Eine junge Frau hält die Hände einer alten Frau, die in einem Rollstuhl in einem Seniorenheim sitzt.
Auch in der Kurzzeitpflege ist der Pflegenotstand zu spüren. Bildrechte: dpa

Gesundheitswesen Zu wenig Plätze in der Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege soll Menschen in Krisensituationen helfen, beispielsweise wenn sie aus dem Krankenhaus kommen und noch nicht wieder zu Hause leben können. Oder wenn sie normalerweise zu Hause gepflegt werden und die Angehörigen dringend mal eine Pause brauchen. Theoretisch können sie dann für bis zu acht Wochen pro Jahr in einem Pflegeheim unterkommen. In der Praxis ist es aber oft schwierig, einen Platz zu bekommen.

von Mareike Wiemann, MDR AKTUELL

Eine junge Frau hält die Hände einer alten Frau, die in einem Rollstuhl in einem Seniorenheim sitzt.
Auch in der Kurzzeitpflege ist der Pflegenotstand zu spüren. Bildrechte: dpa

Das Emmaus-Pflegeheim im Leipziger Osten. Suse Döring sitzt in ihrem Zimmer in der Kurzzeitpflege und blickt bedächtig auf das Schneetreiben vor ihrem Fenster. "Ich find's hier eigentlich sehr schön", sagt die 92-Jährige. "Na ja, der Ausblick ist nicht gerade umwerfend, aber man gewöhnt sich dran. Und ich habe alles, was ich brauche."

Lange Wartezeiten für Patienten

Seit Mitte Dezember lebt Döring nun schon in einem der zwölf Kurzzeitpflegezimmer. Nach einem Krankenhausaufenthalt kam sie hierher. Bleiben wird sie wohl, bis ihre Töchter einen dauerhaften Heimplatz für sie gefunden haben.

Dass sie über die Feiertage untergekommen ist, war gar nicht so selbstverständlich, erklärt Heimleiter Mario Weise: "Gerade in der Urlaubszeit sind wir komplett ausgelastet. Da müssen sich Interessenten auch mal vier Monate vorher melden." Außerhalb der Urlaubszeit könne man mit einer Wartezeit von zwei Monaten rechnen.

Kurzzeitpflege lohnt nicht

Die zwölf Kurzzeitpflegeplätze im Emmaus gibt es, weil der Bau damals gefördert und dies an entsprechende Bedingungen geknüpft wurde. Vor einigen Jahren gab es in weiteren Einrichtungen des Trägers, den diakonischen Diensten Leipzig, noch weitere Plätze. Diese wurden aber in reguläre Pflegeplätze umgewandelt.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht rechne sich die Kurzzeitpflege für viele Einrichtungen einfach nicht, erklärt Weise. Denn die Plätze seien ja nie dauerhaft belegt. "Diese Lücken kriegt man halt nicht raus." Im Emmaus liege die Auslastung bei etwa 90 Prozent. "Aber man muss trotzdem hundert Prozent Personal vorhalten."

Zahlen belegen Platzmangel

Dass die Kurzzeitpflege unattraktiv ist, sieht man auch an den Zahlen. Während sich laut Statistischem Landesamt die Zahl der regulären Pflegeplätze in Sachsen zwischen 2001 und 2015 um fast 50 Prozent erhöht hat, ist die Zahl der Kurzzeitpflegeplätze nicht einmal um zwei Prozent gewachsen.

Den daraus resultierenden Mangel bemerkt Annette Schwarz vom Krankenhaussozialdienst St. Elisabeth in Leipzig jeden Tag. Ihr Job ist es, den Patienten Plätze in der Kurzzeitpflege zu organisieren. In Leipzig gebe es davon definitiv zu wenig. Laut Schwarz ist es schwieriger, einen Kurzzeitplatz zu finden als einen Heimplatz.

Es gibt viele gute Heime, von denen wir uns wünschen würden, dass sie auch Kurzzeitpflege anbieten.

Annette Schwarz, St. Elisabeth-Krankenhaus

Keine Veränderung in Sicht

Letzten Endes klappe es mit viel Telefoniererei immer, einen Platz zu finden, meint Schwarz. Allerdings müssten Patienten manchmal länger im Krankenhaus bleiben, bis es so weit sei. "Dafür, dass es eine Großstadt ist, sind wir immer noch gut bestückt. Im ländlichen Bereich ist das noch schwieriger. In den kleinen Städten Sachsens, Zwickau zum Beispiel, wird die Versorgung immer schwieriger."

Schwarz hofft, dass sich hier bald etwas ändert. Das Sächsische Sozialministerium erklärte derweil auf Nachfrage von MDR AKTUELL, man habe weder Erkenntnisse zur Nachfrage von Kurzzeitpflegeplätzen im Freistaat noch zum Bedarf. Anträge auf Pflegeleistungen seien bei der zuständigen Pflegekasse zu führen. Das Ministerium sei an diesem Verfahren nicht beteiligt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

11.01.2019 14:34 Franzi 3

@ 2 es kommt stark darauf an was man für eine Krankheit hat bei der Einlieferung in einer Kurzzeitpflege, dazu will der Kretschmer noch mehr Pflegegeld für diese leute in den Pflegeheimen haben z. B. dazu Pflegegrad 1 mit Hauswirtschaftshilfe wollen die Pflegedienste oder Diestleisungsuntern. einen Stundenlohn von 30.- Euro und mehr haben das sind bei ca. 10 Stunden im Monat 300.- Euro soviel verdient kein Arbeiter für 10 Std. in der Wirtschaft und das ist total unverschämt, bei etwas Staubs. wischen u s w. die Pflegeheime/ Altersheime sind beschiessen z. B. ein Pflegeheim erhählt von der Pflegekasse bei Stufe 3 , 1.900.- Euro dazu von dem betreffenen seine gesamte Rente sowie wenn es immer noch nicht langt die Angeh. zur selbstbeteiligung dazu gezogen werden bei uns in so einem Heim kostet es 3. 1 0 0 .- Euro im Monat frechheit hoch drei, dann erhalten diese Leute mit Gebiss ohne Zähne ist logisch in dem alter ein hartes Schnitzel mittags,

10.01.2019 18:20 Udo K 2

Kurzzeitpflege lohnt nicht - damit ist doch schon alles gesagt.
Es besteht sehr viel Bedarf, die Entlohnung für solche Kurzzeitpflege ist sehr gut, da dürften wenige leere Tage doch wirklich nicht so schlimm sein.
@ Rita 1
Bitte nicht verallgemeinern.
Ich habe bessere Eindrücke gewinnen können, als meine Mutter in einem Pflegeheim einige Tage in Kurzzeitpflege und auch in stationärer Pflege war.
Meine Hochachtung gilt dem Pflegepersonal, das eine enorm schwere Arbeit trotzdem mit Hingabe geleistet hat.

10.01.2019 12:17 Rita 1

braucht man auch nicht unbedingt da diese meinen Ehem. trotz Hinweise am Anfangsgespräch aus dem Bett haben fallen lassen, danach hatte er 6 Wochen eine Hüftbrellung, er hatte einen schweren Schlaganfall und konnte sich am anfang noch etwas drehen im Bett, ich hätte ausrasten können und habe mir vorwürfe gemacht in dort 4 Wochen hinzugeben, gleichzeitig wurde mittags halb zwölf gegessen , und dreiviertel zwei saßen die Patienten schon wieder mit gesenkten Kopf ( weil diese noch total müde waren am Tisch zum Vesper , damit diese feinen Herrschaften von der Pflege abends mit Schlaftabl. 18. 00 Uhr wieder ihre ruhe hatten, nie wieder so etwas.Das ganze hat 1.600.- Euro von der Pflegekasse und extra noch 650.- Euro selbst anteil gekostet, sagenhaft die Leute dort beim Besuch haben mir leid getan. Er wurde von einem Lehrling rasiert eine tiefe wunde am Hals danach so geht man mit solchen Leuten um wer es nicht bringt kann man es solchen Patienten nicht noch dazu zumuten.