Plakatkamapagne des Bundesverkehrsministerium für das Tragen von Fahrradhelmen.
Die umstrittene Kampagne des Bundesverkehrsministeriums wirbt für das Tragen von Fahrradhelmen. Bildrechte: Rankin/Runter vom Gas

Dumm und sexistisch? Verkehrssicherheitsrat steht zu umstrittener Fahrradhelm-Kampagne

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat die neue Kampagne des Bundesverkehrsministeriums für Fahrradhelme gegen Kritik verteidigt. Hauptgeschäftsführer Kellner zeigte sich vom scharfen Widerspruch gegen Plakate mit Männern und Frauen in Unterwäsche und mit Kopfschutz überrascht.

Plakatkamapagne des Bundesverkehrsministerium für das Tragen von Fahrradhelmen.
Die umstrittene Kampagne des Bundesverkehrsministeriums wirbt für das Tragen von Fahrradhelmen. Bildrechte: Rankin/Runter vom Gas

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat die neue Kampagne für Fahrradhelme gegen Kritik verteidigt. Hauptgeschäftsführer Christian Kellner sagte MDR AKTUELL, die scharfe Kritik an Plakaten mit knapp bekleideten Models, die einen Helm tragen, sei überzogen. Niemand werde herabgewürdigt oder diskriminiert.

Kellner zufolge ging es darum, Aufmerksamkeit zu erreichen und gegen das schlechte Image des Fahrradhelms anzuarbeiten. Aktuell trügen in der Zielgruppe der jüngeren Radfahrer nur acht Prozent einen Helm. Die wesentliche Botschaft sei, dass der Helm Leben retten könne.

Nach Angaben von Kellner wurde bei der Kampagne sogar extra darauf geachtet, dass sie nicht sexistisch rüberkomme. Deshalb gebe es auch männliche Models. Man wolle mit den Motiven dem Image des uncoolen Fahrradhelms entgegenwirken, der die Frisur kaputt mache. Kellner kann sich diese Kampagne auch mit "Otto-Normalverbrauchern" als Darstellern vorstellen.

"Peinlich, dumm und sexistitisch"

Die Kampagne von Verkehrssicherheitsrat und Verkehrsministerium hatte heftige Kritik ausgelöst. Auf Plakaten und im Video sind junge Frauen und Männer in Unterwäsche und mit einem Fahrradhelm zu sehen. Dazu stehen zwei englische Sätze: "Looks like shit. But saves my life.", was bedeutet: "Sieht scheiße aus. Aber rettet mein Leben."

Mehrere SPD-Politikerinnen fühlten sich von der Werbeaktion abgestoßen - und forderten ihren Stopp. "Es ist peinlich, dumm und sexistisch, wenn der Verkehrsminister seine Politik mit nackter Haut verkauft", sagte die Vorsitzende der AG Sozialdemokratischer Frauen, Maria Noichl, der "Bild am Sonntag". Frauen fühlten sich dadurch beleidigt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. März 2019 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 06:41 Uhr

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57 Kommentare

27.03.2019 09:41 Bernd 57

@56 das mag sein, aber das Alter der Bevölkerung ist weiter gefächert und auch bei Ü30 gibt es genug Helmmuffel. Hier gibt es etliche Kommentare ich denke die Kampagne kommt in Diskussion das ist das Gute. Wie viele es bewegt wird man sehen. Wobei ein Radfahrer, der etwas auf sich hält, fährt ohne Helm, im Dunkeln ohne Licht, Musik im Ohr, schwarz gekleidet auf der falschen Seite ... - no Risk no Fun. Was viele nicht verstehen die Knautschzone eines Radfahrers ist abhängig vom Bauch doch sehr gering. Die Aeusserungen der SPD Frauen finde ich weit hergeholt und kontraproduktiv.

26.03.2019 22:45 Mediator 56

Man kann sicherlich über alles streiten, aber muss man es wirklich tun?

Die beste Kampagne taugt nichts, wenn sie niemand wahr nimmt. Aus dieser Sicht wurde schon mal alles richtig gemacht.

Sexismus liegt sicherlich auch nicht alleine dadurch vor, dass eine Frau in Dessous abgelichtet wird und für etwas wirbt. Hier kommt es doch immer auf die transportierte Botschaft an. Eine sexistische Botschaft kann ich hier nicht wirklich erkennen. Die untypische Fahradkleidung lenkt den Blick fast automatisch auf den Helm der massiv heraus sticht.

26.03.2019 18:22 goffman 55

An alle, die sich über das Englisch beschweren: die Kampagne ziehlt auf die Gruppe der 15-30 Jährigen ab, da in dieser Bevölkerungsgruppe die Abneigung dem Helm gegenüber am größten ist, oft mit dem Verweis auf "uncooles" Aussehen verbunden. Deshalb, wird der Schönheitsaspekt mit dem "Schönheitsideal" dieser Generation adressiert - deshalb sehen wir halbnackte Models. Und deshalb sehen wir auch nicht irgendwelche Models, sondern Kandidatinnen von "Germany's next Topmodel" und weil in dieser Sendung, genau wie in der Zielgruppe, viel der englischen Sprache entlehnt wird, ist es absolut konsequent auch die Werbung in diesem Stil zu gestalten. Was denn sonst? Ein Zitat von Goethe? "Die Schönheit ist vergänglich, die ihr doch Allein zu ehren scheint. Was übrig bleibt, das reizt nicht mehr, und was nicht reizt, ist tot."

26.03.2019 14:02 ralf meier 54

@Stefan T Nr 54: Also 'Ein Mensch mit einem Mindestniveau an Bildung ' wird das in Werbekreisen so hippe denglish eher kritisch hinterfragen.

26.03.2019 10:35 Stefan T 53

@26.03.2019 05:38 Mustermann 47: "Und alle die kein Englisch können haben Pech - gehabt oder was? Warum geht das hier in Deutschland nicht auf Deutsch? Oder sind die die kein Englisch können dem Bundesministerium so egal...einfach widerlich diese Diskriminierung." Ein Mensch mit einem Mindestniveau an Bildung wird diese paar Worte Englisch noch übersetzen können. Bei den anderen ist Hopfen und Malz eh verloren. So, und nun fühlen Sie sich bitte "diskriminiert", ist ja eine ostdeutsche Spezialität.

26.03.2019 09:50 Bommel 52

Wer Fahrradhelm trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren!
Lächerlich!

26.03.2019 08:51 Albert Thiel 51

Das Motto sollte lauten:
"Schütze deinen Kopf du hast nur Einen"
Begründung : Es gibt kein Ersatzteil, und mit der schönen Frisur wird's dann auch nichts mehr.

26.03.2019 07:43 annerose will 50

Dieses Bild steht symbolisch für eine völlig marode Nation, die nicht einmal mehr auf normalen Wegen kommunizieren kann. "Deutschland schafft sich ab" titelte 2010 ein bekannter Autor.

26.03.2019 07:40 Sr.Raul 49

Richtig, @38 (NRW-18), dass einzige Übel ist der in englisch gehaltene Text. Eventuell liegt hier ja auch der Grund für den Aufschrei der Empörung des SPD-Damenkränzchens. Hat man eventuell einen Übersetzungsfehler gemacht. Ansonsten, nix "Neues aus der Anstalt".

26.03.2019 07:39 Kritiker 48

Das Thema ist zwar verfehlt, die Aufregung aber ebenso.