Ein Flugzeug überfliegt beim Landeanflug auf einen Flughafen Wohnhäuser
Flugzeug im Landeanflug über einem Wohngebiet (Symbolbild) Bildrechte: dpa

TU Dresden Forscher untersuchen Zusammenhang von Lärm und Demenz

Lärm macht krank. Herz und Kreislauf sind dabei besonders gefährdet. Das ist bekannt. Aber nun gibt es eine neue Befürchtung: Lärm könnte eine Ursache von Demenz sein. Forscher von der TU Dresden gehen dieser Vermutung nach.

Ein Flugzeug überfliegt beim Landeanflug auf einen Flughafen Wohnhäuser
Flugzeug im Landeanflug über einem Wohngebiet (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Kann Lärm tatsächlich zu Demenz führen? Antwort auf diese Frage sucht das Institut für Arbeits- und Sozialmedizin an der TU Dresden. Dafür wertet es große Datenmengen aus. Da sind zum einen Daten von knapp einer Million Menschen, die im Bereich des Frankfurter Flughafens leben. Krankenversicherungen haben das Material zur Verfügung gestellt. Zum anderen werden Erhebungen einer großen Leipziger Studie zu Zivilisationskrankheiten genutzt.

Projekt knüpft an frühere Untersuchungen an

Andreas Seidler leitet das Projekt, und er erklärt, die Demenz-Studie knüpfe an andere Untersuchungen zu Lärmfolgen an.

Wir wissen, dass Verkehrslärm Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben kann, dass bestimmte Hormone aktiviert, dass das sympathische Nervensystem aktiviert werden, und wir wissen, dass eine der beiden Hauptformen der Demenz unmittelbar mit Gefäßerkrankungen im Zusammenhang steht.

Andreas Seidler, TU Dresden

Tierversuche weisen auf mögliche Ursachen hin

Da geht es um die sogenannte vaskuläre Demenz, und es liegt nahe, dass die genauso mit Lärm zu tun hat wie andere Kreislauf-Erkrankungen. Daneben gibt es aber auch noch die Alzheimer-Krankheit. Hat die nichts mit Lärm zu tun? Möglicherweise doch, sagt der Mediziner von der TU Dresden. Die beiden Formen von Demenz seien nicht völlig zu trennen. Da gebe es auf der Ebene der Entstehung durchaus Überschneidungen, möglicherweise auch Zusammenhänge. Erste Tierversuche wiesen auch darauf hin, dass alzheimertypische Veränderungen im Gehirn durch Lärm verursacht werden könnten.

Untersuchung soll Vermutungen belegen

Bislang sind das aber nur medizinische Vermutungen. Im großen Maßstab wurde ein Zusammenhang bis jetzt nicht belegt. Ob es ihn gibt, soll jetzt untersucht werden, mit den Daten aus Frankfurt und Leipzig. Das Bundesumweltamt fördert die Untersuchung. Für Ergebnisse sei es noch ein bisschen früh, meint Seidler:

Allerdings  wissen wir aus den Frankfurter Daten, dass ein Zusammenhang zwischen Depression und Verkehrslärm zu sehen ist. Also der Zusammenhang zur Depression bestätigt sich. Zur Demenz können wir noch nichts sagen.

Andreas Seidler, TU Dresden

Fluglärm besonders gefährlich

Dafür können die Dresdner Forscher aber sagen, welche Formen von Lärm am gefährlichsten sind. Besonders krank macht demnach unregelmäßiger Lärm, mit deutlichen Spitzen, durch Flugzeuge zum Beispiel.

Also, wenn Personen sechs Mal pro Nacht einem bestimmten Maximalpegel durch Fluglärm ausgesetzt waren, dann fanden sich erhöhte Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch für Depressionen.

Andreas Seidler, TU Dresden

Und möglicherweise eben auch Demenz. Aber was wäre nun die Konsequenz? Gibt es Lärm, den man hinnehmen kann, weil er ungefährlich ist? Andreas Seidler zeigt sich skeptisch: Was die meisten Studien fänden, sei ein kontinuierlicher Anstieg des Krankheitsrisikos mit ansteigendem Lärm, ohne dass man wisse, wo wirklich das Null-Risiko liege. Das weise daraufhin, dass es nötig sei, immer möglichst wenig Lärm zu haben und die Grenzwerte niedrig zu halten.

Aber da geht der gute Rat des Arztes oft unter. In Leipzig zum Beispiel sind Nachtflüge ja ein wichtiger Standortfaktor.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Oktober 2018 | 16:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2018, 16:55 Uhr