Düsseldorf Sieben Verfahren im Loveparade-Prozess werden eingestellt

Im Strafprozess um die Loveparade-Tragödie 2010 werden sieben von zehn Verfahren eingestellt. Die Staatsanwaltschaft und sieben Beschuldigte stimmten dem Vorschlag des Gerichts zu. Drei Angeklagte bestehen jedoch auf ein Urteil. Der Prozess gegen sie wird daher fortgesetzt - möglicherweise bis zur Verjährung.

Mario Plein, der Vorsitzende Richter im Loveparade-Prozess, steht hinter seinem Richtertisch.
Strebt knapp neun Jahre nach dem Unglück und mehr als ein Jahr nach Prozessbeginn ein Ende des Verfahrens an: Mario Plein, Vorsitzender Richter im Loveparade-Prozess. Bildrechte: dpa

Der Strafprozess um die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg wird voraussichtlich mit nur noch drei Angeklagten fortgesetzt. Ein Sprecher des Duisburger Landgerichts sagte, gegen die sieben anderen Beschuldigten soll das Verfahren ohne Auflage eingestellt werden. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter der Stadt Duisburg und einen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent.

Drei Verfahren werden fortgesetzt

Drei Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent entschieden sich hingegen gegen eine Einstellung des Strafverfahrens gegen Geldauflagen. Für einen der Angeklagten sagte dessen Anwältin: "Er verzichtet nicht auf sein Recht, freigesprochen zu werden."

Gericht und Staatsanwaltschaft rechnen damit, dass wegen der Vielzahl noch zu vernehmenden Zeugen kein Urteil vor Eintritt der Verjährung am 28. Juli 2020 mehr gesprochen werden kann. Auch deshalb stimmte am Dienstag die Staatsanwaltschaft einer Einstellung der Verfahren zu, die das Gericht Mitte Januar vorgeschlagen hatte. Die Richter hatten bei sieben der Angeklagten eine geringe Schuld, bei den drei übrigen eine mittelschwere Schuld festgestellt.

21 Tote und Hunderte Verletzte

Bei einem Techno-Festival in Duisburg am 24. Juli 2010 war es im großen Gedränge zu einer Panik gekommen. 21 Menschen starben und mehr als 650 wurden verletzt. Im Dezember 2017 wurde der Prozess gegen die Stadt-Mitarbeiter und Veranstalter eröffnet. Ihnen wurde u.a. fahrlässige Tötung zur Last gelegt.

Kurz vor dem Unglück bei der Loveparade am 24.07.2010 stehen Menschen dicht gedrängt an einem Tunnelausgang in Duisburg.
Am 24. Juli 2010 brach bei der Loveparade in Duisburg eine verheerende Massenpanik aus. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Februar 2019 | 12:30 Uhr

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14 Kommentare

05.02.2019 20:18 Peter 14

@13: Wie sicher können Sie sein, dass ALLE Verantwortliche von damals zur Rechenschaft gezogen worden sind, wenn die Stasi die Aufklärung gedeckelt hatte.
Und wie sicher können Sie im Falle des Loveparade-Unglücks sein, dass alle Angeklagten wirklich Schuld im Sinne des Gesetzes auf sich geladen haben.

05.02.2019 19:08 Wie bestellt -so geliefert 13

Peter@7 Was sie über das damalige Eisenbahnunglück schreiben mag alles stimmen. Aber warum sagen sie nicht auch, das die Verantwortlichen von damals zur Verantwortung gezogen wurden nämlich in Haft kamen. Peter das gehört doch auch zur Wahrheit oder?

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05.02.2019 18:48 Dittmann 12

Man muss sich das mal vorstellen, es wären die Angehörigen der Verantwortlichen gewesen, dann wäre das alles nicht einfach in die Schublade geschoben worden. Ich als Laie hatte einen Tag vorher schon Angst vor einer Massenpanik, wenn man mit sovielen Menschen durch einen Tunnel läuft, hat sich diese Frage denn niemand von den Verantwortlichen gestellt? Es gehört hier Aufklärung her und keine Verjährung. Die Menschen sind tot. Mord verjährt auch nicht. Den Angehörigen steht eine enorme Aufklärung und grosse Abfindung zu. Das ist das Mindeste, was man für sie tun kann.

05.02.2019 18:07 vigilando ascendimus 11

Die BRD ist inzwischen wie die USA: wenn jemand seinen Wellensittich in der Mikrowelle trocknet, und der Vogel dabei stirbt, ist der Hersteller der Mikrowelle schuld, weil er den Benutzer der Mikrowelle schuld, weil er den Benutzer nicht genügen über die Gefahren der Mikrowelle aufgeklärt hat.

Es ist doch inzwischen bekannt das der SPD-Innenminister Jäger (NRW) in der damaligen Presse Schlacht im frisch gewählten CDU-OB und seiner Stadtverwaltung nur die geeigneten Schuldigen denunziert hat (siehe Der Spiegel)

05.02.2019 18:04 Stena an Willy (6) 10

Was hätte es zu DDR-Zeiten nicht gegeben?
"sagenhaft kriminell, traurig, asozial"
Doch, das gab es. Mehr als genug

Also, lesen Sie bitte die urteilsbegründung on voller länge und versuchen Sie zu ergründen, warum und wie das Gericht zu seinem urteil gekommen ist

05.02.2019 17:34 ewa 9

7 Jahre danach! Das muss man sich mal zu Gemüte führen. Es gab eine Genehmigung, die hat jemand unterschrieben. Wenn es Auflagen gab, dann mussten die kontrolliert und durchgesetzt werden. Wenn nicht, dann ist der verantwortlich, der die Genehmigung erteilt hat. Sein Pech wenn er auf Anweisung entschieden hat und sich dazu keine Notiz in der Akte gemacht hat.

05.02.2019 17:11 Frank 8

@ 6: Dann halten Sie also die juristischen Entgleisungen einer Hilde Benjamin gut? Darf man das so verstehen?

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05.02.2019 16:56 Peter 7

@4 Willy: "Hätte es zu DDR-Zeiten nicht gegeben"? Wirklich?
Zum Beispiel: Eisenbahnunglück in Langenweddingen.
Ich zitiere aus "Welt": "250 Menschen saßen in den Doppelstockwagen des Zuges. Der erste Waggon war für 50 Kinder reserviert, die in ein Ferienlager fuhren. 44 von ihnen starben in der 800 Grad heißen Feuerhölle, mit ihnen 33 weitere Menschen. So weit die offiziellen Angaben. Bei der freiwilligen Feuerwehr, die mangels Hydranten ihr Wasser aus dem Dorfteich pumpen musste, kursierten bald ganz andere Zahlen. Von bis zu 140 Toten war die Rede, von Schlamperei und Vertuschung. Das hatte gute Gründe. Denn statt auf maximale Transparenz zu setzen, entsandten die DDR-Behörden bald ganz andere Spezialisten: Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Ihr Bericht über die zahlreichen Fehler und Pannen erhielt den Stempelvermerk „Geheim“ und verschwand im Panzerschrank."
Mensch, Mensch. Das Kurzzeitgedächtnis treibt mitunter Blüten.

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05.02.2019 15:43 Willy 6

@ 4 so wie es jetzt mit allem ist, hätte es zu DDR- Zeiten nicht gegeben das ist Fakt !!

05.02.2019 15:12 Pumukl 5

Wegen Geringfügigkeit der Schuld eingestellt? 21 Tote junge Menschen sind anscheinend nur ein "Fliegenschiss". Wir leben in einem Land, in dem wir gut und gerne leben. Das wollten die jungen Leute auch. Aber sie hätten in der Rechtssprechung keine Wertigkei. Den Hinterbliebenen nimmt man dadurch ein zweites mal ihr Lieben. Fremdschämen ausdrücklich erlaubt.