Prof. Dr. Armin Müller und Dr. Rainer Sennewald
Armin Müller von der Deutschen Lithium GmbH (links) ist überzeugt, dass sich der Lithium-Abbau im Erzgebirge lohnt. Bildrechte: dpa

Osterzgebirge Pläne für Lithium-Abbau nehmen Gestalt an

Lithium wird hauptsächlich für Akkus und Batterien benötigt. Lithium-Verbindungen dienen aber auch als Schmiermittel und Raketentreibstoff. Drei Länder decken derzeit 80 Prozent des weltweiten Bedarfs. Doch auch Sachsen will im Lithium-Markt mitmischen. Im Erzgebirge hat die Deutsche Lithium GmbH Vorräte erkundet und plant eine Wiederbelebung des Bergbaus. Das Unternehmen will nun über den Stand des Projekts informieren.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Prof. Dr. Armin Müller und Dr. Rainer Sennewald
Armin Müller von der Deutschen Lithium GmbH (links) ist überzeugt, dass sich der Lithium-Abbau im Erzgebirge lohnt. Bildrechte: dpa

Tief im Dunkeln hofft Armin Müller auf eine glänzende Zukunft. Der Geschäftsführer der Deutschen Lithium GmbH stapft durch den Tiefe-Bünau-Stollen im Osterzgebirge. Mit Stirnlampe geht es vorbei an feuchten Wänden und der Totenkammer für verunglückte Bergleute. Früher wurde hier Zinn gefördert. Müller hat es auf Lithium abgesehen, monatelang Proben analysiert.

Vor den Untersuchungen sei man von einem viel geringeren Vorkommen ausgegangen, erklärt Müller. "Bisher haben wir 96.000 Tonnen Lithium nachgewiesen." Jetzt weiß er: Im Berg liegen 125.000 Tonnen des begehrten Metalls.

Machbarkeitsstudie kommt

Müller will das Lithium abbauen. Bis März soll eine Machbarkeitsstudie fertig werden. Danach will er Geldgeber suchen. Nötig sind voraussichtlich 150 Millionen Euro. Maximal ein Jahr soll die Finanzierung dauern.

Wenn wir die Finanzierung aufgebaut haben, können wir mit dem ersten Spatenstich für Bergwerk und Aufbereitungsfabrik in Altenberg-Zinnwald sowie für die Chemiefabrik in Schwarzheide loslegen.

Armin Müller, Geschäftsführer Deutsche Lithium GmbH

Bedarf an Lithium wird steigen

Die Nachfrage nach Lithium steigt weltweit, sagt Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur. Vor allem wegen des Booms der Elektroautos werde immer mehr von dem Metall benötigt. Schmidt geht davon aus, dass sich Bedarf bis zum Jahr 2025 verdrei- oder gar vervierfacht, "von circa 30.000 Tonnen auf weit über 100.000 Tonnen Lithium-Metall".

Das muss allerdings nicht heißen, dass sich der Abbau auch in Sachsen lohnt. Denn traditionelle Abbauländer wie Chile, Argentinien und Australien weiten ihre Aktivitäten massiv aus. Laut Schmidt gebe es auch in Kanada, Afrika und Bolivien Versuche, "auf den Nachfragezug aufzuspringen. Wenn man das in Deutschland machen möchte, muss man sich ein bisschen sputen und sehen, dass man mit dem Abbau konkurrenzfähig ist."

Auch das Ökoinstitut hofft auf Abbau

Ob es sich lohnen kann, wird schon die Suche nach Investoren zeigen. Ideelle Unterstützer hat das Projekt genug – selbst von unerwarteter Seite. So hofft auch das Öko-Institut (ein privates Umweltforschungsinstitut) auf Lithium-Abbau in Deutschland. Wissenschaftlerin Doris Schüler argumentiert, dass dann Umweltstandards eingehalten würden. Käme das Lithium beispielsweise aus Südamerika, hätte sie Bedenken, "dass dort sensitive Ökosysteme geschädigt werden".

Der Bergbau in Südamerika soll von fast Null auf ein hohes Niveau gesteigert werden, weil die globale Nachfrage stark wächst. Und es ist zu befürchten, dass die Ökosysteme dort nicht ausreichend geschützt werden.

Doris Schüler, Öko-Institut e.V.

Bergbau muss in der Region gewollt sein

Auch Armin Müller von der Deutschen Lithium GmbH wirbt mit der Zuverlässigkeit, die ein sächsisches Projekt bieten würde. Bleibt die Frage, ob die Erzgebirgler wieder Bergbau wollen – in einer Touristenregion. Müller hat in Bürgerversammlungen vorgefühlt. Er sagt: Dank der Bergbau-Geschichte stünden die Leute dem Projekt aufgeschlossen gegenüber.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. November 2018 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2018, 08:35 Uhr

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14 Kommentare

23.11.2018 15:59 Ralf Richter 14

Es bleibt nur zu hoffen, daß die Politik bzgl. Umweltschutz und Rekultivierung entsprechend Vorsorge triftt. Sonst geht es uns wie bei andere Gelegenheit, daß die internat. Konzerne die Gewinne abschöpfen und der Steuerzahler auf den Folgekosten sitzen bleibt.

23.11.2018 10:36 Hans Frieder Leistner 13

Es ist doch klar. Kaum kommt irgend ein Projekt oder Gedanke an die Öffentlichkeit geht das Gejammere und die Schwarzmalerei los. Dabei gibt es den Bergbau im Erzgebirge seit zig Jahrhunderten. Die Bevölkerung lebte davon. Heute leben Millionen Menschen von der Elektronik, Kommunikationstechnik, auch das E-Auto soll ja kommen. Da braucht man diese Rohstoffe. Wer will denn auf sein Handy verzichten?

22.11.2018 16:37 lummox 12

@10danke für ihre fachlich kompetente beratung. damit sich aber ihre kompetenz noch steigert wird als lektüre empfohlen z.b. "Grundlagen der Geologie" von Bahlburg & Breitkreuz"

22.11.2018 14:43 Arthur 11

Ich bin bezüglich Bergbau ein absoluter Laie. Aber Bergbaulöcher im Erzgebirge sind mir nur zwei bekannt. Die Binge von Geyer und Altenberg. Ansonsten wurde Erz in allen Revieren Untertage abgebaut. Zusehen waren nur die Abraumhalden mit tauben Gestein. Auch später gibt es keine "Löscher" oder Absenkungen im großen Maßstab wie im Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet oder auch in Zwickau. Das hängt einfach mit der Geologie des Gebirges zusammen.
Alle Leute im Lande wollen Wohlstand und der Bergbau war schon immer eine wichtige Quelle für den Wohlstand in Sachsen.
Ansonsten: zurück auf die Bäume und Früchte gesucht...

22.11.2018 14:17 W. Merseburger 10

Lithiumabbau im Gebiet Altenberg-Zinnwald wird in obigem Artikel als gute Möglichkeit für eine neue Bergbaugeschichte vorgestellt. Die Kommentare @1 bis @7 sind leider einseitig, unsachlich und fachlich ohne Kompetenz abgefasst. Deswegen schlage ich vor, fragt doch mal den Bergbauingenieur. Von diesen Fachleuten gibt es noch eine Anzahl aus den Bergbauzeiten vor 1990 von Altenberg bis Freiberg. Manchmal denke ich aber, dass zu optimistisch dargestellt wird, um neue Fördergelder für solche Projekte zu generieren.

22.11.2018 13:38 Spottdrossel 9

Na, da werden wohl bald die Dresdner freie Sicht auf die Alpen bekommen :-)

22.11.2018 13:10 frank d 8

Wozu? Das erzeugt alles Emissionen, sollen die grünen Großstädter doch laufen und sich ihren Live style aus aller Welt doch per pedes bringen lassen. schön auslöffeln die Suppe. als nächstes sollten wir Mode und Kosmetik ins Visier nehmen dient diese Industrie doch sexistisch überwiegend einem Geschlecht zur Betonung von Differenzen welche es nach neuesten Wissenschaftlichen Genderthesen gar nicht gibt. dann werden die grünen ganz schnell die Fan Base verlieren. welche Schlüsse man daraus ziehen kann, sollte jeder für sich selber entscheiden. Eins nur, wenn die Leistung knapp wird, dann wird's eng für die Umverteiler.

22.11.2018 12:28 Frieda 7

Mir täte es schon Leid um die so schöne Landschaft, obwohl ich "Uhiescher" bin, nicht ortsansässig. Mancher Deutsche kennt das Erzgebirge nicht einmal....schnell nachholen!... denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die einheimische Bevölkerung sich gegen die Wühlmäuse stellt..: "Immer racht schie unauffällig.." hilft hier kaum, all das für die Nachwelt zu erhalten und weiter zu gestalten, was diese Region nach der Wende endlich geschafft hat.

22.11.2018 12:20 lummox 6

sogar ökologischer bergbau ist jetzt also möglich. für jedes ding läßt sich so eine begründung finden. jetzt noch eine wissenschaftliche umweltverträglichkeits-studie hergezaubert und der deutsche wohlstand kann weiter wuchern. müllabladeplätze gibt's genug in afrika oder im ozean. grün, grün, grün sind alle meine worte …

22.11.2018 12:05 observer 5

Kein "neues großes Loch" ist zu befürchten. Bekanntlich ist das Erzgebirge (daher übrigens der Name) jahrhundertelang Untertageabbaugebiet gewesen und entsprechend durchlöchert genug. Aber während in alten Zeiten Uranerz beim Schürfen nach Silber usw. nur unerwünscht war, wurde es ab 1945 für die Rüstung des Kreml sogar Hauptsache. Und beim Lithiumvorkommen ist es analog, nur daß hier eben die Rüstungsinteressen keine Rolle spielen.40544