Die Rückseite des Bildes "Stillleben vor einem Fenster in St. Raphael" von Pablo Picasso mit Vermerken und Hinweisen ist in der Ausstellung "Biografien der Bilder - Werke und Provenienzen im Museum Berggruen" zu sehen.
Picasso von hinten - Museum Berggruen dokumentiert Geschichte ihrer Bilder. Bildrechte: dpa

Ausstellung Die Geschichte hinter den Bildern im Museum Berggruen

Im Berliner Museum Berggruen ist eine ungewöhnliche Ausstellung eröffnet worden. Zu sehen sind berühmte Gemälde - aber nicht von vorn, sondern sozusagen von hinten. Gezeigt wird die Besitzgeschichte der Sammlung. Drei Jahre hatte das Museum daran gearbeitet – fertig wurde sie zum 20. Jahrestag der Washingtoner Erklärung zu NS-Raubkunst. Kulturstaatsministerin Grütters kündigte an, die Kompetenz des in Deutschland mit Provenienzforschung befassten Zentrums Kulturgutverluste zu erweitern.

von Torben Lehning, MDR AKTUELL

Die Rückseite des Bildes "Stillleben vor einem Fenster in St. Raphael" von Pablo Picasso mit Vermerken und Hinweisen ist in der Ausstellung "Biografien der Bilder - Werke und Provenienzen im Museum Berggruen" zu sehen.
Picasso von hinten - Museum Berggruen dokumentiert Geschichte ihrer Bilder. Bildrechte: dpa

Die Vorderseiten der Gemälde des Museums Berggruen Museums in Berlin sind gemeinhin bekannt - weltbekannt. Sie waren es, die den jüdischen Kunstsammler Heinz Berggruen begeisterten und seine Sammlung, heute im Besitz der Berliner Nationalgalerie, zu einem Aushängeschild der klassischen Moderne werden ließen.

Doch in der aktuellen Ausstellung spielen die Vorderseiten der Gemälde von Matisse, Picasso, Braque oder Klee nur eine untergeordnete Rolle. Die Rückseiten der Bilder stehen im Fokus, denn auf ihnen prangen die Vermerke über den Besitz und über den Handel mit den wertvollen Gütern.

Die Rückseite des Bildes "Der Bildhauer und sein Werk" von Pablo Picasso mit Vermerken und Hinweisen ist in der Ausstellung "Biografien der Bilder - Werke und Provenienzen im Museum Berggruen" zu sehen.
Drei Jahre hat das Museum an der Dokumentation gearbeitet. Bildrechte: dpa

Um die Geschichte der Bilder zu rekonstruieren, begaben sich Wissenschaftler der Stiftung "Preußischer Kulturbesitz" und der "Berliner Nationalgalerien" drei Jahre lang auf eine Spurensuche in die Vergangenheit. Das Ergebnis – vier der Gemälde, drei davon Pablo Picassos Werke, wurden durch den "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" entwendet und gelangten erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs in die Hände ihrer angestammten Besitzer.

Washingtoner Erklärung – Start einer ewigen Suche

Die Wiederaufarbeitung der ungeklärten NS-Raubkunstfälle dauert fort – noch 20 Jahre nach den Washingtoner Beschlüssen. Damit hatten die Konferenzteilnehmer um Initiator und US Diplomat Stuart E. Eizenstat nicht gerechnet. Im Jahr 1998 glaubte man noch, dass die Suche nach den geschätzt über 600.000 von den Nazis entwendeten Kunstwerken bis zur Jahrtausendwende abgeschlossen sein könnte.

Ein offensichtlicher Trugschluss. Experten gehen davon aus, dass sich viele der geraubten Kunstwerke in privatem Besitz befinden. Diese Werke zu untersuchen ist rechtlich gesehen kaum möglich. "Wahrscheinlich wird man die Provenienzforschung nie vollständig abschließen können", erklärt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger.

Washingtoner Erklärung Im Dezember 1998 einigten sich 44 Staaten sowie mehrere Opferverbände auf der Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust auf eine für die Kunstwelt revolutionäre Erklärung. Ziel der sogenannten Washingtoner Prinzipien ist es, von den Nationalsozialisten geraubte Kunst ausfindig zu machen und gemeinsam mit ihren Eignern oder deren Erben "faire Lösungen" für den weiteren Verbleib zu finden.

Die Arbeit der Kultur-Detektive

Nichtsdestotrotz stelle die Erklärung eine Revolution dar, erklärt Uwe Hartmann, Fachbereichsleiter der Provenienzforschung vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK). Das Institut ist für die Wiederaufarbeitung geraubter NS-Kunst zuständig und förderte auch die Spurensuche des Museums Berggruen. Seit drei Jahren hat das Zentrum seinen Sitz in Magdeburg und stellt Nachforschungen über Kunst-Raubzüge der Nationalsozialisten an. Bislang durften die Magdeburger Experten nur dann tätig werden, wenn sowohl ein Anspruchssteller als auch das betroffene Museum einer Spurensuche zustimmten. Doch das könnte sich bald ändern.

Grütters: Mehr Kompetenzen für Forschungszentrum

Monika Grütters
Kulturstaatsministerin Monika Grütters Bildrechte: dpa

Anlässlich des 20. Jubiläums der Washingtoner Erklärung kündigte Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine Vereinfachung des Provenienzverfahrens an. So soll es künftig ausreichen, wenn ein Anspruchssteller den Verdacht äußert, Erbe eines eventuell durch die Nationalsozialisten entwendeten Kunstwerkes zu sein, damit das Zentrum für Kulturgutverluste tätig wird.

Grütters fügte hinzu, man sei mit dem Bundesfinanzministerium im Gespräch, um den Rückkauf von NS-Kunst zu ermöglichen. Uwe Hartmann, Fachbereichsleiter des Magdeburger DZK, zeigte sich glücklich über diese Entscheidung. "Das ist ein guter Weg. Wir wünschen uns auch von privaten Sammlern angerufen zu werden. Schließlich gilt es, die Geschichte der Werke zu Tage zu fördern".

Dass die Geschichte hinter den Bildern nicht nur interessant, sondern auch ästhetisch ausgestellt werden kann, beweist das Museum Berggruen. Ein Besuch lohnt sich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 21. November 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 17:55 Uhr