Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand.
Angehende Juristen und Lehrer haben im Praxisjahr Anspruch auf eine Aufwandsentschädigung. Bei Medizinern ist das nicht so. Bildrechte: dpa

Aufwandsentschädigung im Praxisjahr Bekommen angehende Ärzte zu wenig Geld?

Die Zeiten, in denen Praktikanten als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht wurden, sind zum Glück vorbei? Könnte man meinen. Nachwuchsmediziner in Sachsen beklagen, dass sie im praktischen Jahr höchst unterschiedlich bezahlt werden – manche von ihnen bekommen gleich gar nichts.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen

Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand.
Angehende Juristen und Lehrer haben im Praxisjahr Anspruch auf eine Aufwandsentschädigung. Bei Medizinern ist das nicht so. Bildrechte: dpa

Heute ist Einschreibung für Feras Al Hamdan. Der 23-jährige Medizinstudent absolviert an der Uniklinik Dresden gerade sein Promotionssemester, ab Mai kommenden Jahres will er praktische Erfahrungen sammeln.

So wie Jura- und Lehramtsstudenten ein Referendariat absolvieren, gibt es für angehende Ärztinnen und Ärzte das Praktische Jahr (PJ). Wo sie sich dafür bewerben, steht ihnen frei. "Eigentlich sucht man das Haus aus, welches die beste Lehre und Betreuung garantiert. Die Realität sieht aber leider so aus, dass die Studierenden maßgeblich nach der Aufwandsentschädigung aussuchen."

Höhe der Entschädigung schwankt extrem

Während Rechtsreferendare in Sachsen einheitlich eine Vergütung von knapp 1.270 Euro pro Monat bekommen, schwankt die Aufwandsentschädigung für Nachwuchsmediziner enorm. An der Uniklinik Leipzig bekommen sie im PJ Berufskleidung gestellt und kostenloses Mittagessen. Das Klinikum in Döbeln lockt dagegen mit zusätzlich knapp 600 Euro Aufwandsentschädigung pro Monat plus kostenloser Unterkunft.

"Fair finde ich das nicht", sagt Feras Al Hamdan. "Das Leben in Leipzig und Dresden ist teurer geworden. Gerade hier würde man sich eine höhere Aufwandsentschädigung wünschen – oder überhaupt erst einmal eine."

Nebenjobs können zu einer Gefahr werden

Eine 40-Stunden-Woche im PJ ist normal. Laut einer Umfrage der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland haben 60 Prozent der Studierenden zusätzlich einen Nebenjob. Die sächsische Landesärztekammer gibt in einer Pressemitteilung zu bedenken, dass sich dadurch "wichtige Ruhezeiten verkürzen und die Gesundheit der Studierenden darunter leidet. Aufgrund der Mehrfachbelastung ist außerdem eine Gefährdung der Patienten zu befürchten."

Wir könnten uns vorstellen, dass Kliniken und Praxen im Praktischen Jahr fest verbrieft eine Aufwandsentschädigung in Höhe des Bafög-Satzes zahlen müssen.

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer

Die Politik sieht sich nicht in der Pflicht

Doch wer das regeln soll, ist umstritten. Weil es sich um Ausbildungs-Belange handelt, sieht die Landesärztekammer Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange in der Pflicht. Die SPD-Politikerin zeigt sich auf Nachfrage von MDR AKTUELL verwundert:

Eva Maria Stange
Eva-Maria Stange ist Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst in Sachsen. Bildrechte: dpa

Es gibt keine Verantwortung des Ministeriums für die Höhe der Zahlungen. Das liegt in der Verantwortung der Approbationsordnung. Ansonsten legen das die Lehrkrankenhäuser selbständig fest.

Eva-Maria Stange

Dass Krankenhäuser auf dem Land die Möglichkeit haben, Studierende mit besseren Konditionen anzulocken, hält Ministerin Stange eher für hilfreich. Einheitliche Regelungen müssten auf Bundesebene in der Approbationsordnung für Ärzte geregelt werden. "Mir ist keine Forderung von einem Lehrkrankenhaus bekannt, das zusätzliche Mittel benötigt, um die Aufwandsentschädigungen zu zahlen." Das heißt aber nicht, dass es das Problem nicht gibt.

Das Kreiskrankenhaus Delitzsch, das nur geringe Aufwandsentschädigungen zahlt, schrieb auf Nachfrage von MDR AKTUELL, eine Bezahlung von Studierenden im PJ ließe sich im Rahmen der Krankenhausfinanzierung nicht abbilden – sie sei schlicht nicht mit einkalkuliert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2018 | 07:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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7 Kommentare

04.12.2018 17:49 SitusInversus 7

@Rumsidbums
Und Sie wollen wohl nicht für Ihre Arbeit bezahlt werden?

Es geht nicht darum, während des PJs reich zu werden, sondern darum, seine Lebensunterhaltskosten zu decken. Wer 5 Jahre studiert und vielleicht ein Jahr in ein Labor geht um zu promovieren, hat im PJ kein Anspruch mehr auf Bafög. Also entweder man bittet seine Eltern um Hilfe, oder man sucht sich eine Stelle, die überhaupt bezahlt wird. Mal davon abgesehen leistet man als PJ-Student meist 40 Stunden und mehr pro Woche. Es ist einfach unfair, dafür 300€ oder weniger zu bekommen. Studenten anderer Berufszweige verdienen um einiges mehr, wenn sie Praktika ableisten. Da werden wir nur müde belächelt.

04.12.2018 11:10 Ekkehard Kohfeld 6

@ Rumsdibums 2
Wer den Arztberuf des Geldes wegen ergreift ist eh falsch am Platz.##Nicht nur aber ohne Geld kann man keine Arztpraxis aufmachen oder betreiben.##

Nachtrag:
Warum gehen wohl so viele gute Ärzte ins Ausland weil sie das weniger arbeiten müßen und auch gutes Geld verdienen,warum kann sich ein so reiches Land wie Deutschland sich das nicht leisten?Weil wir doch nicht so reich sind und uns der Reichtum nur vor gegaukelt wird um wieder irgend eine Erhöhung durch zu setzen?

03.12.2018 18:37 Crazycreature 5

@2 Das ist ja auch immer ein großartiges Argument. (Warum sind diese Ärzt_innen eigentlich fehl am Platz, hm?) Gute Bezahlung ist nun mal ein relevanter Faktor für die Wahl eines Arbeitsplatzes. Von meinem Idealismus kann ich mir leider kein Essen kaufen und keine Wohnung mieten.

03.12.2018 18:14 Medizinstudentin 4

@Rumsdibums

Da stimme ich Ihnen dazu, aber es ist definitiv nicht zu viel verlangt, während des verpflichtenden praktischen Jahres davon leben zu können. Ich kenne Leute, die parallel zum PJ Nachtschichten schieben, das ist unmenschlich. Da nützt es auch nichts, dass man danach einigermaßen gut verdient - das Geld fehlt während des PJs, nicht danach.

03.12.2018 17:08 Ekkehard Kohfeld 3

@ Rumsdibums 2
Wer den Arztberuf des Geldes wegen ergreift ist eh falsch am Platz.##Nicht nur aber ohne Geld kann man keine Arztpraxis aufmachen oder betreiben.

03.12.2018 09:50 Rumsdibums 2

Wer den Arztberuf des Geldes wegen ergreift ist eh falsch am Platz.

03.12.2018 09:13 H.E. 1

Meine Tochter ist bei dem letzten praktischen Jahr für 8 Monate in die Schweiz in ein Krankenhaus gegangen, weil dies in D anerkannt wurde. Da konnte sie ihre Miete, Telefon etc. davon bezahlen und hatte auch ausreichend Geld zum Leben, nicht üppig aber es reichte. In D hätte sie nichts bekommen, leider mußte sie die letzten 4 Monate in einem deutschen Krankenhaus verbringen, denn sonst wäre dies nicht anerkannt worden.
Übrigens wurde sogar für die 8 Monate die Rentenversicherung bezahlt.