Ein Handybildschirm zeigt die App Vivy, aufgenommen bei der Vorstellung der neuen digitalen Gesundheitsakte
Neben dem Empfang von Dokumenten können Nutzer in Vivy Fitnessdaten speichern oder Fragen zur mentalen Gesundheit beantworten. Bildrechte: dpa

App Vivy Kassen stellen digitale Gesundheitsakte vor

Gesetzliche und private Krankenkassen bieten eine gemeinsame digitale Gesundheitsplattform an. Die App heißt Vivy und soll den sicheren Austausch von Krankenunterlagen zwischen Patienten, Kassen und Ärzten ermöglichen.

von Simon Köppl, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Ein Handybildschirm zeigt die App Vivy, aufgenommen bei der Vorstellung der neuen digitalen Gesundheitsakte
Neben dem Empfang von Dokumenten können Nutzer in Vivy Fitnessdaten speichern oder Fragen zur mentalen Gesundheit beantworten. Bildrechte: dpa

Mit Kisten voller Röntgenbilder und Untersuchungsberichten ins neue Krankenhaus wechseln, das soll in Zukunft für Patientinnen und Patienten einfacher werden. Die Lösung bietet eine digitale Gesundheitsakte, die von mehreren gesetzlichen und privaten Kassen in Berlin vorgestellt wurde.

Die App heißt Vivy und läuft unter Android und iOS. Nach einer Anmeldung mit dem Personalausweis können Versicherte so Dokumente empfangen oder teilen. Auch Notfalldaten wie Blutgruppe oder Allergien sind in der App hinterlegt. Dazu erinnert Vivy an Impfungen und die Einnahme von Medikamenten.

Vivy vernetzt Krankenkassen, Fachärzte und Labore

Zu den Kassen, die Vivy unterstützen gehören Allianz, DAK, Bahn BKK, IKK Classic, Barmenia, Gothaer und die Süddeutsche Krankenversicherung. Auch Fachärzte, Labore und Krankenhäuser sind schon mit dabei. Der IT-Dienstleister Bitmarck, der 90 Krankenkassen und 20 Millionen Versicherte betreut, hat sich nach einer europaweiten Ausschreibung für Vivy entschieden. Damit ist auch die Anbindung an vorhandene Software bei den Ärzten und Kassen sichergestellt. Aber auch Faxe sollen bei der App ankommen.

Nutzer entscheidet, welche Daten geteilt werden

"Wir wollen keine App die nur beim Austausch von Röntgenbildern und Notfällen hilft, wir brauchen Funktionalitäten für gesunde Menschen", bekräftigt Birgit König, Vorstandsvorsitzende der privaten Krankenversicherung Allianz. So können Nutzer Fitnessdaten für die App freigeben, Fragen zur mentalen Gesundheit beantworten und ihr biologisches Alter schätzen lassen.

Die Gefahr, dass Kassen auf diese Daten von sich aus zugreifen könnten, besteht nach Angaben der Projektpartner nicht. "Der Versicherte ist Herr seiner Daten, er entscheidet alleine, mit wem er seine Daten teilt", so Frank Hippler Vorstandsvorsitzender der IKK Classic. 

Ohne Sicherung sind die Daten weg

Auch an den Datenschutz wurde gedacht. "Nach dem Standard von 2018 ist die App sicher", verspricht der Geschäftsführer der Vivy GmbH Christian Rebernik. Dafür sorgt eine sogenannte asymmetrische Verschlüsselung (*). Dabei werden die Daten mit einem öffentlichen digitalen Schlüssel verschlüsselt. Ein zweiter privater Schlüssel ist nötig für die Entschlüsselung. Das sorgt für eine sichere Übertragung. Auch der Anbieter kann nicht auf die unverschlüsselten Daten zugreifen. Das heißt aber auch, wer sein Telefon verliert, muss vorher seinen privaten Schlüssel sichern. Nur damit können die Daten auf einem neuen Gerät wieder hergestellt werden. Die App wurde vom TÜV Rheinland zertifiziert.

App ist kostenlos

Die App selbst ist kostenlos. Bisher wird die Entwicklung zu 70 Prozent von der Allianz SE finanziert, zu 30 Prozent gehört sie Geschäftsführer Christian Rebernik. Vivy steht bereits im Appstore zum Download bereit, ist allerdings zur Zeit nur mit Einladung nutzbar.

Spahn will Gesundheitskarte abschaffen

Jens Spahn CDU
Hat für eine Smartphone-App plädiert: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Bildrechte: IMAGO

Auch die Regierung wünscht sich eine elektronische Patientenakte. Im Koalitionsvertrag wurde die Einführung bis 2021 vereinbart. Bisher galt die elektronische Gesundheitskarte als Schlüssel für eine digitale Patientenakte. Allerdings hatten Digitalministerin Dorothea Bär (CSU) als auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Zweifel an dem bestehenden Projekt geäußert. "Die Zeit von Kartenlesegeräten an Desktop-Computern als alleinige, vorgeschriebene Login-Variante ist in jedem Fall aus meiner Sicht nicht der Zugang, den sich die Bürger im Jahre 2018 mehrheitlich wünschen", hatte Spahn im Mai gesagt. Bisher sollen bereits 1,2 Milliarden Euro in das Projekt geflossen sein. 

Auch die AOK und die Techniker Krankenkasse haben bereits eigene Angebote einer digitalen Patientenakte vorgestellt.

(*) In einer früheren Version war von einer asymptotischen Verschlüsselung die Rede. Wir haben den Fehler korrigiert. Vielen Dank an @3 - Alex.

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2018, 21:35 Uhr

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6 Kommentare

06.06.2018 07:42 Sr.Raul 6

Im Bundesland getrennt-in der Sache vereint,@5 (NRW-Wessi)! Glück auf aus S.-A.!

05.06.2018 20:59 NRW-Wessi 5

Meine Daten landen mit Sicherheit nicht auf einem Smartphone, weil ich das erstens nicht will und ich zweitens gar kein Smartphone habe und auch keinerlei Interesse an diesen süchtig machenden Kontroll- und Überwachungsgeräten habe.

05.06.2018 18:42 Holger 4

Ganz großer Schwachsinn dieses Vorhaben!
Wenn es in der Vergangenheit um die Sicherheit persönlicher Daten ging, glaubten Politiker, Entwickler der Software, Geldinstitute und auch Krankenkassen stets die absolute Datensicherheit erfunden zu haben. Der Bürger wurde jedoch immer ganz schnell auf den Boden der Tatsachen geführt.
Auch dieser neuen Idee mit einer digitalen Gesundheitskarte und dazugehöriger App wird es nicht besser ergehen. Das Ganze ist nur ein weiterer Schritt zu überwachten gläsernen Bürgern. Man sieht ja jetzt schon was mit den persönlichen Daten alles möglich ist. Das reicht bis zu Bewegungsprofilen, Kaufverhalten und Vieles mehr!!!
Und überhaupt bedeutet das, dass sich
jetzt Alle die noch kein Smartphone haben ein solches Teil kaufen müssen???
Die Smartphone - Hersteller werden sich darüber freuen!

05.06.2018 18:41 Alex 3

Liebe Redaktion, insgesamt ein sehr interessanter Artikel. Aber ich vermute im Absatz zum Datenschutz ist Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen. Vermutlich meinten Sie nicht "asymptotische" Verschlüsselung, sondern asymmetrische Verschlüsselung zu der auch das hier dargestellte Derivat eines Public-Key Verfahren zählt.

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]

05.06.2018 18:17 Klartext 2

Das hier ist Humbug,wie sollen die Daten von einer MRT-Untersuchung auf ein Smartfone,da geht jedes Handy in die Knie,ich hab noch ein gutes altes Nokia,wie bekomme ich da die Daten drauf,das weiß nur die Chefin des Ganzen !

05.06.2018 17:56 Querdenker 1

Nur eins ist wirklich sicher: Smartphones sind besonders unsicher.

siehe „n-tv seltene und späte Updates So unsicher sind Android-Smartphones“

Zitat: „Rühmen darf sich kaum ein Hersteller, manche große Marken fallen rasselnd durch.“

siehe „n-tv Android-Smartphones sicher? Hersteller schummeln bei Updates“

Zitat: „Bei einer Überprüfung fällt bei mehreren Android-Smartphones auf, dass sie nur vortäuschen, Sicherheitsupdates erhalten zu haben.“