Lebensmittel liegen in einer Mülltonne
Viele Lebensmittel landen in Deutschland im Müll, auch wenn sie noch gut sind. Bildrechte: dpa

WWF-Studie 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen im Müll

Jährlich werden 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland vernichtet, das ist ein Drittel der Produktion. Der WWF schlüsselt nun in einer Studie auf, wie die Bundesländer mit dem Problem umgehen. Während Sachsen als Vorreiter gilt, sind Thüringen und Sachsen-Anhalt Schlusslichter bei Maßnahmen gegen die Lebensmittelvernichtung.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Lebensmittel liegen in einer Mülltonne
Viele Lebensmittel landen in Deutschland im Müll, auch wenn sie noch gut sind. Bildrechte: dpa

Ein Drittel der deutschen Lebensmittelproduktion landet jedes Jahr im Müll. Umgerechnet auf Ackerfläche wären das 2,6 Millionen Hektar. Das entspricht ungefähr der Größe des Saarlandes. Über die Hälfte, rund zehn Millionen Tonnen, könnte man vermeiden.

Zum einen sind es Qualitätsstandards, zum Beispiel bei Gemüse, durch die Lebensmittel bereits ausgesondert werden, bevor sie in den Handel gelangen. Im Handel selbst bleibt weiter das Mindesthaltbarkeitsdatum das Problem. Die Umweltorganisation WWF plädiert wiederholt dafür, stattdessen auf den Verpackungen eine "Restlaufzeit" zu vermerken.

Hauptvernichter sind gewerbliche Anbieter

Über drei Jahre hat der WWF gemeinsam mit dem Institut für Nachhaltige Ernährung die Lebensmittelvernichtung in Deutschland und die Maßnahmen dagegen untersucht. Immerhin findet sich im neuen Koalitionsvertrag der Großen Koalition die Aufgabe für das Landwirtschaftsministerium, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen.

Für den WWF steht dabei aber oft zu sehr der private Verbraucher im Mittelpunkt. Viel wichtiger wäre es, die gewerblichen Lebensmittelnutzer in den Fokus zu nehmen, der für 60 Prozent der Lebensmittelvernichtung verantwortlich ist.

Hier ist es besonders die Außer-Haus-Verpflegung durch Großküchen, Restaurants, Hotels, Mensen oder Imbisse, wo Millionen Tonnen in den Abfall wandern. Silke Friedrich vom WWF fordert von diesen Anbietern mehr Flexibilität, zum Beispiel durch unterschiedliche Portionsgrößen oder bessere Beratung der Kunden.

Sachsen Vorreiter

In Mitteldeutschland ist das Bemühen, die Vernichtung von Lebensmitteln zu bekämpfen sehr unterschiedlich ausgeprägt: Laut Studie des WWF gilt das Bundesland Sachsen als Vorreiter. Vermeidung von Lebensmittelabfällen wird als Schwerpunkt im Abfallwirtschaftsplan von 2016 benannt.

Besonders gelobt wird die Initiative "Lebensmittel sind wertvoll" des christlich-sozialen Bildungswerkes, dass vor allem mit Aktionen und Kampagnen bei Kinder und Jugendlichen das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln stärkt. Außerdem wird mit dem Projekt "INTERREG Polen Sachsen" grenzüberschreitend für eine nachhaltige Ernährung geworben.

Sachsen-Anhalt und Thüringen Nachzügler

Dagegen gibt es in Sachsen-Anhalt und Thüringen lauf WWF noch keine Strategien gegen Lebensmittelvernichtung und auch kaum Aktivitäten zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

Bis 2030, so das Ziel der Vereinten Nationen, soll die Lebensmittelvernichtung um 50 Prozent gesenkt werden. Der WWF fordert deshalb von der Bundesregierung einen nationalen Aktionsplan mit konkreten Vorgaben, wieviel jedes Jahr weniger in der Tonne landen soll.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2018 | 17:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2018, 17:36 Uhr

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6 Kommentare

22.04.2018 10:16 Frank 6

Und diesem Wahnsinn setzen die politisch Verantwortlichen mit der EU-Subventionspolitik die Krone auf.

21.04.2018 14:51 Anmerkung 5

Vielleicht sollte man aufhören so viele XXL Packungen zu produzieren und zu Schnäppchenaktionen anbieten und dafür auch kleinere Packungen bringen für 1-2 Personenhaushalte. Warum muß bis zum Ladenschluß das volle Sortiment im Regal sein ? In vielen Restaurants könnten die Portionen auch variabler sein ,manchmal hat man Appetit auf etwas kleines , aber nichts ist auf der Karte zu finden .

21.04.2018 07:18 nilux 4

Seltsame Interpretation der Studie. Setzt man das Müllaufkommen in Sachsen ins Verhältnis zur Bevölkerung, dann steht es nicht besser da als Sachsen-Anhalt oder Thüringen. Und der Erfolg der angedachten Maßnahmen ist höchst zweifelhaft, eher Aktionismus.

21.04.2018 06:08 S 3

Das Wegwerfen von Lebensmitteln ist zwar unschön, aber nicht zu vermeiden. Schon aus gesundheitlichen Gründen würde ich das Wegwerfen bevorzugen, als etwas zu essen, was über Haltbarkeitsdatum ist.

20.04.2018 19:50 optinator 2

Die Lebensmittel wurden eh alle bezahlt durch die Preise.
Wär dem nicht so, jeder isst Alles was er kauft, es wird nur das Produziert was gekauft wird, gebe es mehr Arbeitslose.
Bei uns landet max. ein halbes Brötchen im Abfall, pro Monat. Mehr nicht.
Obst und Gemüse wird nur gekauft was wir auch essen.
So funktioniert KAPITALISMUS !
Kaufen was nicht benötigt wird und wegwerfen um wieder etwas zu kaufen.

20.04.2018 17:52 Morchelchen 1

So schlimm es ist - man stelle sich vor, das weg geworfene Essen wäre damals in den Mägen der bereits zu Übergewicht und Wohlstandskrankheiten neigenden Bevölkerung gelandet. Wo es bereits genug mahnende Stimmen gibt, hätten die Zeiger der Waagen noch weiter ausgeschlagen; was für ein Dilemma! Somit möchte ich leider lakonisch anmerken, dass es eine Wahl war und ist zwischen Pest und Cholera...