nach Hause oder sonstwohin und nahmen ihr Fachwissen mit.
Ein Wissenstransfer fand nicht statt
und das Ergebnis der Aktion liegt auf der Hand.

22.11.2018 23:18 Bronko 6

Weißte, an was ich traurig zurück denke? Damals, vor 25 Jahren noch, fuhren hier alte DDR Loks mit alten Abteilwagen rum. Jetzt gibts Triebwagen. Ständig überfüllt, rumstehen oder sterben. Nein, es ist NICHT möglich, das zu optimieren. Das kotzt einen nur noch an. Schön wars früher, Abteile oder Sitzreihen, von Wagen zu Wagen wandern, Fenster mal runter, wusste man, es wird voll, war noch ein Wagen dran usw. DAS war noch eine Bahn, die konnte analog sogar wissen, wann Stoßzeiten sind. Diese Conex, DB, Odeg, alles MÜLL und SCHROTT! Diese Bahngesellschaften haben nichts von Kundenfreundlichkeit gehört.

22.11.2018 22:14 Willy LP 5

@3, aber viel sind Sie nicht mit der DR gefahren. Diese Zustände habe ich so nicht erlebt. Ich habe Jahrzehnte durch Aussentätigkeit fast jede Woche mehrmals die DR genutzt. Ja, es gab nicht diesen Komfort, es gab auch Verspätungen, aber ich bin zu jeder Tages- und Nachtzeit in jeden Winkel unseres Landes gekommen. Das zu Preisen davon kann man heute nur träumen. So schlimm wie Sie es hier darstellen, war es niemals. Das war Daseinsvorsorge auf akzeptierbaren Niveau.

22.11.2018 19:21 Martin Bannehr 4

Versäumnisse?
Diese Zustände erfüllen den Tatbestand der Unterlassung!
(gerne hätte ich als Eisenbahner mit fast vierzig Dienstjahren besseres mitgeteilt...)

22.11.2018 18:26 Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow 3

Ach, wie schön waren da doch die Reichsbahnzeiten in der Ostzone. Da gab es solche Themen überhaupt nicht. Da war Mann oder Frau froh, wenn der Zug überhaupt ankam (vor allem im Winter), Klimaanlage?, wenn man aus dem Fenster schauend draußen überhaupt etwas sehen konnte. Unvergessen die braunen Gardinen (nicht politisch gemeint @Rasselbock oder @Denkschnecke). Zum Thema Toiletten enthalte ich mich hier aber. Und das ist kein Vorwurf an die damaligen Reichsbahner!

22.11.2018 18:14 Normalo 2

Wenn man als Privatunternehmen aufs Sparen setzt kommt sowas rum. Allerdings kann sich kein echter Unternehmer solche Schlamperei erlauben weil dann die Kundschaft wegbleibt. Das hat die Bahn nicht zu befürchten, die Leute müssen sie ja nutzen.
PS Wer ist eigentlich Hauptaktionär der Bahn ;)

22.11.2018 18:11 Sabine Sonntag 1

12 jahre merkel.... das ist wie real existierender Globalismus mit sozialistischem Gesicht.