Mädchen raucht Wasserpfeife in einer Shisha-Bar
Was Shisha-Konsumenten oft nicht wissen: In der Luft der Bars schlummert ein großes Risiko. Bildrechte: IMAGO

Gefährlich und geruchlos Ärztekammer fordert Kohlenmonoxid-Melder in Shisha-Bars

Der Tabak aus orientalischen Wasserpfeifen schmeckt nach Erdbeere, Vanille und Melone. Das Rauchen in den meist kleinen Bars liegt im Trend. Was Konsumenten aber oft nicht wissen: In der Luft schlummert ein Risiko – Kohlenmonoxid. Erst vor wenigen Wochen zogen sich zwei Frauen in Krefeld eine Kohlenmonoxidvergiftung zu. Inzwischen fordert die Ärztekammer Nordrhein-Westfalen verpflichtend Kohlenmonoxid-Melder in Shisha-Bars.

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Mädchen raucht Wasserpfeife in einer Shisha-Bar
Was Shisha-Konsumenten oft nicht wissen: In der Luft der Bars schlummert ein großes Risiko. Bildrechte: IMAGO

Am Nachmittag ist das "Prestige", Shisha- und Cocktail-Bar in Halle, ganz leer. Nur ein Gast hat sich auf den hintersten Platz der langen, dunklen Sofareihe an der Fensterseite gesetzt. In der Hand hält er eine Art Schlauch, verbunden mit einer Wasserpfeife. Besitzer Nico Has erklärt, wie Shisha geraucht wird: "Wir haben den Tonkopf oben. Dort wird unser Tabak reingemacht, der nebenbei gesagt eine sehr hohe Qualität hat. Dann kommt ein Sieb dazwischen und darauf die Kohle, die den Tabak warm macht. Dadurch entsteht der Rauch."

Pfeifentabak liegt im Trend

Während der herkömmliche Tabakkonsum seit Jahren sinkt, stieg der Verkauf von Pfeifentabak, also auch Shisha-Tabak, laut Statistischem Bundesamt zwischen 2015 und 2016 um mehr als 42 Prozent an. Dabei sind Wasserpfeifen kaum weniger gefährlich als Zigaretten. Und vor allem brächten sie noch ein anderes Problem mit, sagt Dr. Gesine Liebetrau vom Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen:

Das Problem in der Shisha ist die Kohle, sie ist wie ein Holzkohlegrill. Das Kohlestück ist zwar kleiner, aber es kommt auf die Anzahl der Shishas im Raum an. Bei vollständiger Verbrennung der Kohle passiert in der Regel nichts. Verbrennt sie unvollständig, entsteht wegen des fehlenden Sauerstoffs Kohlenmonoxid.

Dr. Gesine Liebetrau, Giftinformationszentrum

Ist der Raum, in dem geraucht wird, klein und schlecht gelüftet, kann das gefährlich werden. Im "Prestige" ziehen sich deswegen dicke Röhren die Decke entlang. "Die Lüftung", erklärt Besitzer Nico Has: "Sinn und Zweck ist es, dass der Rauch komplett abgezogen wird. Wenn alle qualmen, ist innerhalb weniger Minuten alles weg."

Was Kohlenmonoxid-Melder bringen

Das ist nicht in allen Shisha-Bars so. Wo das Kohlenmonoxid nicht entweichen kann, bindet es sich an den roten Blutfarbstoff. Der Körper kann bei zu hoher Konzentration nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. In manchen Fällen werden die Betroffenen bewusstlos. Die ersten Symptome sind aber eher unauffällig: Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit. Symptome, die mit zu viel Alkohol erklärt werden könnten. Ein unauffälliges Gift, sagt Dr. Gesine Liebetrau. Sie schließt sich deshalb den Forderungen der Landesärztekammer Nordrhein-Westfalen an: Kohlenmonoxid-Melder sollten in Shisha-Bars Pflicht werden.

Kohlenmonoxid ist geruchlos und die Symptome sind am Anfang Allerweltssymptome. Man merkt nicht, wie man sich vergiftet. Bei Kohlenmonoxidvergiftungen sind die Betroffenen in vielen Fällen einfach plötzlich tot. Deswegen sind solche Melder wichtig.

Dr. Gesine Liebetrau, Giftinformationszentrum

Spätfolgen und hohe Dunkelziffer

Die Tücke, auch bei leichten Kohlenmonoxidvergiftungen, liegt in den Langzeitschäden. Die treten erst nach Wochen ein, zum Beispiel mit schweren Schäden an Herz und Nervensystem. Eine Kohlenmonoxidvergiftung dann noch als Ursache zu erkennen, ist eine schwierige Aufgabe für den behandelnden Arzt. Zudem wissen viele Mediziner nicht, dass Kohlenmonoxidvergiftungen meldepflichtig sind. So sind dem Bundesinstitut für Risikobewertung für 2017 bis jetzt lediglich fünf Vergiftungen bekannt. Die Dunkelziffer dürfte aber sehr viel höher liegen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.11.2017 | 05:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2017, 14:53 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

24.11.2017 23:04 NRW-Wessi 3

Da ich noch nie in einer Sisha-Bar war, kann ich die dortige CO-Kenzentration nicht beurteilen.
Für besonders wichtig halte ich es jedoch, CO-Warner verpflichtend in Häuser und Wohnungen zu installieren, in denen sich ältere Gas-Heizgeräte im Wohnbereich befinden, die im Fehlerfall so lange CO an die Raumluft abgeben, bis es zu spät oder fast zu spät ist.
Immer wieder liest man Berichte von Todesfällen, die im Zusammenhang mit defekten Gasthermen stehen.
In jedem Baumarkt sind die Warn-Geräte zu bekommen. Was sind alle ca. 7 Jahre 30 - 50€, wenn sich dadurch der Aufenthalt in einer Druckkammer oder sogar der Tod vermeiden lässt?

24.11.2017 16:33 Blücher 2

Dieser neumodische Unsinn , welcher nicht aus deutschen Kulturkreis stammt, sollte abgeschafft, bzw. diese Bars geschlossen werden.

Wir wissen ja alle von wo aus dieser Unsinn zu uns geschwappt ist.

24.11.2017 15:59 Fragender Rentner 1

Immer haben die etwas gegen die Raucher.