Namensänderung Matt-Eagle und Ronny-Rambo: Wie wird man ungeliebte Namen wieder los?

Für seinen Namen kann keiner was – außer natürlich die eigenen Eltern. Doch wer sich wirklich gar nicht mit dem eigenen Namen anfreunden will, der kann ihn ändern lassen. In München zum Beispiel interessieren sich immer mehr Bürger dafür, wie und bis wann sich ein Name ändern lässt. Wir erklären die bürokratischen Hürden und warum manche Menschen nun mal heißen, wie sie heißen.

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Standesämter entscheiden über Namenszulassung

Ein Blick auf die Liste der Namen, die in den vergangenen Jahren von Standesämtern zugelassen wurden, lässt ahnen, warum immer mehr Menschen ihren Vornamen ändern möchten. Zu den kuriosesten Beispielen gehören da: Emilia-Extra, Imperial-Purity oder auch einfach Despot.

Ob Kinder solche Namen tragen dürfen oder nicht, darüber entscheiden die Standesämter. Und die holen sich im Zweifelsfall gerne eine Empfehlung von der Gesellschaft für Deutsche Sprache, erzählt Mitarbeiterin Frauke Rüdebusch: "Es gibt keine Gesetze, die die Vornamenvergabe regeln würden. Aber es gibt Richtlinien, die sind im Personenstandsgesetz festgehalten. Und das wichtigste, woran wir uns immer halten, ist, dass das Kind nicht zu Schaden kommen darf durch einen Namen. Dass es also nicht gehänselt wird auf dem Schulhof, weil es einen bestimmten Namen trägt, Probleme bei der Jobsuche später bekommt, dass es also nicht der Lächerlichkeit preisgegeben wird."

Gesellschaft für Deutsche Sprache gibt Empfehlungen

Außerdem müssen die Namen als Vornamen zu erkennen sein. "Stuhl" würde also zum Beispiel wirklich nicht gehen. Und die Namen sollten möglichst eindeutig das Geschlecht erkennbar machen. Obwohl diese Regel mittlerweile nach und nach aufweicht und manche Standesämter auf einen eindeutig männlich oder weiblichen Zweitnamen verzichten. Am eigenen, ungeliebten Namen trägt die Gesellschaft für deutsche Sprache dennoch keine Schuld. "Wir geben nur eine Empfehlung aus sprachlicher Sicht ab, die juristische Entscheidung trifft das Standesamt. Oder ein Gericht."

Und genau da lässt sich der Vorname bei Erwachsenen im schlimmsten Fall auch ändern. Allerdings braucht es triftige Gründe. Die können aber ganz vielfältig sein. Denn welcher Name warum negativ bewertet wird, ist natürlich sehr unterschiedlich – zeigt eine Umfrage von MDR AKTUELL:

  • "Chantal ist so ein Name, wenn man den hört, denkt man gleich an eine Asoziale. Und Kevin, da denkt man gleich an einen Trottel."

  • "Jacqueline war bei uns früher so, das hat man so vereiert. Mit Jak-e-lin-e."

  • Gladys! Keine Ahnung, das ist so ein abschreckender Name. Da kriegst du das Ekeln, wenn du Gladys hörst."

  • "Oder Ronny! Ronny strahlt Dummheit aus."

Psychologisches Gutachten notwendig

Soll der eigene Name geändert werden, weil er als seelisch belastend erlebt wird, braucht es ein psychologisches Gutachten. Der Antragsteller muss auch beweisen, dass er durch seinen Namen Schwierigkeiten erlebt. Wenig Chancen auf eine Namensänderung hat, wer in seinem Leben schon straffällig geworden ist.  Ist der Antrag beim Standesamt einmal eingereicht, dauert es in der Regel sechs bis acht Wochen ehe der neue Name endlich offiziell ist. Und der kostet auch ganz schön: bis zu 270 Euro.

Die Emilia-Extras, Cinderella-Melodies und Matt-Eagles sind übrigens noch zu klein, um eine Namensänderung zu beantragen. Aber die Möglichkeit haben sie spätestens mit 16 garantiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2018 | 05:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2018, 10:24 Uhr

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4 Kommentare

23.07.2018 19:34 D.B. 4

Da sind wir wieder mal bei unserem Zeitgeist. Ein Wort oder Name ist wichtiger als die Persönlichkeit welche dahinter steht.
Ein Stift der ordentlich ausgebildet ist wird schlechter bewertet als der AZUBI der es gelernt hat die Werkstatt zu fegen.
"Ich bin Deetleef und wer bist Du?" hörte ich öfter in meinem langen Leben. Mich hat das stark gemacht. Was sind das für Weicheier ohne Selbstbewusstsein die mit Ihrem Namen wegen anderer nicht zurechtkommen. Und die, die denken mit Ihren Namen etwas besonderes zu sein, müssen ganz blasse Persönlichkeiten sein.
Und nun mal nachdenken:
"Ich bin Detlev und Du?"

23.07.2018 18:10 Frank 3

@ 2: Befassen Sie sich mal mit dem diesbezüglichen Recht in anderen Ländern. Da geht das, was in Deutschland unmöglich scheint und keiner regt sich auf, bzw. fühlt sich bevormundet.

23.07.2018 17:38 mattotaupa 2

@#1: "Warum hat der Gesetzesgeber diesen Schwachsinn erst ermöglicht?" soll der gesetzgeber den eltern jetzt tatsächlich das denken abnehmen? wenn es den eltern egal ist, wie der name des kindes rüberkommt, dann ist doch nicht der gesetzgeber schuld! "warum sollen die Geschädigten dafür auch noch die Kosten tragen" die betroffenen können sich ja bei ihren eltern bedanken und sich nen namensänderungsgutschein zu weihnachten wünschen. warum soll ich für odin (erinnert an odie den strunzendoofen sabbernden hund bei garfield), ronny und chantal mit steuergeld zahlen? "diverse bürokratische Hürden" es müssen etliche dokumente und verzeichnisse geändert werden, was nunmal kosten bedeutet, und wenn sich schon die eltern keine größeren gedanken gemacht haben, so kann man damit vielleicht auch die änderungswilligen vor schnellschüssen bewahren.

23.07.2018 15:46 Frank 1

"Wie wird man ungeliebte Namen wieder los"?
Die Fragestellung ist falsch. Sie müsste richtig lauten: Warum hat der Gesetzesgeber diesen Schwachsinn erst ermöglicht? Und in der Endkonsequenz, warum sollen die Geschädigten dafür auch noch die Kosten tragen und bekommen diverse bürokratische Hürden vor die Nase gesetzt.

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