eine Hand mit Federhalter beim Schreiben auf ein Blatt Papier
Bildrechte: imago/Dirk Holst

Tag der Handschrift Ist die Zeit der Handschrift vorbei?

Menschen tippen auf ihren Smartphones, auf ihrem Computer, auf ihren Pads. Was richtet die Digitalisierung mit unserer Handschrift an? Wie verändert uns das und unsere Motorik? Während die einen in die Tasten hauen, versuchen andere dem Trend entgegenzusteuern: Mit Schönschreib-Kursen.

von Wiebke Schindler, MDR AKTUELL

eine Hand mit Federhalter beim Schreiben auf ein Blatt Papier
Bildrechte: imago/Dirk Holst

Am Handschriftenzentrum der Unibibliothek Leipzig analysieren Experten mittelalterliche Schriften. Die Begeisterung zum geschriebenen Wort, hier ist sie ungebrochen. "Es ist faszinierend, was sich aus den Beständen alles herauslesen lässt. In welchem materiellen Zustand sind die Schriften, welche Spuren weisen die Seiten auf, aus welchem Papier sind sie gemacht? Manchmal finden sich Notizen am Seitenrand", sagt Matthias Eifler vom Handschriftenzentrum der Unibibliothek Leipzig. Ob sich Forscher in Zukunft mit den Schriften unserer Zeit so akribisch auseinandersetzen - eher unwahrscheinlich. "Ich will gar nicht so kulturpessimistisch sein. Wir können schnell über den Kontinent hinweg kommunizieren. Das hat viele Vorteile. Aber natürlich hat unser E-Mail-Verkehr nicht die gleiche Bedeutung wie solch ein einzigartiger Bestand aus dem Mittelalter."

Schönschreiben gegen die Digitalisierung

Jenny Falke möchte dem geschriebenen Wort der heutigen Zeit wieder Bedeutung verleihen. Sie bietet in Halle unter dem Namen Nysa.LetterLove sogenannte Handlettering-Kurse an. Kurse, in denen man Schönschreiben erlernen kann. Jenny Falke sagt, es sei fast wie eine neue Schrift zu erlernen. Mal eben schnell etwas aufschreiben, so ginge das beim Lettering nicht. Vergleichbar sei diese Schreibtechnik eher mit Zeichnen.

Beschriften könnten die Kursteilnehmer alles. Von der Grußkarte bis zum Einrichtungsgegenstand. Und schönschreiben könne jeder, sagt Jenny Falke. Zeit brauche es aber.

Zahlreiche Workshop-Teilnehmer üben sich im Schreiben.
Bildrechte: Jenny Falke

Viele Kursteilnehmer haben wenig Geduld mit sich. Schreiben im Alltag bedeutet, dass es schnell gehen muss. Aber beim Lettern geht es darum, sich Zeit zu nehmen, nicht auf die Uhr zu schauen, kreativ zu sein. Nach so einem Kurs sind die meisten tiefenentspannt.

Jenny Falke Nysa.LetterLove

Erst im Oktober ist sie mit ihren Lettering-Kursen gestartet. Nebenberuflich ist ihre Liebe zur Handschrift. Eine Schreibtechnik, die einen Nerv der Zeit zu treffen scheint. Einmal im Monat bietet sie ihren Kurs an - bis April sind alle Plätze jetzt schon ausgebucht. In der Region ist sie eine der Wenigen, die das spezielle Handwerk beherrscht. Vieles habe sie sich selbst beigebracht, einiges in anderen Kursen gelernt. Nun wolle sie das Schönschreiben in die Region bringen. Auch Kurse in Leipzig oder Dresden könne sie sich vorstellen.

Eine Frau steht hinter einem Tisch.
Bildrechte: Jenny Falke

Mit der Hand schreiben bildet

In die Tasten hauen, statt einen Stift in der Hand halten: Marianela Diaz Meyer sieht das kritisch. Sie leitet das Schreibmotorik Institut in Düsseldorf. Geht es nach ihr, sollten gerade Kinder häufiger mit Hand und Stift schreiben.

Schreibanfänger können Buchstaben, die sie mit der Hand zu schreiben gelernt haben, besser erkennen. Beim Tippen handelt es sich dagegen immer um die gleiche Bewegung, egal ob ich ein A, ein S oder ein B drücke.

Aber auch Erwachsene, die der Sprache und Schrift mächtig sind, empfiehlt die Expertin die Handschrift im Alltag. So sei es ein enormer Unterschied sich Notizen per Hand aufzuschreiben oder in einen Laptop zu tippen. Per Handschrift könne man Informationen schon während des Schreibens verarbeiten.

Sowohl Kinder als auch Erwachsene können besser Lesen lernen, sich Faktenwissen besser merken sowie ein besseres inhaltliches Verständnis erlangen. Handschreiben spielt also eine entscheidende Rolle für die Bildungschancen.

Marianela Diaz Meyer Schreibmotorik Institut

Dabei sei digitale Technik und Handschrift aber kein Widerspruch. Wichtig seien nur die Schreibbewegungen, die motorischen Fähigkeiten. Auf einem Pad oder einem Whiteboard zu schreiben, sei deshalb eine technische Entwicklung in die richtige Richtung. Handschrift digital.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23. Januar 2019 | 07:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 17:44 Uhr

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4 Kommentare

23.01.2019 22:13 MarcIlm 4

Denke an den Schlager von dem Ensemble KRAFTWERK...Wir sind die Roboter...

23.01.2019 20:51 Basti 3

Naja die Welt ist halt modern geworden. Wenn es heute Handys und Computer gibt und man hat damit die Möglichkeit schriftlich mit jemandem zu kommunizieren, warum sollte man dann wie vor 100 Jahren anderen Briefe schreiben. Wenn man Schreiben für Behörden fertig macht dann sieht es am Rechner auch einfach besser aus und der Empfänger hat die Garantie alles lesen zu können.

23.01.2019 20:40 Karl Sommer 2

Wir schreiben immer noch sehr gerne analog mit dem Federfüllhalter seit Kindheitstagen. Ist auch sehr gut für das Gehirn, wie auch das gute alte Buch vor den Augen zu haben.
Digital höre und lese ich,
aber auch analog gespeicherte Musik. Digitale Unterschrift ist schnell kopiert. Wasserzeichen einsetzen, dann geht es vielleicht.

23.01.2019 18:33 Markus 1

Jede Woche hören wir über Datenklau. Es wäre zu naiv, zu denken, dass digitale Unterschrift nicht geklaut werden kann, wie alle übrige persönliche Daten.