Verkehrsschilder der Bahn hängen an einem Gartenzaun der Reichsbahnsparte Buckau in Magdeburg
Gartenzaun der Reichsbahnsparte Buckau in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt Jeder fünfte Kleingarten steht leer

Lange Wartelisten für einen Kleingarten – das war einmal. Den Vereinen in Sachsen-Anhalt kommen die Mitglieder und Pächter abhanden. Und Nachfolger sind nicht mehr in Sicht. Die Folge ist, dass viele Gärten leer stehen und vermüllen. Der Abriss ist oft das letzte Mittel, doch dazu fehlen die Mittel.

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Verkehrsschilder der Bahn hängen an einem Gartenzaun der Reichsbahnsparte Buckau in Magdeburg
Gartenzaun der Reichsbahnsparte Buckau in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Peter Riebeseel blättert in einem Statistik-Ordner. Der Präsident des Landesverbands der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt sucht nach Zahlen, die die ganze Misere der Kleingartenvereine in Sachsen-Anhalt klarmachen. Dann stoppt er auf einer Seite. Ungenutzte Flächen an Kleingärten, in Prozent, Stand 2017. 50,35 Prozent steht da bei der Stadt Zeitz. Also, jede zweite Parzelle ist dort leer.

Im Schnitt ist jeder fünfte Kleingarten in Sachsen-Anhalt nicht mehr belegt. Oft ohne Aussicht auf Nachfolger.

Auch ein Abriss ist teuer

Wenn ein Kleingarten frei wird, müssten die Vereine dennoch der Form halber ein Jahr auf einen Nachpächter warten, sagt Riebeseel. Danach sollten die Parzellen eigentlich abgerissen werden. Denn die Verpächter wollten nicht, dass die Kleingärten lange brachliegen und zur Müllhalde werden. Doch die Abrisskosten würden die ehemaligen Pächter oft nicht bezahlen können. Am Ende bleibe es an den Kleingartenvereinen hängen. Doch die würden die Abrisskosten in den Ruin treiben, rechnet der Verbandspräsident vor.

"19.500 Parzellen sind leer. Würden wir die zurückbauen, und wir müssen sie zurückbauen, weil sie nicht nur kommunales Land sind, sondern von privat, Kirche und ähnlichem. Dann bräuchten wir für jede Parzelle zirka 4.000 Euro für Abriss und Entsorgung. Die können die Kleingärtner nicht aufbringen."

Was Politiker fordern

Um die Insolvenz der betroffenen Vereinen zu verhindern, müsse der Staat einspringen, fordert Jan Korte, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei. Der Bund müsse ein gesondertes Förderprogramm für den Kleingartenabriss auflegen. Die Kriterien der Städtebauförderung würden für viele Kleingärten nicht greifen. Denn jede zweite Parzelle stehe nicht auf kommunalem Boden. Andererseits könnten die Kommunen oft nicht den nötigen finanziellen Eigenanteil für die Förderung aufbringen.

Korte will das Thema deshalb parteiübergreifend in Berlin anschieben. "Wir als Linke werden einen Antrag einbringen, einen Ausschuss im Bundestag für die strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland einzusetzen. Das wäre dann der optimale Ausschuss, um solche Fragen, die besonders Ostdeutschland betreffen, zu diskutieren. Und dann auch mit Abgeordneten, die da herkommen und sich dafür interessieren."

Wie Vereine sich selbst helfen

Auf die Politik setzt Andreas Dümmler schon lange nicht mehr. Der Vorsitzende der Gartenfreunde Mansfelder Land/Eisleben hat ebenfalls mit Leerstand zu kämpfen. Jeder dritte Kleingarten sei dort leer. Den Abriss organisiert Dümmler mit seinen Mitgliedern seit zwei Jahren in Eigenregie. Und zwar solidarisch. "Da sagten wir, liebe Leute, lasst uns einen Fonds gründen, wo jeder, der einen Garten hat, zwei Cent pro Quadratmeter reingibt. Das wird ein Rückbaufonds. Damit unterstützen wir solchen Vereine, die wirtschaftlich nicht in der Lage sind bzw. Leute, die finanziell nicht in der Lage sind, um den Rückbau zu betreiben."

Der Pächter eines Kleingartens mit beispielsweise 200 Quadratmetern Fläche zahle pro Jahr vier Euro in diesen Fonds. Insgesamt seien immer zwischen 15.000 und 20.000 Euro im Topf. Damit könnten die Gartenfreunde jährlich rund 50 Gärten abreißen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Dezember 2017 | 06:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Dezember 2017, 09:58 Uhr

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12 Kommentare

01.01.2018 12:37 Pattel 12

Los Leute zurück nach früher.......
Ich kann es nicht mehr lesennnnnn

01.01.2018 10:32 Frederic 11

@ N°9- Groni, Muss sagen, eine seltsame Auffassung haben Sie. Aber typisch für die HEUTIGE Zeit. Früher hat der Bauer seinen Misthaufen auf den Acker gebracht Katoffeln, Rüben etc. gab es in Fülle. Früher wurden aus Runkelrüben - zu bestimmten Zeiten Köpfe, Masken gemacht. Wo gibt es diese Rüben HEUTE ?? Alles war Gesund und nahrhaft, Kartoffel schmeckten nach Kartoffel, aber wo gibt es die HEUTE. SchlafenSie ruhig weiter ver- nichten Sie die Umwelt, - mit Ihrem KUNSTDÜNGER.
Adieu du schöne, heile Welt.

01.01.2018 02:13 Reiner Wahnsinn 10

@Hamburger: Selbstverständlich liegt es im Osten an der Arbeit, daß niemand eine Parzelle will. Der eine Teil der Jugend pendelt nach Westen wegen der Arbeit, der andere Teil arbeitet sich blöde und verdient nichts dabei. Und die Alten krauchen bis zum Tod in ihrem Kleingarten rum, weil, verschenken wollen sie Ihre Investitionen und jahrelange Arbeit in diesen auch nicht so ohne weiteres. Gesundes Neues usw.

31.12.2017 21:45 Groni 9

Frederic-ein Naturdüngerfan. Wie nehmen denn Ihre Pflanzen den Dünger auf, in Form von Gülle oder Stallmist? Meine Pflanzen nehmen den Dünger mineralisiert in ionenform auf. Der mineralische Dünger (Kunstdung) wird ihnen mengen- und zeitgemäß zugeführt (gestreut). Der Boden erhält sein organische Substanz durch Zwischenfrucht. Gibt es mehr Bio. Jedenfalls ist das besserer kontrollierter Anbau, als von jenen, die unkontrolliert Nährstoffe in Form von Jauche und Mist ausbringen, die und der hochbelastet sein können.

31.12.2017 19:12 Alf 8

@ Hamburger: Stimmt, wobei man aber auch die Verteilung beachten muss. Bezogen auf die Bevölkerung gibt es in den NBL viel mehr Kleingärten, allein Sachsen stellt rund ein Fünftel aller organisierten Kleingärtner und Parzellen. Woher bitte kommt die Angabe "ein Drittel" brachliegender Kleingärten?

31.12.2017 17:59 Hamburger 7

@Fragender Rentner:

Ja, das muss auf jeden Fall an Arbeit und anderem liegen. Deswegen liegt auch ein Drittel der Kleingärten im Osten brach, während sich die Bewerber im Westen auf Wartelisten drängen. Und nun warten wir auf den Shitstorm.

31.12.2017 16:32 DieMaskenFallen 6

Wenn der Euro crasht mitsamt dem höchst fragilen Finanzsystem, wird "Bingo" ganz schnell zu den Hungernden gehören...nur gibts dann niemanden mehr, auch keinen sozialistischen Umverteilungsstaat, der Leuten wie "Bingo" das Auskommen von dem Geld anderer sichert. Es wird einen Boom der Schrebergärten geben...wie immer in zeiten der Not und des Massenhungers! 100 Jahre Sozialismus sind wahrlich genug, zuviele werden durchgeschleift auf Kosten der immer weniger werdenden Nettoleistungserbringer. Glauben Sie nicht? Abwarten. Nicht OB, nur WANN der Schuldgeldladen zusammenkracht ist die alleinige Frage! Die "Bingos" unserer Gesellschaft werden diese Lektion ganz schnell lernen.... ;-) Guten Rutsch... in ein neues Zeitalter!

31.12.2017 16:16 Atze 5

Abrisskosten kann er Staat nicht tragen, aber sonst sind wir ja so reich...

31.12.2017 16:16 Fragender Rentner 4

Von unseren Neubürgern will wohl keiner einen Kleingarten haben?

Hoffe doch nicht, dass das mit etwas Arbeit oder Anderem zusammen hängt?

31.12.2017 16:00 Frederic 3

Gewiss - ein Garten oder Kleingarten ist Heute bei der Fülle, mit Chemie zum Wachsen getriebenen Gemüse, in den Geschäften nicht mehr gefragt ! Für Menschen, welche denken können, ist der EIGENE GARTEN immer von Vorteile, weil das Gemüse, wenn mit Nuturdünger gedüngt wird, - nicht belastet ist wie der Müll aus dem Supermarkt. Heute muss das Gemüse, das Vieh schneller wachsen - um zum BALDIGEN VERZEHR gebraucht wird. Dass aber jeden Jahr Mio. Tonnen Gemüse und Fleisch im Abfall landen juckt die Erzeuger nicht
Wenn zu lesen, "aus biologischem Anbau" kann man sich den Bauchhalten vor LACHEN, denn wo wird HEUTE noch Naturdünger angewendet ??
Naturdünger ist, Stallmist, Jauche etc. Aber kein Calie, - Chemiedünger!!