Ein Notarzt bringt einen Patienten zur Stroke Unit eines Krankenhauses
Welche Leistungen bietet eine Klinik an? Danach richten sich künftig die Zuschläge für die Notfallversorgung. (Symbolbild; Einlieferung eines Schlaganfall-Patienten in das Uni-Klinikum Erfurt). Bildrechte: IMAGO

Schnelle Hilfe Neue Finanzierung der Notfallversorgung bringt kleinere Krankenhäuser in Bedrängnis

Seit Jahren beklagen die Krankenhäuser: Das Geld, das sie für ihre Notfallversorgung bekommen, reicht nicht aus. Lange wurde darüber verhandelt und nun gelten neue Regeln. Wieviel Geld ein Krankenhaus bekommt, hängt dann nicht mehr von der Zahl der Patienten ab, sondern davon, welche Leistungen die Klinik anbieten und vorhalten kann. Steht die Notfallversorgung in manchen Regionen deshalb nun auf der Kippe? Wir haben in Sachsen nachgefragt.

von Astrid Wulf

Ein Notarzt bringt einen Patienten zur Stroke Unit eines Krankenhauses
Welche Leistungen bietet eine Klinik an? Danach richten sich künftig die Zuschläge für die Notfallversorgung. (Symbolbild; Einlieferung eines Schlaganfall-Patienten in das Uni-Klinikum Erfurt). Bildrechte: IMAGO

Die Notfallversorgung ist für die Dresdner Uniklinik bisher ein Minusgeschäft. Das sagt Michael Albrecht, der Medizinische Vorstand des Krankenhauses. Die Klinik sei ein sogenannter Maximalversorger mit vielen Betten, vielseitig ausgebildeten Fachärzten und Spezialgeräten. "Wir wollen damit ja kein Geschäft machen, aber dass diese Vorhaltungen von Spezialisten, von Pflegekräften, von Strukturen" aufrecht erhalten werden müssten, sei teuer. Mit der bisher gültigen Regelung seien nur die konkreten Leistungen von den Kassen bezahlt worden, nicht aber die Kosten für das Vorhalten der dafür nörigen Strukturen, erklärt Albrecht. So sei für seine große Klinik ein Minusgeschäft entstanden.

Neue Regeln

Doch das ändert sich jetzt. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen und Krankenhausgesellschaft hat neue Regeln festgelegt. Ab diesem Jahr soll die Notfallversorgung transparenter und das Geld gerechter verteilt werden, erklärt Friedrich München, Vize-Geschäftsführer der Sächsischen Krankenhausgesellschaft: "Die Krankenhäuser, die nicht so viele Ärzte oder Abteilungen vorhalten, sollen sozusagen eine niedrigere Vergütung bekommen als diejenigen, die besonders ausgefeilte Technik wie zum Beispiel ein MRT vorhalten."

Zuschläge in drei Stufen

Dafür gibt es drei Stufen. Je nachdem, welche Voraussetzungen eine Klinik erfüllt, erhält sie eine Pauschale in sechsstelliger Höhe. Geld, das die Kassen laut sächsischem Verband der Ersatzkassen zusätzlich ausgeben werden. Für Stufe 1, den Basis-Zuschlag, muss zum Beispiel ein Chirurg innerhalb von 30 Minuten verfügbar sein. Und auf der Intensivstation müssen mindestens drei Beatmungsbetten stehen.

Doch es gibt Krankenhäuser, die auch diese Basis-Stufe nicht erreichen. Zum Beispiel das Krankenhaus Bethanien in Plauen. Ein kleines Haus, das auf den Bereich Hals, Nasen und Ohren spezialisiert ist. Solchen Kliniken droht statt einem Zuschlag nun eine Abschlagszahlung – und das pro Patient. Geld, das fehlen würde, sagt Andreas Lehr, Betriebsdirektor in Plauen.

Wenn wir mit Abschlägen belegt würden, ist das schon eine Sache, die uns wirtschaftlich in arge Not bringt.

Andreas Lehr Betriebsdirektor Krankenhaus Bethanien in Plauen

Es handle sich um Beträge, die nicht unerheblich seien, meint Lehr und warnt: "Diese Regelung, die ist schon existenzbedrohend und wir sind sicherlich nicht die Einzigen, die das betrifft."

Müssen Krankenhäuser schließen?

Wenn das Geld nicht mehr reicht, müsste das ganze Krankenhaus schließen, denn eine Notaufnahme ist für Akut-Kliniken in Sachsen Pflicht. Lehrs Befürchtung ist, dass Krankenhäuser so vom Markt verdrängt werden könnten. Die Sächsische Krankenhausgesellschaft geht davon aus, dass im Land bis zu zehn der fast 90 Akut-Kliniken betroffen sind. Der Verband der Ersatzkassen, der die neuen Regeln mitverhandelt hat, glaubt aber nicht, dass nun die Versorgung ganzer Regionen auf dem Spiel steht, so der sächsische Sprecher, Dirk Bunzel: "Wir erwarten nicht, dass sich jetzt einzelne Krankenhäuser aus der Notfallversorgung verabschieden. Das ist momentan nicht erkennbar."

Möglichkeiten der Befreiung

Krankenhäuser wie das in Plauen können noch hoffen, von der Abschlagszahlung befreit zu werden: Wenn sie zum Beispiel aufgrund ihrer Lage zwingend erforderlich sind, um die Notfallversorgung zu gewährleisten. Laut Sächsischem Sozialministerium haben auf Anfrage von MDR AKTUELL bis Anfang Dezember 2018 fünf Krankenhäuser einen entsprechenden Antrag gestellt. Kurz vor Weihnachten hat die Behörde die Situation bei den sächsischen Krankenhäusern abgefragt, um sich ein umfassendes Bild zu machen. Nicht nur Andreas Lehr in Plauen hofft nun auf gute Nachrichten, wenn das Ministerium Anfang des Jahres über die Ausnahmen entscheidet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2019, 06:29 Uhr

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16 Kommentare

03.01.2019 19:59 Christel Neubert 16

@Ekkehard Kohfeld 11
Danke für Ihre Antwort. Natürlich kann jeder seine Meinung äußern. Trotzdem kann man richtig schreiben. Das haben wir ja mal in der Schule gelernt. Ein Tippfehler - passiert. Aber bei man-chen Beiträgen kann man wegen der grauslichen Rechtschreibung schwer erfassen, was der Schreiber zum Ausdruck bringen will. - Nein, ich kann keine elektronische Schaltung berechnen. Deshalb lasse ich das auch sein. Christel Neubert.

03.01.2019 11:09 Ekkehard Kohfeld 15

Noch ein Aspekt den alle auch immer gerne vergessen.
Die Krankenhäuser oder besser gesagt deren Personal
ist mittlerweile so was von überlastet das die gar keine Zeit mehr haben für Fort und Weiterbildung,die bleiben alle
auf dem alten Wissensstand stehen,es findet kein Fortschritt mehr statt.Ich habe in meinem Umfeld und Bekanntenkreis einige Ärzte und Krankenschwestern die das bestätigen ich sauge mir das nicht aus den Fingern und als Patient durfte ich das leider in den letzten Jahren auch erleben,ich bin also kein völlig Außenstehender.Patienten in Betten auf dem Flur weil überfüllt das findet bestimmt niemand schon gar nicht die Betroffenen toll,in den Zimmern kommt man bald nicht mehr in die Dusche oder Toilette weil das Zimmer völlig über belegt und zugestellt ist.Und da soll dann noch eine vernünftige medizinische Versorgung möglich sein?????

03.01.2019 09:40 Ekkehard Kohfeld 14

@ Michael Petersen 12 Ihre Argumentation irrt. Der GBA bezieht sich nicht nur auf die technische Ausstattung, sondern auch auf Qualifikationen und infrastrukturelle Vorgaben. Darüberhinaus konnten Studien zeigen, dass die Qualität der medizinischen Versorgung in Zentren deutlich höher ist. Es kann nicht zielführend sein, dass beispielsweise Krankenhäuser ohne Intensivstation an der Notfallversorgung teilnehmen.##
Tut mir leid aber sie haben meine Kommentar gar nicht verstanden oder wollen ihn nicht verstehen.Es wird überall für Gründe gesucht Krankenhäuser zu schließen und das nicht nur im Osten.In meinem Umfeld sind die letzten Jahre 6 ländliche Krankenhäuser geschlossen worden,meinen sie das ist gut für die dortige Bevölkerung,Notarzt 30 min,Herzinfarkt tot?Und die größeren Krankenhäuser platzen aus den Nähten,das Personal kann wegen völliger Überlastung gar keine anständige Patientenbetreuung mehr leisten.Kommen sie nicht mit diesen für Lemminge produzierten Ausreden.

03.01.2019 08:42 Helmut Müller 13

Auch diese von den Krankenkassen und der Bundespolitik intiierte Maßnahme dient einzig dem Ziel, die kleinen Kliniken "wegzurationalisieren". Es ist ja seit Jahren geplant, die Zahl der Kliniken - übrigens bundesweit und nicht nur in den "neuen" Bundesländern - zu reduzieren. Und hierzu wurden verschiedene Folterinstrumente durch die Kassen-Politik-Allianz entwickelt: Gezielte Verminderung der Erlöse, Abschläge bei fehlender Notfallversorgung etc. pp. Die Niedertracht bei dem zitierten Beispiel der HNO-Klinik in Plauen ist ja, dass diese Klinik aufgrund ihrer Struktur noch nie an der allgemeinen Notfallversorgung beteiligt war, aber jetzt trotzdem Abschläge bei der Vergütung hinnehmen muss. Dieses ganze DRG-Fallpauschalen-System ist perfide wie sonst etwas. Aber die Bürger wählen ja immerwieder diejenigen Parteien, die für diese Entwicklung verantwortlich sind. Mal sehen, wie das Erinnerungsvermögen bei der Landtagswahl in Thürinen 2019 ausfällt ...

03.01.2019 08:33 Michael Petersen 12

@Ekkehard Kohfeld: Ihre Argumentation irrt. Der GBA bezieht sich nicht nur auf die technische Ausstattung, sondern auch auf Qualifikationen und infrastrukturelle Vorgaben. Darüberhinaus konnten Studien zeigen, dass die Qualität der medizinischen Versorgung in Zentren deutlich höher ist. Es kann nicht zielführend sein, dass beispielsweise Krankenhäuser ohne Intensivstation an der Notfallversorgung teilnehmen.

02.01.2019 18:08 Ekkehard Kohfeld 11

@ Christel Neubert 10 Bei Kommentaren jeglicher Art sollte man Rechtschreibung / Grammatik beachten, sonst blamiert man sich und wirkt inkompetent.##
Ich weiß nicht wen sie jetzt meinen,aber ich bin auch nicht perfekt,niemand ist in allem perfekt geht ja auch nicht wir sind Menschen und keine Computer,aber das das ein Grund sein soll hier nicht seine Meinung äußern zu dürfen entzieht sich mir,das machen hier meist Kommentatoren denen nicht anderes als Argument einfällt.Und Schreibmaschine hat nie zu meinem Beruf gehört ich gebe zu ich arbeite im 2 Fingersuchsystem da tippt man auch schon mal daneben.
Mal sehen ob sie eine elektronische Schaltung fehlerfrei berechnen können.Leider bietet der MDR keine Berichtigung
danach mehr an,ist wohl Technisch nicht möglich.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

02.01.2019 14:06 Christel Neubert 10

Zum Thema Notfallversorgung: Jeder Notarzt weiß, dass er je nach Krankheitsbild seines Patienten das nächste g e e i g n e t e Krankenhaus anfahren u. den Pat. anmelden muss. Eine Spezialklinik für HNO kann keine Notfallversorgung außerhalb des kleinen Spezialgebietes erbringen - hat dafür we-der Ausstattung noch Fachärzte. - Bei einem chirur-gischen Notfall ist das Eintreffen eines Chirurgen nach erst 30 Min. keine Notfallversorgung, sondern Fahrlässigkeit.- Bei Kommentaren jeglicher Art sollte man Rechtschreibung / Grammatik beachten, sonst blamiert man sich und wirkt inkompetent. - Mit freundlichen Grüßen Christel Neubert (26 Jahre Notärztin)

02.01.2019 12:20 Ekkehard Kohfeld 9

@ winfried 4 Eine "feine" Entwicklung ist das.
War früher flächendeckende Grund- und Notfallversorgung gewährleistet,
sind jetzt "Gerätemedizin-Zentren" das Ziel.##
Ich weiß nicht ob wirklich "Gerätemedizin-Zentren"
das Ziel sind ich würde eher sagen die Gewinnmaximierung.
Hier wurden mehrere kleiner Krankenhäuser geschlossen
weil rechnen sich ja nicht die einige größer Krankenhäuser
wurden etwas aufgestockt aber nicht ausreichend da stehen Patienten mit ihren Betten auf dem Flur und die Zimmer sind voll gestopft das man sich fast nicht mehr bewegen kann.
Und wie ich schon geschrieben habe sollten Krankenhäuser auch wie andere öffentliche Einrichtungen durch Steuern finanziert werden und keine Gewinne abwerfen,zumindest war das mal der Grundgedanke der Steuern,etwas mit dem Geld für die eigene Bevölkerung zu tun und nicht auf der ganzen Welt krieg spielen und die Betroffenen dann hier durch zu füttern toller Kreislauf nur nicht für uns.

02.01.2019 10:30 Ekkehard Kohfeld 8

@ Michael Möller 3 dieser Artikel bestärkt mich einmal mehr zu der Aussage " wir ostdeutschen sind von einer Diktatur in die nächste Diktatur gekommen und nicht in einen Rechtsstaat. sehr schade das die Stunde der Wiedervereinigung nicht genutzt wurde.##

Ich muß sie enttäuschen wir im Westen haben es auch nicht besser nach einem kurzen zwischen Hoch einige Jahre Demokratie sind wir von einer Diktatur mit kurzem Übergang in einer neuen gelandet,nur traut sich der Wessi das noch nicht das offen zu sagen wegen angst vor Repressalien (Maaßen) und der normale Bürger fällt nicht so weich.
Und alles im Öffentlichen sollt nicht wegen Geld erwirtschaften sein sondern wird durch unser Steuern finanziert dafür wurden Steuern mal eingeführt und nicht um die auf der ganzen Welt zu verteilen.

02.01.2019 10:23 Andreas 7

@ 1 , will das jemand wahr haben ????
schon lange, aber leider die feinen Gutmenschen begreifen es einfach nicht !!!!!!