Papst Franziskus kommt zu seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan an.
Erst vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus einen früheren Erzbischof des Priesteramts enthoben. Dieser soll Minderjährige sexuell missbraucht haben. Bildrechte: dpa

Papst lädt zur Konferenz Vatikan thematisiert Missbrauch in der katholischen Kirche

Am Donnerstag startet im Vatikan eine Konferenz, bei der es um Missbrauch in der katholischen Kirche gehen soll. Dazu hat Papst Franziskus zahlreiche Kirchenvertreter eingeladen. Was erwarten Betroffene, aber auch Geistliche von dem Treffen?

von Konstantin Kumpfmüller, MDR AKTUELL

Papst Franziskus kommt zu seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan an.
Erst vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus einen früheren Erzbischof des Priesteramts enthoben. Dieser soll Minderjährige sexuell missbraucht haben. Bildrechte: dpa

Eine Studie im Auftrag der Bischofskonferenz zeigt das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Zwischen 1946 und 2014 gab es fast 3.700 potenzielle Opfer. Laut Priester Gregor Giele von der Gemeinde St. Trinitatis in Leipzig sind alle Regionen Deutschlands davon betroffen. In jedem Bistum habe es bis in die jüngere Vergangenheit Fälle von Missbrauch gegeben.

Das heißt, jeder Priester kennt mindestens einen Kollegen, der beschuldigt ist, der auch selber Täter geworden ist.

Gregor Giele, Priester

Das lasse niemanden kalt, sagt Giele. "Mit der fast immer gleichen Erfahrung: Das hätte man sich nicht vorstellen können. Von wem kann man sich so etwas auch vorstellen?"

Hohe Erwartungen an die Konferenz

Die viertägige Konferenz im Vatikan soll die Führung der katholischen Kirche mit dem Thema Missbrauch konfrontieren. Fast 200 Geistliche aus aller Welt werden erwartet. Ein wünschenswertes Ergebnis wären weltweit einheitliche Standards, findet der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr.

Das ist in einem solchen Ausmaß, dass man Maßnahmen ergreifen muss und zwar in allen Ländern.

Ulrich Neymeyr, Erfurter Bischof

Missbrauchsfälle in Mitteldeutschland

Auch in den mitteldeutschen Bistümern Erfurt, Magdeburg und Dresden-Meißen gab es mehrere Vorfälle von Missbrauch. Es gebe aber schon jetzt wirksame Maßnahmen dagegen, meint Stephan von Spies, Präventionsbeauftragter des Bistums Dresden-Meißen. Zum Beispiel die Entbindung eines Priesters vom Amt.

"Wenn wir einen Priester laisieren, dann ist das eine sehr empfindliche Strafe für ihn, die weit über die weltliche Strafe hinausgeht", erzählt Stephan von Spies. "Er verliert sein Umfeld, er verliert seinen Beruf, er verliert seinen Ruf. Denn das Urteil wird im Zweifelsfall auch bekannt gegeben."

Kritik am Vatikan

Konkrete Beschlüsse werden vom Missbrauchsgipfel im Vatikan nicht erwartet. Angekündigt sind Referate und Gespräche. Für Betroffene sei das aber schon ein kleiner Erfolg, sagt Matthias Katsch. Als Jugendlicher wurde er selbst Opfer sexuellen Missbrauchs. Heute ist er Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch".

In den Vatikan eingeladen wurden die Betroffenengruppen nicht. Sie veranstalten parallel einen "Alternativen Missbrauchsgipfel". Die Forderungen: weitreichende Hilfsangebote und Entschädigungen. Und eine transparente Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche.

"Es muss im Kirchenrecht verankert werden: Wer als Priester Kindern oder Jugendlichen sexuelle Gewalt antut, kann nicht länger Priester sein", sagt Katsch. "Und wer als Bischof das vertuscht oder unter der Decke hält, kann nicht länger ein Leitungsamt in der Kirche innehaben und kann letztlich auch nicht mehr Priester sein."

Die Konferenz endet am Sonntag mit einem Gottesdienst. In den Tagen danach will Papst Franziskus dann in kleinem Kreis über weitere Schritte beraten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2019 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 05:00 Uhr

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7 Kommentare

21.02.2019 21:05 Volksmund 7

«Dieser Gipfel ist nicht mehr als eine Show. Es ist klar, was getan werden müsste, doch leider hat der Papst entschieden, nicht zu handeln»
Der Papst hat die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in den Vatikan zitiert, um über Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche zu sprechen. Bei der Eröffnung wählte er deutliche Worte, konkrete Massnahmen wird es aber kaum geben. (nzz.ch/international/missbrauchsopfer-erwarten-sich-nicht-viel-vom-treffen-der-bischoefe-/)

21.02.2019 13:28 RZille 6

"Wer Kindern sexuelle Gewalt antut, kann nicht länger Priester sein". Wow, was für eine revolutionäre Feststellung...
Die katholische Kirche hat sich in hunderten bis tausenden Fällen der Vertuschung schlimmster Straftaten schuldig gemacht und bekommt vom sie durchfütternden Staat auch noch den Rückhalt, Missbrauchsfälle kirchenintern unter Auschluss der Justiz zu "ahnden". So werden mehrfache Vergewaltiger dann mal eben zur Strafe versetzt, während tausende Leute wegen Schwarzfahren oder nicht bezahlter Rechnungen in deutschen Knästen versauern.
Wer noch Mitglied ist, sollte schleunigst austreten.

21.02.2019 11:41 Glaube 5

Glaube denn wirklich ein Mensch, dass sich in Zukunft etwas ändern wird? Gab es in der Vergangenheit Missbräuche, wird zukünftig das Zusammenleben mit einer Frau (oder einem Mann) legalisiert. So kann man auch Situationen entschärfen.
Aber ob die Kirche dann noch "glaubwürdig" ist, wage ich sehr zu bezweifeln.

21.02.2019 11:03 007 / DE ist kaputt! 4

Wenn der Papst diese perversen Kinderschändungen nicht endlich in den Griff bekommt sollte er zurück treten!!!

Mir scheint die Kirche ist nicht nur (un)- frei von Sünde sondern auch frei von weltlicher Strafe. Die Kirche steht jenseits des Rechts. Wieso verdammt u zugenäht wird nicht gegen diese "Würdenträger" von unserer Justiz ermittelt? Das ist ein Skandal. Die geschändeten Kinder bekommen kein recht. Es ist völlig Bockwurst was der Klerus tut, oder er prüft oder versetzt. Für diese Pädophilen Kinderschänder darf es kein Absolution geben, die gehören in den Knast. Was ist das für ein S.... Stall. Steht die Kirche über den Staat, außerhalb des Rechts? Das darf nicht sein. Roman Reusch bitte übernehmen sie ...

21.02.2019 09:15 Halligalli 3

Da werden wieder die Böcke zu Gärtnern gemacht!

21.02.2019 08:44 Ludwig 2

"Wenn wir einen Priester laisieren, dann ist das eine sehr empfindliche Strafe für ihn, die weit über die weltliche Strafe hinausgeht", erzählt Stephan von Spies. "Er verliert sein Umfeld, er verliert seinen Beruf, er verliert seinen Ruf. Denn das Urteil wird im Zweifelsfall auch bekannt gegeben."
Ja und? Mit dieser Einstellung dürfen doch die Täter nicht geschützt werden. Schlimmstenfalls werden sie vom sozialen Netz unseres Staates aufgefangen. Sie sind wie alle anderen Straftäter zu behandeln. Wenn ein katholischer Arzt nach Scheidung neu verliebt und heiratet, hat die gleiche Kirche keine Bedenken ihm den Arbeitsplatz zu kündigen. Nur scheinheilig diese Pfaffen ...

21.02.2019 07:17 Mustermann 1

Viel interessanter wäre zu wissen, was die polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen die letzten Jahre ergaben?

Schließlich sind doch - oder sollen doch - vor dem Gesetz alle Menschen gleich sein...