Fehlende Pädagogen Schulen holen Lehrer aus dem Ruhestand

Schule statt Rente - weil deutschlandweit Lehrer fehlen, holen die Länder teilweise Pädagogen aus dem Ruhestand zurück in den Job. In Sachsen gehen Lehrer häufiger sogar erst später in Rente als sie könnten.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Kerstin Barth ist vor zwei Jahren in Rente gegangen, mit 63. Trotzdem steht sie mittlerweile an einigen Nachmittagen wieder vor Fünft- und Sechstklässlern in der Helmholtz-Schule in Leipzig, um einen Keramikkurs zu geben. Hobby und Beruf gleichermaßen, sagt sie. Vor zwei Jahren, bei ihrem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Schuldienst, wurde sie von ihrer Schulleitung gefragt, wem man denn ihre Klasse "aufs Auge drücken" solle.

Ein Problem, vor dem viele Schulen stehen, sagt Roman Schulz, Sprecher des Landesamts für Schule und Bildung. Es würde einfach nicht immer passen, dass Grundschullehrer genau dann in Pension gehen, wenn die vierte Klasse rum sei. Oder Oberschullehrer, wenn Schüler der neunten oder zehnten Klasse ihre Prüfung hätten. "Und da war es eine Überlegung, ob sie nicht noch ein oder zwei Jahre dranhängen", erklärt Schulz.

Alte Pädagogen braucht das Land

Denn noch mangelt es an neuen Lehrern. Bis die nächsten starken Unijahrgänge kommen, muss auch Sachsen Zeit überbrücken. Um die älteren Pädagogen davon zu überzeugen, länger zu machen, werden sie seit 2017 entlastet. Sie müssen weniger Regelstunden unterrichten und nicht mit auf Klassenfahrten. Außerdem erhalten sie eine Bindungszulage von ca. 700 bis 800 Euro brutto mehr im Monat.


Laut Roman Schulz haben von dieser Zulagenzahlung bislang etwa 1.200 Lehrerinnen und Lehrer Gebrauch gemacht. Das entspreche 400 Lehrern mehr pro Schuljahr. In Sachsen-Anhalt können Lehrer den Ruhestand auch hinausschieben und bekommen dafür einen Zuschlag gezahlt. Trotzdem verlängerten seit 2017 nur ca. 80 Lehrer den Schuldienst. In Thüringen gibt es kein solches Anreizsystem für ältere Lehrer. Die Zahl derjenigen, die verlängern, ist deshalb laut den Schulämtern auch verschwindend gering.

Aufhören - Aber nicht ganz

Auch für die Leipziger Lehrerin Kerstin Barth kam es nicht infrage, den Ruhestand aufzuschieben. "Weil ich einfach für mich beschlossen habe, das Leben ist endlich, und ich habe so viele andere Interessen. Und das muss mir noch Vergnügen bereiten und so habe ich mich entschlossen aufzuhören, aber nicht ganz aufzuhören."

Barth arbeitet jetzt für 2,75 Stunden wöchentlich als Lehrerin im Trainingsraum, einem Angebot für Schüler, die häufig stören oder Regeln brechen. Ihr Keramikkurs gehört nicht zum Schulangebot, zählt also als anderer Zuverdienst. Beides will Kerstin Barth auch künftig noch weitermachen. Ihre früheren Fächer Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde unterrichtet sie aber ganz sicher nicht mehr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. März 2019 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 16:18 Uhr

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39 Kommentare

29.03.2019 21:22 Peter 39

@37 Atze: "Man hat das Gefühl alles ist aus den Fugen geraten."
Na mal ehrlich, ist das nicht ein wenig übertrienen.
Ein paar Lehrer arbeiten länger. Sie tun es aus freiem Willen. Sie tun das, weil sie gebraucht werden. Auch weil sie dafür recht gut entlohnt werden.
Wo ist das Problem?

29.03.2019 21:01 GRUEN UNSERE ZUKUNFT 38

@Atze 37 nach 30 Jahren etwas skuril aber besser als die sinnfreien ab #32
Zitat: Im April heißt es: Schnell Mütterrente beantragen! Es gibt Änderungen bei Mindestlöhnen und Beamtensold. In Stuttgart gilt das Diesel-Fahrverbot. Infos zu Schwangerschaftsabbrüchen werden legal. Aldi reduziert Plastik. Und Google stellt sein soziales Netzwerk ein.

29.03.2019 19:47 Atze 37

Das ist doch nur Lückenstopferei.
Es erinnert mich an die Endzeit der DDR.
Damals gingen Ende 89 von Ostberlin ein Teil der Lehrer sofort in den Westen. Hilfsbereite ehemalige Lehrer, die nicht mehr im Schuldienst waren, meldeten sich freiwillig und übernahmen den Unterricht an den Schulen mit. Es war leider nichts mehr zu retten. Die ganze Mühe, eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen, haben Leute ignoriert, weil sie die Westmark wollten.
Kein gutes Omen alles derzeit. Man hat das Gefühl alles ist aus den Fugen geraten. Traurig. MfG

29.03.2019 17:48 Sachse43 36

Wann werden die Politdarsteller für ihr Totalstversagen im schulischen Bereich endlich persönlich haftbar gemacht?
Nichts ist besser planbar als der schulische Sektor mit einer Vorlaufzeit von 5,6 Jahren.

29.03.2019 16:19 Axel an Sr.Raul (19) 35

Richtig!

Die Rente mit 80 oder 90 rückt immer näher. :-))))

29.03.2019 14:39 Mar Land 34

Es bleibt Tillichs Werk und Unlands Beitrag! Ausbaden dürfen diese schweren bildungspolitischen Fehler nun die alten Lehrer, aber für schönes Geld und vor allem die Mittelalten zwischen 43 und 65 (67) Jahren. Und das alles für Angestelltengehälter, die im Vergleich zu den neuen beamten Lehrern recht mager ausfallen, kein erweitertes Krankengeld für 52 Wochen (voller Lohn!), keine Chefarztbehandlung, keine dicke Beamtenpension. Die Dümmsten dabei sind die Lehrer im Gymnasium und Berufsschule. Die hat man im "Lehrerpaket" komplett vergessen. Die CDU Sachsen handelt weiterhin falsch! Schöne Landtagswahl wünsche ich!

29.03.2019 10:25 Reny 33

@ 2 3 blöder Kommentar nicht jeder ist auch gesund , gehe doch arbeiten bis du in die Kiste reinfällst würden wir dir raten, da scheinst du in deinem Beruf keinerlei ausgelastet zu sein,

29.03.2019 05:14 Atheist aus Mangel an Beweisen 32

Nach der Wende hat man Grundschullehrer und Hortnerin die Zulassung aberkannt.
Die mussten sich umschulen lassen, also nicht jammern.

28.03.2019 22:19 Agnostiker (an Sachse) 31

Nur zu bewerben Sie sich, die Chancen sind so gut wie nie. Dann können auch sie weit bis über die 67 arbeiten.

28.03.2019 18:31 Knut 30

Andere Lesart: Ich signalisiere mein angestrebtes Ausscheiden und werde mit Geld zum Bleiben überredet. (Wäre aber auch ohne Geld geblieben.) Wer denkt sich solche "Fangprämien" aus?