Ein Schild, das den lokalen Notstand erklärt, ist beim Rockland County Health Department angebracht.
Mit Aushängen wie diesem wird ungeimpften Minderjährigen der Zugang zu öffentlichen Räumen untersagt. Bildrechte: dpa

Vor den Toren New Yorks Notstand wegen Masern

Die Masern sind wieder auf dem Vormarsch - und das nicht nur bei uns. In Rockland County vor den Toren New Yorks haben die Behörden den Notstand verhängt.

von Kai Clement, ARD-Studio New York für MDR AKTUELL

Ein Schild, das den lokalen Notstand erklärt, ist beim Rockland County Health Department angebracht.
Mit Aushängen wie diesem wird ungeimpften Minderjährigen der Zugang zu öffentlichen Räumen untersagt. Bildrechte: dpa

Seit vergangener Woche gilt in Rockland County, knapp eine Autostunde Stunde von New York entfernt, der Notstand. Erstmals wurde er in dem von 300.000 Einwohnern bewohnten Gebiet wegen Masern verhängt.

Kein Zutritt für Ungeimpfte

"Stop!" steht dort nun auf öffentlichen Aushängen. Es gilt: Kein Zutritt für ungeimpfte Minderjährige zu öffentlichen Räumen bis Ende kommenden Monats. Es drohen 500 Dollar Strafe oder sechs Monate Gefängnis. Man wolle den Leuten aber nicht hinterherjagen, sagt Landrat Ed Day. Das sei nicht machbar.

Wir wollen, dass die Gesundheitsbehörde ihr Ziel erreicht und dafür brauchen wir die Aufmerksamkeit der Leute. Sie müssen den Ernst der Lage verstehen - für das, was sie tun oder eben nicht tun.

Was sie häufig nicht tun, ist, ihre Kinder impfen zu lassen. Die Rate liegt nach Angaben der Behörden lediglich bei etwas über 70 Prozent. Deutschland dagegen strebt eine Impfquote von 95 Prozent an, erreicht diese aber auch nur in einzelnen Bundesländern für Schulanfänger. Diese Schwelle gilt als die Marke, ab der Masern sich nicht mehr ausbreiten können. 

Fehlinformationen bekämpfen

Eine Frau erhält einen Impfstoff für Masern, Mumps und Röteln beim Rockland County Health Department.
"Impfungen sind sicher!" - mit dieser Botschaft versuchen die Behörden, bei den Menschen durchzudringen. Bildrechte: dpa

Eltern wollten immer die beste Entscheidung treffen, weiß Ed Day. Leider machten aber viele Fehlinformationen die Runde. Wenn sie die zuerst gehört hätten, dann seien sie weniger für die Botschaft aufnahmebereit, dass Impfungen sicher seien. Impfungen sollten genutzt werden, um Krankheiten mit Langzeitfolgen zu vermieden.

Seit Oktober gibt es in Rockland County über 150 bestätigte Masernfälle - das ist etwa die Hälfte aller überhaupt in den USA bislang in diesem Jahr aufgetretenen Erkrankungen.

"Wir haben so viel versucht!"

Maria Cecilia Mosquera ist Kinderärztin in dem Gebiet, sie sagt: "Wir haben so viel versucht!" Von der Untersuchung der bisherigen Fälle bis hin zu Gratis-Impfungen. Man habe Kontakt mit allen Gruppen des Gebietes aufgenommen, damit die Leute die Gefahren kennen und Wissen über wirksamen Schutz erhielten. Man arbeite mit den Medien, mit Schulen.

Wir haben alles versucht, was man überhaupt nur versuchen kann.

Maria Cecilia Mosquera, Kinderärztin in Rockland County

Bisher allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Selbst ein Verbot für ungeimpfte Kinder, die Schule zu besuchen, hat den nicht gebracht.

Rabbi kämpft gegen Vorurteile

In der Region leben viele ultra-orthodoxe Juden - genauso wie in einem Teil Brooklyns, in dem ebenfalls Anti-Impf-Faltblätter im Umlauf sind. Rabbi Horowitz aus Rockland County sagt der "New York Times", er sei absolut für Impfungen. Gleichzeitig dürfe der jetzige Masernausbruch nicht zu Diskriminierung führen.

Einen Monat gilt der Notstand vorerst - eine drastische Maßnahme, wenn auch zunächst mehr Signal als wirklich massives Durchgreifen. Die meisten halten das für eine ausgezeichnete Idee, um die Krise vielleicht doch in den Griff zu bekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2019 | 00:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2019, 05:00 Uhr