Herzdruckmassage an einer Erste Hilfe Übungspuppe
Viele Ersthelfer sind zu zaghaft und trauen sich eine Herzdruckmassage nicht zu. Bildrechte: dpa

Wiederbelebung Keine Ahnung bei Herzattacken: Ersthelfer wissen zu wenig

In Deutschland könnten pro Jahr 10.000 Menschen mehr eine Herzattacke überleben, würden sich mehr Laien an die Erste Hilfe trauen. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Viele Ersthelfer sind unsicher, was zu tun ist. In nur gut einem Drittel der Fälle versuchen sie, Bewusstlose wiederzubeleben.

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Herzdruckmassage an einer Erste Hilfe Übungspuppe
Viele Ersthelfer sind zu zaghaft und trauen sich eine Herzdruckmassage nicht zu. Bildrechte: dpa

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin betreibt seit zehn Jahren das Deutsche Reanimationsregister. Rettungsdienste und Krankenhäuser speisen dort alle Daten zu reanimierten Personen ein. Daraus ergibt sich: Nur in gut einem Drittel der Notfälle versuchen Laien, Bewusstlose wiederzubeleben.

Präsidiumsmitglied Jan-Thorsten Gräsner sagt: "Vor fünf Jahren waren wir noch Letzter beziehungsweise Vorletzter in Europa. Jetzt haben wir uns hochgearbeitet." Der Durchschnitt in Europa liege bei knapp 50 Prozent, damit sei Deutschland mit einer Quote zwischen 30 und 35 Prozent immer noch im unteren Drittel. Zum Vergleich: Skandinavien liege bei 70 bis 80 Prozent. "Das heißt, wir haben noch einen Weg vor uns", sagt Gräsner.

Ersthelfer zu zaghaft

Aber warum leisten Menschen so oft keine Erste Hilfe? Die Gründe sind Gräsner zufolge seit Jahren dieselben. So würden viele Menschen Angst haben, etwas verkehrt zu machen und nur noch mehr Schaden zu verursachen. Eine Herzdruckmassage sehe ja auch erst einmal dramatisch aus.

Außerdem würden viele schlicht nicht wissen, dass sie mit einem beherzten Drücken auf den Brustkorb tatsächlich Leben retten können. Die Experten haben berechnet, dass in Deutschland pro Jahr 10.000 Menschen mehr eine Herzattacke überleben könnten, würden sich mehr Laien an die Erste Hilfe trauen.

Wichtig ist Herzdruckmassage

Wer nun überlegt, wie das war mit dem 30:2-Rhtyhmus aus Massage und Beatmung, wer vielleicht in Erinnerung an die Fahrschule noch den Song "Stayin'Alive" von den Bee Gees im Ohr hat, für den hat die Notfallmedizinerin Jacqueline Bergmann noch ein paar Tipps parat:

Die Mund-zu-Mund-Beatmung steht nicht mehr im Vordergrund. Die Leute, die sich das zutrauen, sollen es machen. Wichtig ist die Herzdruckmassage.

Jacqueline Bergmann, Notfallmedizinerin

Das Blut muss ins Gehirn

Da nach einem plötzlichen Herzstillstand eines Erwachsenen noch für einige Minuten ausreichend Sauerstoff im Blut ist, muss er dorthin gepumpt werden, wo er gebraucht wird - ins Gehirn. Dafür setzt man die Hände mit ausgestreckten Armen auf die Mitte des Brustkorbes, und drückt im Rhythmus des Songs "Stayin' Alive" - das ist ungefähr 100 Mal pro Minute.

Und dann: Pumpen bis der Arzt kommt. Eine gebrochene Rippe ist das geringere Übel. Denn die Hauptsache ist eben doch: Stayin' Alive - am Leben bleiben.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 04.05.2017 | 5:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2017, 07:19 Uhr

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3 Kommentare

04.05.2017 19:24 Sanitäter 3

@1: An deinem Verständnis von Nächstenliebe ist die Regierung schuld?
Das musst du mir erklären.
Auf wen sollte ich es dann schieben, wenn ich dich bewusstlos liegen lasse?
Wer sind wir (Laien) zu entscheiden, wer es verdient hat zu leben, und wer nicht?

@ 2: Gute Idee, allerdings ist meine Erfahrung: Die beste (multimediale) Erklärung ersetzt nicht das praktische üben. Wer es vorgeführt kriegt, und nach macht merkt sich nicht nur visuell und akustisch das aufgenommene, sondern auch über Handlungs- und Bewegungsabläufe.

Und warum nicht per Gesetz? In den schulischen Lehrplan aufnehmen!

Ich kenne mind. eine Privatschule, die das schon verpflichtend macht.

Schulpflicht gibts doch auch in Deutschland.

04.05.2017 08:31 bippus 2

Es wäre schon SINNVOLL das jeder seine Erste Hilfe Kenntnisse auffrischt- aber bitte nicht per Gesetz.In den Medien könnte man sowas machen und dafür Arztserien kürzen.

04.05.2017 05:48 Mr. 100 Prozent 1

soll ich ganz ehrlich sein?

es kommt darauf an welche Person Hilfe benötigt. Da brauche ich weder euch noch mir selbst etwas vorlügen.

Die Schuld an meiner Haltung gebe ich allein der Bundesregierung!