Fiebermücke
Die Anopheles-Mücke,auch Malaria-, Gabel- oder Fiebermücke genannt, überträgt Malaria. Bildrechte: imago/blickwinkel

200 Millionen Erkrankte "Der Klimawandel spielt der Malaria in die Hände"

Bereits jetzt erkranken jedes Jahr 200 Millionen Menschen an Malaria. Der Klimawandel könnte der Tropenkrankheit den Weg in noch mehr Gebiete ebnen. Einen Impfstoff gibt es nicht. Dennoch sehen Mediziner sich gut gewappnet, um eine Ausbreitung in Deutschland zu bekämpfen.

von Lucas Grothe, MDR AKTUELL

Fiebermücke
Die Anopheles-Mücke,auch Malaria-, Gabel- oder Fiebermücke genannt, überträgt Malaria. Bildrechte: imago/blickwinkel

Die aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hören sich zunächst erschreckend an: 219 Millionen Infektionen und 435.000 Tote im Jahr 2017. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) leben etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung in Malariagebieten. Der Klimawandel könnte der Tropenkrankheit den Weg in bisher nicht betroffene Gebiete ebnen. Und doch warnt Prof. Christoph Lübbert vor Panik.

Christoph Lübbert, Gastroenterologe an der Uniklinik Leipzig
Christoph Lübbert leitet den Fachbereich Infektions- und Tropenmedizin. Bildrechte: Uniklinik Leipzig

"Früher hatten wir schon mal rund 500 Millionen Neuinfektionen pro Jahr. Die Maßnahmen der Weltgesundheitsorganisation haben die Krankheit aber zurückgedrängt", sagt Lübbert, der den Bereich Infektions- und Tropenmedizin des Universitätsklinikums Leipzig leitet. Erreicht worden sei das etwa durch die Verteilung von imprägnierten Netzen oder die Ausgabe kostenloser Medikamente in Malariagebieten.

Bisher keine wirksame Impfung

Eine wirksame Impfung gegen die Tropenkrankheit gibt es bisher nicht. Wer in gefährdeten Gebieten unterwegs ist, sollte sich mit Moskitonetzen und Hautlotionen oder -sprays zur Mückenabwehr schützen oder ein Prophylaxemedikament einnehmen.

Für die Forschung wird viel Geld bereitgestellt. Und auch die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates und seiner Frau stellt zum Beispiel hohe Summen zur Verfügung.

Prof. Christoph Lübbert, Leiter der Infektions- und Tropenmedizin der Universitätsklinikum Leipzig

Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs sei sehr schwierig, einen baldigen Durchbruch erwartet der Mediziner nicht. "Der Parasit hat sich eben über tausende Generationen an seinen Wirt angepasst und verändert sich innerhalb seines komplizierten Lebenszyklus ständig", erklärt Lübbert. Noch im Zulassungsverfahren befindet sich der Impfstoff Mosquirix. Doch auch dieser bietet laut Lübbert keinen vollständigen Schutz.

Die WHO forderte am Montag bei der Vorstellung des Welt-Malaria-Berichts zusätzliche Finanzmittel zur Eindämmung der Krankheit. Diese lagen 2017 bei rund 3,1 Milliarden Euro. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, um die Zahl der Malaria-Erkrankungen und Todesfälle bis 2030 um 90 Prozent zu reduzieren, seien künftig ab 2020 mindestens 6,6 Milliarden Dollar pro Jahr notwendig.

Vereinzelte Fälle in Deutschland

Arbeiter versprühen Anti-Moskito Rauch.
Indische Arbeiter versprühen ein Anti-Moskito-Spray. Bildrechte: IMAGO

Auch in Deutschland kam es in den vergangenen Jahren zu importierten Malariafällen. Bis 2013 waren es nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts jährlich rund 500 bis 600 Fälle. Seit 2014 liegen die Zahlen zwar durch verstärkte Migration fast doppelt so hoch, sind mit rund 1.000 Fällen aber noch immer relativ niedrig und nahmen zuletzt wieder ab.

Auch in Griechenland und Spanien kam es in den vergangenen Jahren wieder zu vereinzelten Fällen. Ein Grund könnte neben Migration und Flucht der Klimawandel sein, der die Lebensräume für Malariaerreger ausweitet. Daneben werden immer wieder einzelne Mücken, die den Erreger in sich tragen, durch Flugzeuge eingeschleppt.

"Der Klimawandel spielt der Malaria in die Hände"

Übertragen wird Malaria durch Stiche der weiblichen Anopheles-Mücke. Entscheidend ist also das Verbreitungsgebiet der Mücke als Überträger. 90 Prozent der Krankheitsfälle wurden zuletzt in Afrika registriert. Doch mit der Erderwärmung gelangen die verschiedenen Anopheles-Arten weiter nach Norden. "Der Klimawandel spielt der Malaria in die Hände", sagt Lübbert.

Dass die Tropenkrankheit Malaria plötzlich verbreitet in Deutschland auftrete, glaubt er aber nicht. Dafür seien die Schutzmaßnahmen hierzulande viel zu ausgeprägt. Medikamente und die gute medizinische Versorgung würden eine Verbreitung verhindern. Eine Erkrankung würde meistens sehr schnell erkannt und behandelt, noch bevor die Krankheit sich durch Mückenstiche ausbreiten könne.

Teile Europas waren früher Malariagebiet

Früher gab es Malaria-Epidemien auch in Europa. Der Erreger verbreitete sich etwa 1557 in Teilen von Nord- und Mitteldeutschland und an Küstengebieten. Doch bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Krankheit weitestgehend aus Deutschland verschwunden. Gründe dafür waren unter anderem die Trockenlegung von Sümpfen, Kanalisationsbau und Flussregulierungen, wodurch Mückenbrutstätten zerstört wurden. 1974 wurde die Malaria in Europa offiziell für ausgerottet erklärt.

Tigermücke auf dem Vormarsch

Im öffentlichen Fokus stand zuletzt vor allem die asiatische Tigermücke, die bisher vereinzelt in Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen vorkommt und theoretisch Krankheiten wie Zika, Dengue- und Chikungunyafieber übertragen kann. Allerdings ist das nur möglich, wenn überhaupt Menschen mit einer dieser Krankheiten infiziert sind – die von der Mücke dann weiter übertragen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 17:46 Uhr