Drohnenaufnahme des Dom St. Peter und Paul in Naumburg an der Saale am 12.04.2018.
Im Schatten des Naumburger Doms spielten sich vor nicht all zu langer Zeit noch kriminelle Szenen ab. Bildrechte: imago/epd

Sicherheit Clan-Kriminalität in Naumburg?

Mit spektakulären Raubüberfällen, Waffen- oder Drogenhandel machen sie von sich reden - kriminelle Clans in Deutschland. Bekannt sind Fälle in Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Bremen. Aber auch in Naumburg in Sachsen-Anhalt geriet eine Familie aus Syrien in die Schlagzeilen: Zuletzt, weil drei ihrer Mitglieder in Essen vor Gericht sitzen. Sie sollen an einem Ehrenmord beteiligt gewesen sein.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Drohnenaufnahme des Dom St. Peter und Paul in Naumburg an der Saale am 12.04.2018.
Im Schatten des Naumburger Doms spielten sich vor nicht all zu langer Zeit noch kriminelle Szenen ab. Bildrechte: imago/epd

Naumburg ganz im Süden von Sachsen-Anhalt ist mit seinem Weltkulturerbe, dem Naumburger Dom, eine echter Touristenmagnet. 35.000 Einwohner, malerische Gassen, wunderschönes Umland. Immer mal wieder bekommt die Stadt aber ungewollte Aufmerksamkeit, weil sich hier eine syrische Familie niedergelassen hat, die vor rund eineinhalb Jahren für Schlagzeilen sorgte.

Mitglieder der Familie sollen die Polizei so bedrängt haben, dass die Beamten sich zurückzogen. Kurz darauf verstärkte der Innenminister gewerbliche Kontrollen und die Polizei in Naumburg.

Der SPD-Stadtrat Uwe Droese erinnert sich, dass die Streifenwagen zu dieser Zeit "um die Schwerpunkte herum auf und ab gefahren sind". Teilweise habe er "innerhalb von einer halben Stunde 20 vorbei fahrende Polizeiautos gezählt". Die Polizei sei zu dieser Zeit "schon sehr fleißig" gewesen.

Situation hat sich beruhigt

Seitdem ist es laut Droese ruhig geworden. Sein Stadtratskollege Daniel Sturm von der CDU, der auch im Landtag sitzt, pflichtet ihm bei.

Eigentlich kriegt man jetzt nichts mehr mit. Es hat sich komplett beruhigt.

Daniel Sturm, Abgeordneter der CDU im Naumburger Stadtrat

Auch im Innenministerium sieht man die Situation entspannt. Nach Meinung von Minister Holger Stahlknecht ist Clan-Kriminalität in Sachsen-Anhalt überhaupt kein Kriminalitätsschwerpunkt.

Im speziellen Fall in Naumburg ging es um sieben Beschuldigte. Wenn es nach Stahlknecht geht, ist das zu wenig, um von einem verfestigten Clan zu sprechen. Er könne verstehen, dass das "aus der Betroffenheit der Bevölkerung schnell gesagt ist". Ein vorschnelles Handeln könne sich die Justiz aber deshalb nicht erlauben.

Clans nicht unterschätzen

Für den Clan-Experten Ralph Ghadbahn ist das nicht genug. Er warnt davor, die Clans zu unterschätzen. Mehr Polizei allein werde nicht reichen, sagt er. Am wichtigsten sei es, die Realität zu erkennen und zu erfassen. Dann könne man handeln und gezielt agieren.

Bis jetzt diskutiert man auf Bundesebene die Definition von Clan. Und das finde ich ein bisschen lächerlich.

Ralf Ghadbahn, Clan-Experte

Mit dem jetzigen Tempo können laut Ghadbahn höchstens in vier oder fünf Jahren Ergebnisse erzielt werden.

Integration ist das Stichwort

Auch beim Bund Deutscher Kriminalbeamter in Sachsen-Anhalt beobachtet man aufmerksam, was sich zum Thema Clan-Kriminalität im Land tut. Aktuell sei das überschaubar, sagt Peter Alexander Meißner, Landesvorsitzender des Verbandes.

Man dürfe sich keine Illusionen machen. Die Probleme, die es in Berlin schon gebe und die in Sachsen-Anhalt "vor der Tür stehen, werden nicht in zwei drei Jahren weg sein". Meißner erklärt weiter, dass die Probleme erst dann gelöst sein werden, wenn die betroffenen Personen vollständig in die Gesellschaft integriert worden sind. Dieser Prozess dauere viele Jahre und erfordere einen langen Atem seitens der Polizei und der Justiz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Februar 2019 | 06:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 06:50 Uhr

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70 Kommentare

14.02.2019 07:39 der_Silvio 70

@66 Eulenspiegel;
Das Problem der Bildung von Clans ist nich von gestern.
Über viele Jahre hinweg könnten sich solche Strukturen entwickeln - siehe Köln und Berlin. Auch in Naumburg gibt es das Problem schon länger.
Viel zu lange hat man diese kriminellen Leute gewähren lassen und ist mit verantwortlich, daß sich solche Strukturen überhaupt erst bilden konnten!

"ganz kleine Randerscheinung"
Und das ist entweder naiv oder der Versuch einer neuerlichen Relativierung.

13.02.2019 21:14 konstanze 69

Vorschlag: Im Gemeinderat Naumburg gibt es insg. 33 Gemeinderäte der CDUSPDGrüneLinke. Sie sollen Patenschaften, bzw. persönliche Verantwortung, für die jungen Clanmitglieder übernehmen, ggf. in ihren Häusern, ihren Familien, um zu integrieren. Die schaffen das !

13.02.2019 21:09 konstanze 68

Integration ? Erziehen ? Wer denn und Wovor sollen die jungen Männer sich denn fürchten ? Schließlich sind sie es doch, die Furcht verbreiten. Ihre Lehrer gehen ihnen aus dem Weg, ebenso wie die Mitarbeiter in den Behörden. Und vor Gericht haben sie auch nichts zu befürchten. Warum also, sollten sie ihr Verhalten denn ändern ? Ich konnte es in Bremen, Berlin, Essen .. sehen. Ich will es hier nicht. Darum wähle ich die AfD. Sie haben einen großen Verbündeten: die Wirklichkeit

13.02.2019 20:44 Freiheit 67

13.02.2019 18:32 Eulenspiegel---"Und das muss man natürlich auch sehen des unter den ganzen Kriminalitätsformen die wir in unserem Land haben diese Clan-Kriminalität eben nur eine ganz kleine Randerscheinung ist."--- Ist das Unwissenheit, oder Naivität?

13.02.2019 18:32 Eulenspiegel 66

Hier eine klare Aussage von mir:
Ich verurteile alle Arten der Kriminalität. Das heißt unter anderem natürlich auch die Clan-Kriminalität. Und das muss man natürlich auch sehen des unter den ganzen Kriminalitätsformen die wir in unserem Land haben diese Clan-Kriminalität eben nur eine ganz kleine Randerscheinung ist.

13.02.2019 18:08 Axel an Menthox (64) 65

Sie unterliegen in Ihrer Argumentation einem kleinen Denkfehler.
Fragen Sie sich wie solche Strukturen sich überhaupt etablieren können. Ohne die 'Unterstützung' Einheimischer wohl kaum und sei es nur dadurch, das solche Strukturen jahrelang im Kleinen 'unterm Radar' liefen und von Landes- und Kommunalpolitik ignoriert wurden. Von tätiger Mithilfe und Mitwisserschaft habe ich keine Kenntnis.

13.02.2019 17:20 Menthox 64

Es reicht vollkommen zu, wenn derartige Personenkreise im alten Teil der Bundesrepublik ihren "Geschäften" nachgehen. Der Osten wird sich wohl zu helfen wissen - egal mit welch unorthodoxen Mitteln dies geschieht. Unsere gewählten Volksvertreter hatten jahrelang die Chance dazu, an diesen Zuständen etwas zu korrigieren. Aber wenn es soweit ist, bitte keine K(G)rokodilstränen vergießen.
So, nun nochmal den Leichtmetallhut vom Haken genommen:
Man wird den Eindruck nicht los, daß diese zukünftigen Ereignisse womöglich alle "von oben" so gewollt sind....

13.02.2019 16:13 Freiheit 63

13.02.2019 13:39 Eulenspiegel "Jetzt haben wir das Problem erkannt. Und jetzt kommt die Lösung."---Nee, is klar! Diese Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt! Welche Lösung gibt es denn jetzt so plötzlich?

13.02.2019 15:54 Reiner 62

Wie bestellt so geliefert.
Darf jeder zur nächsten Wahl gehen und das richtige wählen.

13.02.2019 14:27 Bürger 61

Genau Eulenspiegel und genau deshalb sollen diese Clans sich dort hin scheren wo ihre Wurzeln sind, die haben in unseren Land nichts zu suchen, weg damit.