Kreidezähne eines Kindes
"Kreidezähne": bräunlich verfärbt und sehr zerbrechlich. Bildrechte: dpa

Zahnärzte schlagen Alarm Immer mehr "Kreidezähne" bei Kindern

Zahnärzte in Deutschland sorgen sich um die Zähne von Kindern. Das Problem ist ausnahmsweise nicht die Karies, sondern eine neue Zahnschmelz-Erkrankung: sogenannte Kreidezähne. Was genau heißt das, wo kommt das plötzlich her und was können Sie dagegen tun?

von Tim Diekmann, ARD-Hauptstadtstudio

Kreidezähne eines Kindes
"Kreidezähne": bräunlich verfärbt und sehr zerbrechlich. Bildrechte: dpa

Die Zähne sehen aus, wie von Karies befallen: gelb-braun, manchmal fast schwarz. Der Zahnschmelz ist weich, kauen tut den Kindern weh. Manchmal brechen sogar ganze Stücke vom Zahn ab. Das Schlimme ist: Zähneputzen kann die "Kreidezähne" nicht verhindern. Die Zähne kommen schon kaputt aus dem Kiefer.

Jeder dritte Zwölfjährige

Immer mehr Kinder leiden an "Kreidezähnen" oder - wie die Erkrankung im Fachjargon heißt - an "Molarer-Inzisiver-Hypomineralisation" (MIH).

Die MIH ist mittlerweile als Volkskrankheit einzustufen. Wir sehen einen rasanten Anstieg der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Bei den Zwölfjährigen sind 30 Prozent betroffen.

Professor Michael Walter, Uniklinik Dresden

Jedes dritte Kind im Alter von zwölf Jahren leidet an "Kreidezähnen" und den schmerzhaften Folgen. Insgesamt ist jedes zehnte Kind betroffen – Tendenz steigend. Das sagen die Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Ihre neuesten Forschungsergebnisse haben sie gerade in Berlin vorgestellt.

Weichmacher im Plastik als Ursache

Professor Norbert Krämer von der Uniklinik Gießen macht die Entwicklung Sorgen. "Wir wissen viel zu wenig über die Ursachen. Eine Ursache, die in einem sehr aufwendigen Tierversuch mit Ratten nachgewiesen worden ist, sind Weichmacher, die wir in vielen Produkten haben. In Lebensmitteln, die in Plastik eingeschweißt sind, sind jede Menge Weichmacher."

Die Zahnmediziner vermuten: Wer als Säugling oder Kind viel Kontakt mit Weichmachern hat, kann an "Kreidezähnen" erkranken. Denn die Studie mit den Ratten hat ergeben: Weichmacher schädigen den Zahnschmelz. "Aber das ist nur die Spitze des Eisberges", sagt Zahnarzt Krämer. "Es können viele Dinge die Schmelzbildung beeinträchtigen."

Was hilft?

Aber was tun, wenn das Kind an "Kreidezähnen" leidet? Heilen kann man das nicht, helfen hingegen schon: Zahnärzte füllen die betroffenen Zähne mit Kunststoff oder Keramik auf. Das nimmt die Schmerzen und die Kinder können wieder kräftig zubeißen. Ansonsten helfen Zahnpasten mit Fluorid, weil sie den Zahnschmelz stärken, sagt Zahnarzt Krämer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Mai 2018 | 16:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2018, 18:43 Uhr

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9 Kommentare

25.05.2018 19:28 Atze 9

Noch vor 25 Jahren hatten manche Kleinkinder, die vor allem den ganzen Tag Fruchtlimonaden getrunken haben, manchmal völlig schwarze, wie verfault aussehende, Zähne. Damals sollte man nicht so viel Säfte geben.
Jetzt wird es noch verrückter. Unsere Kinder und Enkel haben prima Zähne. Meine Eltern waren immer für richtige Mühe beim Kauen. Auch mal einen Langen Brot knabbern usw. Gesundes Obst, Essen kochen und nicht soviel Süssigkeiten. Am Besten im Garten viel selbst anbauen. Macht Spass und zurück zur Natur. Kinder dürfen auch nicht alles essen und trinken was sie eben mal wollen. Da wird's doch schon bei vielen jungen Eltern kritisch.Oder? MfG

25.05.2018 19:23 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 8

Man kann Verschiedenes machen, um Plastikverpackungen aus dem Weg zu gehen. Ein praktikabler Weg ist z.B., Verpackungen selbst mitzubringen, um diese an der Fleisch-/Käsetheke füllen zu lassen. Weitere wären, Getränke nicht in Plastikgefäßen zu kaufen, statt einem Schokoriegel (eingepackt in Plastik) einen Apfel (ohne Plastikverpackung) zu kaufen etc. pp..

Aber man kann natürlich auch den 'einfachen' Weg gehen und die Meere weiterhin mit Plastik verschmutzen und mit weichen Zähnen herumlaufen.

25.05.2018 11:56 Blumenfreund 7

Das sind die typischen demokratischen Degenerations-Erscheinungen. Leider nicht nur bei diesem Thema. Das Volk steht überhaupt nicht im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern der Provit.

25.05.2018 11:24 Happydiner 6

Zu Jens: Hat es die Mutter mal mit Stillen versucht?
Viele Mütter haben Ausreden, nicht stillen zu können. Gestillte Kinder haben viele Krankheiten nicht. Vielleicht auch gesündere Zähne ....

25.05.2018 11:20 Happydiner 5

Meine Schwiegertochter steht auf Adidas. Diese Schuhe sind Plastik pur. Sie kauft Gurken nur eingeschweißt. Die Nuckel waren alle ein Markenprodukt. Windeln waschen? Dann doch lieber die aus Kunststoff. Frisch selbst kochen - Nein, ne eingeschweißte Pizza tut's auch, uvm.

25.05.2018 08:34 Kathrin 4

Der Fluch der Industrialisierung… ich denke auch, man muss das große Ganze betrachten und unsere Welt braucht echt kein Plastik! Es sind nicht nur die Zähne unserer Kids belastet...

24.05.2018 23:33 Jens 3

Ein deutliches Beispiel für die Skrupellosigkeit der Industrie und der politischen Entscheider ! Oberflächlich "geprüfte" chemische Verbindungen werden immer massiver eingesetzt, erst wenn die Schäden nicht mehr zu verheimlichen sind wird evtl. begrenzt und verboten. Bei den BPA-haltigen Babyflaschen hat das Verbot Jahre auf sich warten lassen. Und unser erstes Kind hat derweil fleißig aus solchen chemischen "Zeitbomben" getrunken - hergestellt von der ach so kinderfreundlichen Firma NUK! Solange die Politik kein Verbot beschließt werden Warnungen ignoriert und fleißig weiterproduziert. Das ist die verantwortungslose Geldgier dieser Gesellschaft.
Leute, wacht auf !!! Eure Kaufentscheidung hat den stärksten Einfluß auf diese Welt.
Stellt Euch vor es gibt Kunststoffgetränkeflaschen und keiner kauft sie...

24.05.2018 21:38 Sabrina 2

Man sollte mal auf Stoffe untersuchen, die in Impfungen enthalten sind, zum Beispiel das Adjuvans Aluminiumhydroxid.

Ebenfalls sollte man sich mal die vielen Haut- und Sonnencremes anschauen, insbesondere die mit Liposomen. Gerade wenn Kinder im Sommer jeden Tag dieses Zeug auf die Haut am ganzen Körper aufgetragen bekommen, dann muss man davon ausgehen, dass das natürlich in den Körper geht.

Auch DEOs gelten als bedenklich und werden als Brustkrebsursache verdächtigt.

Dann sollte man auch die Zähne nicht isoliert betrachten, sondern den Körper insgesamt. Denn das ist garantiert keine nur auf Zähne beschränkte Erkrankung.

Wir haben jetzt 16% Kassenbeiträge __ ohne IGEL __ ohne Zuzahlungen __ Ohne den Forschungsetat __ ohne die sonstigen in der Apotheke und beim Arzt gekauften Sachen.

Dort ist die Ursache zu suchen.

24.05.2018 19:55 Fragender Rentner 1

Liegt bestimmt an der "gesunden Nahrung" die wir überall bekommen? :-(

z.B. gesunde Fruchtwasser usw. ! :-(