Messerangriffe Eindeutige Zahlen statt subjektiver Gefühle

Nach einer Debatte im Frühjahr, ob Messerangriffe zugenommen haben, forderten Innenpolitiker und Polizisten eine statistische Erfassung. Die soll nun kommen.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Vor einigen Tagen wurde ein 16-jähriger Schüler am Rande des Weihnachtsmarktes in Halle angegriffen. Der Täter schlug ihn und verletzte ihn mit einem Messer am Oberschenkel. In Zukunft muss die Polizei bei einem solchen Fall in ihren Akten vermerken, dass der Angreifer ein Messer benutzt hat. So haben es Ende November die Innenminister der Länder in Magdeburg beschlossen. Die Polizeilichen Kriminalstatistiken sollen dann bei Gewalttaten ganz genau erfassen, ob ein Messer im Spiel war.

Doch bis zur Umsetzung dauert es noch etwas, sagt Thüringens Innenminister Georg Maier. "Diese bundesweite Kriminalitätsstatistik hat eine ganz einheitliche Struktur. Wenn wir da was ändern, muss das in 16 Bundesländern geändert werden." Das führe dazu, dass die Änderung voraussichtlich nicht am 1. Januar 2019, sondern erst 2020 komme.

Was gilt als Messer?

Bis dahin müssen noch ein paar knifflige Fragen beantwortet werden, damit die Statistik auch juristisch wasserdicht ist. Uwe Bachmann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Sachsen-Anhalt, erklärt: "Man muss eben definieren, was ist ein Messer? Genau da liegt das größte Problem." Erst danach könnten Messerangriffe in die Statistik einfließen, ähnlich wie es bei Schusswaffen sei, wo man gesonderte Informationen über die Schusswaffenanwendung oder –androhung bekommen könnte.

Dass Messerdelikte bald extra in den Statistiken ausgewiesen werden sollen, hält Bachmann für sinnvoll: "Wir haben in der Vergangenheit festgestellt, dass Messerattacken subjektiv als schwere Straftaten wahrgenommen werden und in der Bevölkerung Aufsehen erregen." So würden Gewalttaten, die mit Messern begangen werden, mehr an Bedeutung gewinnen als solche, die beispielsweise mit Schraubenziehern begangen würden.

Bisher nur teilweise erhoben

In vielen Bundesländern wurden Angriffe mit Stichwaffen bislang nicht gesondert gezählt. In Sachsen-Anhalt zum Beispiel macht die Polizei zwar manchmal einen Aktenvermerk, das ist aber nicht zwingend vorgeschrieben. Anders in Thüringen. Hier müssen die Beamten seit Mitte des Jahres notieren, wenn ein Täter ein Messer benutzt hat.

Thüringens Innenminister Maier glaubt deshalb, es werde dort schon bald verlässliche Daten geben.

Wir wissen aber jetzt schon, dass es einen besorgniserregenden Anstieg gab. Um solche Angriffe genauer zu erfassen, haben wir auf Bundesebene die Initiative ergriffen.

Thüringens Innenminister Georg Maier

Aber was bringt es, Messerangriffe in der Statistik extra zu vermerken? Zunächst einmal lässt sich so das subjektive Gefühl überprüfen, ob solche Attacken tatsächlich zunehmen, meinen Gewerkschafter und Innenminister.

Und Thüringens Innenminister Maier schwebt vor, Waffenverbotszonen dort einzurichten, wo es häufig zu Messerangriffen komme. Denn in Waffenverbotszonen können keine Messer mitgeführt werden. Dass sich durch eine neue Statistik erst mal nichts am Kriminalitätsgeschehen ändert, ist indes sowohl dem Innenminister als auch dem Gewerkschafter bewusst.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Dezember 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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43 Kommentare

15.12.2018 19:12 Schrumpel 43

Lieber Mediator, ich hatte Ihnen gestern Nachmittag eine Frage zum Artikel gestellt und um Antwort gebeten. Ich würde gern die von Ihnen erwähnten Statistiken mal selbst einsehen. Sind Sie bitte so nett und lassen mich an Ihrem Wissen teilhaben. Danke. @ MDR: Liebe Redaktion, warum lassen Sie eigentlich solche Kommentare zu? Auf MDR Sachsen-Anhalt oder Thüringen wird auf Kommentare geantwortet, warum hier nicht und warum darf Mediator gezielt Fake News verbreiten?

14.12.2018 21:30 Frank L. 42

Für wirklich jeden Mist gibt es heut eine Statistik oder Studie. Aber bei einem solch heiklen Thema wird rumgeeiert was das Zeug hält . Das sogar noch " juristisch knifflig " geklärt werden muss was ein Messer ist , ist an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten. Der wahre Grund für diese Verschleierungstaktik dürfte wohl der sein, das diese Statistik verheerend ausfällt und ein allzu schlechtes Licht auf "unsere Neubürger" werfen wird. Und da sich ja DE im Migrationspakt verpflichtet hat positiv über Migration und deren Folgen zu berichten , passt eine solche Wahrheit natürlich nicht ins Konzept.

14.12.2018 21:19 der_Silvio 41

@11 Mediator; "Es geht halt nichts über ein dickes Bauchgefühl das die eigenen Vorurteile stützt."
Das können sie gerne den Opfern und Hinterbliebenen von Messerattacken (größtenteils im Namen Allahs) versuchen zu erörtern. Da können sie in Chemnitz anfangen, nach Würzburg weiterreisen und dann ins Nachbarland nach Strasbourg.
Fest steht, daß Angriffe mit Stichwaffen, besonders im Namen Allahs seit 2015 zugenommen haben! Das KÖNNEN sie nicht wegreden. Und dass die Erfassung solcher Angriffe erst 2020 beginnen soll ist ein schlechter Witz!

14.12.2018 18:59 Kritischer Bürger 40

+... Zunächst einmal lässt sich so das subjektive Gefühl überprüfen, ob solche Attacken tatsächlich zunehmen, meinen Gewerkschafter und Innenminister....+
Das soll und darf ABER NICHT das Einzigste bleiben! Wer mit "Messern als Verbrecher spielt" und andere verletzt oder gar tötet möchte nicht nur in der Notiz, der Statistik, das subjektive Gefühl steigender, bleibender oder sinkender Verbrechen sein! Es möchte dann auch der Personenkreis=die Person klipp und klar recherchiert werden und vor allem bei entsprechender Festnahme dann auch so benannt werden: WER WAR ES welchen gesell. od. poli. Hintergrund hatte eine solche Tat! Das kann man als Bürger dann auch als umfangreichen detailbezogenen Journalismus bezeichnen.

14.12.2018 18:59 Rotabond 39

zu Zonen Zeiten gab es das kaum. Bei Vertragsarbeitern, die es ja auch in der DDR gab, fielen die Algerier besonders auf.
Warum diese Fälle so gestiegen sind, dürfte jeden mittlerweile bekannt sein. Das ist eben Multikulti, genau so wie es die linksgrünen haben wollten. Realistische Kritik daran wurde und wird stets mit er Nazi und Rassismus Keule beantwortet.

14.12.2018 16:37 pkeszler 38

@K.J.: "hoffentlich müssen die den Begriff Volkszorn nicht mal definieren !!!"
Ich hoffe doch, dass Sie gegen jede Art von Messersteicherei sind. Dann brauchen Sie auch nicht den Volkszorn zu befürchten. Welcher "normale" Mensch läuft auch ständig mit einem Messer in der Tasche herum und wartet nur auf eine günstige Gelegenheit, es anzuwenden? Bei so einen Menschen muss doch etwas nicht stimmen.

14.12.2018 16:11 maheba 37

@14.12.2018, 11.00 Max.W
Waren sie schon mal in Israel? Ich schon.
Trotz der dort herrschenden kritischen Sicherheitslage fühlte ich mich immer sicher und wurde auch nie kontrolliert. Die Israelischen Sicherheitskräfte kontrollieren nach dem System Racial Profiling (auch „ethnisches Profiling“ genannt).
Da dieses Profiling in Deutschland als diskriminierend gilt und mahebanicht angewandt wird, wird wie gesagt, jeder zum potentiellen Täter.

14.12.2018 15:12 Schrumpel 36

@ Mediator,Nr. 11: Wo bitte genau kann ich die von Ihnen hier erwähnten Statistiken einsehen. Ich habe jetzt eine ganze Weile gesucht, aber leider nix gefunden. Ich freue mich, wenn Sie Ihren Kommentar mit Fakten und Quellen hinterlegen würden, natürlich nur, falls überhaupt möglich. Und @ MDR: wäre es nicht besser, wenn Sie solche Kommentare erst veröffentlichen, wenn Sie geprüft oder recherchiert wurden. Ansonsten besteht die Gefahr, Sie stehen im Verdacht Fake-News zu verbreiten.

14.12.2018 15:07 K.J. 35

Gestochen ist gestochen, da ist es doch egal mit was . Die Dummheit von Politikern treibt Blüten, die Ihresgleichen suchen !!! ,, Wir müssen definieren was ein Messer ist", hoffentlich müssen die den Begriff Volkszorn nicht mal definieren !!!

14.12.2018 13:48 Werner 34

Nachtrag: Habe beim Lesen keine Kamera am Computer. Auch kein Micro. Die "Versteckte Kamera" kann es daher nicht sein. Aber irgendwas in die Richtung muss es sein, wenn es bei der Definition von "Messer", ein Rätselraten in allerhöchsten Polizeigewerkschafterkreisen gibt, aber eigentlich zum Thema keiner mehr richtig lachen kann.