Das Schiff "El Hiblu 1" liegt 2015 im Hafen von Istanbul.
Das Tankschiff "El Hiblu 1" im Hafen von Istanbul (Archivbild). Bildrechte: Ruslan Tsarik/ship-photo-roster.com/dpa

Von Bootsflüchtlingen gekapert Maltas Marine übernimmt Kontrolle über entführtes Tankschiff

Ein von Flüchtlingen entführtes Tankschiff im Mittelmeer ist unter Kontrolle der maltesischen Marine. Ein Spezialkommando ist an Bord gegangen, um das Schiff zu sichern und nach Malta zu bringen.

Das Schiff "El Hiblu 1" liegt 2015 im Hafen von Istanbul.
Das Tankschiff "El Hiblu 1" im Hafen von Istanbul (Archivbild). Bildrechte: Ruslan Tsarik/ship-photo-roster.com/dpa

Die maltesische Marine hat im Mittelmeer die Kontrolle über ein von Migranten entführtes Tankschiff übernommen. Eine Spezialeinheit sei an Bord gegangen und habe den Tanker gesichert, teilte die Marine am Donnerstagmorgen mit. Inzwischen ist das Schiff in Malta eingetroffen.

Der Tanker "El Hiblu I" hatte am Dienstagabend Schiffbrüchige in internationalen Gewässern vor Libyen aufgenommen. Diese hatten anschließend das Schiff unter ihre Kontrolle gebracht und Richtung Europa umgeleitet.

Italiens Innenminister Matteo Salvini schrieb daraufhin bei Twitter: "Sie sind keine Schiffbrüchigen, sondern Piraten." Der Tanker habe sechs Seemeilen vor dem libyschen Hafen Tripolis plötzlich seinen Kurs geändert.

Etwa 100 Flüchtlinge an Bord

Der Betreiber des Schiffs und die libyschen Behörden waren zunächst nicht zu erreichen. Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye erklärte, ihr Rettungsschiff "Alan Kurdi" habe den Funk zwischen der "El Hiblu I" und einem europäischen Marineflugzeug mitgehört. Der Kapitän forderte demnach Unterstützung an, weil die Menschen an Bord "sehr aufgebracht seien und nicht zurück nach Libyen zurückgebracht werden wollen".

Das Schiff hatte den Angaben zufolge rund hundert Schiffbrüchige an Bord genommen. Zahlreiche im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge haben sich in den vergangenen Monaten dagegen gewehrt, in Libyen an Land zu gehen.

Sie fürchten die dortigen Gefangenenlager für Flüchtlinge. Die UN berichtet über unmenschliche Lebensbedingungen, Folter und Vergewaltigungen, denen zehntausende Menschen ausgeliefert sind. Die Insassen der Lager stammen vor allem aus Somalia, Äthiopien oder Eritrea.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. März 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 12:05 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

63 Kommentare

30.03.2019 12:01 Klaus 63

@ { 29.03.2019 19:26 Auf zum letzten Gefecht! }
Da haben Sie recht, solche Karrieren sind recht selten, aber davon habe ich nicht geschrieben. Es geht darum, dass man als erwachsener Flüchtling auch ohne Vorbildung hier bei uns schnell eigenständig für seinen Unterhalt aufkommen kann. Man (wir alle) muss das nur richtig organisieren. Von daher sehe ich die Flüchtlinge nicht als Last, sondern als Möglichkeit unsere Gesellschaft voranzubringen.
Natürlich ist auch ganz klar, dass es besser wäre, wenn man die eigentlichen Fluchtursachen beseitigen würde und es erst gar nicht zur Fluchtsituationen kommen würde. Aber da sind wir uns ja einige, dass wir dies unseren Politikern und der Waffenpolitik nicht zutrauen, weswegen nur die zweitbeste Lösung möglich ist.

30.03.2019 09:23 Auf zum letzten Gefecht! 62

@60 MDR

da können sie mal sehen was die aktuelle Politik und die Medien aus mir gemacht haben,
Gleichgültig bin ich geworden, emotionslos wenn solche Nachrichten kommen.

Im Herbst 2015 war ich noch drauf und dran in der Flüchtlingsunterkunft mit zu helfen.

Das hat sich für mich erledigt!

[Lieber User, danke für Ihren sehr offenen Kommentar. Es ist schade, dass sie den Nachrichten gegenüber gleichgültig und emotionslos gegenüber stehen. Seit 2015 ist viel passiert in Europa und in Deutschland. Vieles ist in der Wahrnehmung zum Teil drastischer aufgenommen worden, als es in Wahrheit ist. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass Politik und Medien nicht immer mit der nötigen Distanz und Sorgfalt gearbeitet haben.
Trotzdem gilt es in der Flüchtlingsdebatte die Menschlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Meldungen von Ertrunkenen im Mittelmeer sollten niemanden kalt lassen.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

30.03.2019 09:00 Auf zum letzten Gefecht! 61

@60

"Außerdem würde ich in einer solchen Lage jedes Kind sofort adoptieren "

dazu muss man aber auch aktiv werden und nicht nur in Deutschland hinterm Ofen sitzen und das hier schreiben.

Ich nehme an sie schreiben jetzt nicht von Malta aus?

29.03.2019 22:36 Klaus 60

@ { 29.03.2019 21:50 Auf zum letzten Gefecht! }
Es waren Frauen Kinder und Männer auf dem Schiff.
Da liegt der Annahme schon nahe, dass die eine oder andere Verwandschaft besteht. Und es gibt ja auch Patchwork-Familien, da ist noch nicht mal eine Blutsverwandschaft notwendig.
Außerdem würde ich in einer solchen Lage jedes Kind sofort adoptieren und behilflich sein, wenn die Eltern nicht dabei wären. Das gebietet alleine schon der Anstand.
Es ist aber natürlich nicht jedem gegeben so zu denken. Darin unterscheiden wir uns wohl. Manche Menschen denken auch nur an sich. Das ist aber nicht mein Ding. Ich helfe immer und sofort, wenn ich sehe, dass in meiner Umgebung jemand in Not ist. Und wenn Kinder nach Libyen verbracht werden sollen, dann liegt eindeutig ein Notfall vor.
Deshalb würde ich auch nicht anders handeln.
Natürlich hätte ich zunächst den diplomatischen Weg versucht.

[Lieber Klaus, danke für Ihren Kommentar. Gerade in der Flüchtlingsdebatte ist nicht nur Sachlichkeit gefragt, sondern vielmehr Menschlichkeit und Anstand. Wenn Leben in Gefahr ist, sollte Hilfe selbstverständlich sein. Wir freuen uns, dass es Menschen gibt, die immer wieder daran erinnern.
Danke und liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht die MDR.de-Redaktion]

29.03.2019 21:50 Auf zum letzten Gefecht! 59

@Klaus 54

Um meine Familie vor einem Lager in Libyen zu retten würde ich auch zum Pirat werden."

ich habe jetzt nichts von Familien gelesen!

Reimen sie sich wieder etwas zusammen?

29.03.2019 21:44 Klaus 58

@ { 29.03.2019 19:05 Kritischer Bürger }
Wenn sich die EU-Länder nicht einig sind, dafür kann man die Flüchtlinge nicht verantwortlich machen.
Die Flüchtlinge haben in Notwehr gehandelt.

29.03.2019 21:40 Klaus 57

@ { 29.03.2019 18:25 Kritischer Bürger }
Natürlich bleibt es Piraterie. Die Flüchtlinge handeln allerdings in Notwehr und da ist die Steuerung eines Schiffes durchaus erlaubt.
Die Flüchtlinge werden jetzt ja auch nicht nach Libyen verbracht. So falsch kann das also nicht gewesen sein.

29.03.2019 21:36 Klaus 56

@ { 29.03.2019 18:15 Kritischer Bürger }
Ich habe nie behauptet, dass ich von den Politikern das Einstellen der Waffenlieferungen erwarte. Ich behaupte nur, dass es ohne den Waffenhandel keine Kriege und zumindest deutlich weniger Flüchtlinge geben würde.
Ich habe nicht geschrieben, dass ich die Politik für fähig halt meine richtigen Vorschläge umzusetzen.
Dafür kann man aber nicht die Flüchtlinge verantwortlich machen. Die flüchten nur und handeln in Notwehr.
Wie schon geschrieben, ich würde meine Familie auch verteidigen, wenn man diese nach Libyen verschiffen wollte. Von daher haben die Flüchtlinge richtig gehandelt und verteidigen damit europäische Werte.

29.03.2019 21:27 Klaus 55

@ { 29.03.2019 19:05 Kritischer Bürger }
Sie verkennen die Sachlage. Viele flüchten gerade weil sie um ihr leben fürchten. Den meisten Flüchtlingen ist durchaus bewusst, dass die Reise nach Europa sehr gefährlich ist. Das verbleiben im Heimatland ist aber noch viel gefährlicher. Da riskiert man sogar die Libyen-Durchreise.

29.03.2019 21:19 Klaus 54

@ { 29.03.2019 17:45 Arbeitende Rentnerin }
Um meine Familie vor einem Lager in Libyen zu retten würde ich auch zum Pirat werden. Von daher habe ich auch Verständnis für die Flüchtlinge.
Außerdem kommt es ja auch darauf an aus welchem Grund man etwas macht. Letztlich springen die Flüchtlinge nur für das Versagen der Waffenpolitik ein.
Und jetzt werden die Flüchtlinge aus gutem Grund ja auch nicht nach Libyen verschifft. Von daher haben die Flüchtlinge richtig gehandelt. Wer sich gegen die Verbringung nach Libyen wehrt, der handelt in Notwehr.