Polizist vor ausgebrannter Kathedrale Notre-Dame
Polizist und Feuerwehrkräfte vor der ausgebrannten Kathedrale Notre-Dame. Die Frontseite mit den Glockentürmen konnte gerettet werden. Bildrechte: dpa

Paris Brand in Notre-Dame gelöscht

Der Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr komplett gelöscht. Jetzt sollen Statiker die Stabilität der Konstruktion überprüfen. Frankreich will das Wahrzeichen wieder aufbauen. Französische Milliardärsfamilien kündigten großzügige Unterstützung an.

Polizist vor ausgebrannter Kathedrale Notre-Dame
Polizist und Feuerwehrkräfte vor der ausgebrannten Kathedrale Notre-Dame. Die Frontseite mit den Glockentürmen konnte gerettet werden. Bildrechte: dpa

Das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist gelöscht. "Das ganze Feuer ist aus", sagte Feuerwehrsprecher Gabriel Plus am Dienstagvormittag. Nun beginne die Phase der Begutachtung.

Das Feuer in dem weltberühmten Bauwerk in der französischen Hauptstadt war am Montag gegen 18.50 Uhr aus bislang unbekannter Ursache ausgebrochen. 400 Feuerwehrleute kämpften die Nacht durch gegen den Feuersturm. Nach Angaben von Einsatzleiter Jean-Claude Gallet konnte die Struktur der gotischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert gerettet werden.

Experten prüfen Stabilität

Dem französischen Innenministerium zufolge besteht aber immer noch Einsturzgefahr. Experten müssten jetzt die Stabilität der Bausubstanz prüfen. Danach werde entschieden, ob die Feuerwehr auch im Inneren der Kathedrale arbeiten könne und die Konstruktion sicher sei.

Pariser und Gäste geschockt

Am Ufer der Seine und auf Brücken kamen am Montagabend tausende Menschen zusammen. Pariser und Touristen versammelten sich, einige weinten, viele beteten. Als der mittlere Kirchturm einstürzte, waren viele entsetzt. Das Viertel rund um Notre-Dame wurde evakuiert. Die Kathedrale liegt auf der Île de la Cité, einer Insel in der Seine im Zentrum von Paris.

Nachrichten

Augenzeugen fotografieren in Paris die brennende Kathedrale Notre-Dame 1 min
Augenzeugen fotografieren in Paris die brennende Kathedrale Notre-Dame. Bildrechte: dpa

Macron: Bauen Notre-Dame wieder auf

Präsident Emmanuel Macron war am Montag vor Ort, am Abend zeigte er sich vorsichtig optimistisch: "Das Schlimmste konnte verhindert werden." Die Fassade der gotischen Kathedrale und die beiden Glockentürme seien dank des beherzten Einsatzes der Feuerwehr nicht eingestürzt. "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen", versprach der Präsident.

Der Vatikan erklärte, Notre-Dame sei "ein Symbol der Christenheit in Frankreich und der ganzen Welt". Die Generaldirektorin der Unesco, Audrey Azoulay, teilte mit, man werde Frankreich zur Seite stehen, um dieses "Welterbe von unschätzbarem Wert" zu retten.

Wahrzeichen von Paris brennt Großbrand verwüstet Kathedrale Notre-Dame

Notre-Dame brennt
Das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris brach am Montag gegen 19 Uhr aus und breitete sich schnell aus. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort, konnte aber nicht verhindern, dass die Flammen vom Dach auf weitere Gebäudeteile übergriffen. Bildrechte: dpa
Notre-Dame brennt
Das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris brach am Montag gegen 19 Uhr aus und breitete sich schnell aus. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort, konnte aber nicht verhindern, dass die Flammen vom Dach auf weitere Gebäudeteile übergriffen. Bildrechte: dpa
Die Kathedrale Notre Dame in Paris brennt
Über dem Zentrum von Paris stand eine riesige Rauchwolke. Einwohner und Touristen sind entsetzt. Bildrechte: imago images/Le Pictorium
Ein Turm der Kathedrale Notre Dame in Paris stürzt bei einem Brand ein
Der mittlere Turm der Kathedrale stürzt ein. Die Dachkonstruktion bestand teils aus Holzbalken aus dem 12. Jahrhundert. Bildrechte: dpa
Die Kathedrale Notre Dame in Paris brennt
Die Feuerwehrleute können aufgrund der großen Hitzeentwicklung nicht ins Innere von Notre-Dame. Zwischenzeitlich droht die Zerstörung des gesamten Bauwerks. Bildrechte: imago images/IP3press
Die Kathedrale Notre Dame in Paris brennt
Fassungslos müssen viele Pariser mit ansehen, wie ihr Wahrzeichen in Flammen aufgeht. Der Bau der Kathedrale dauerte fast 200 Jahre - von 1163 bis 1345. Das 130 Meter lange, 48 Meter breite und bis zu 35 Meter hohe Gotteshaus mit seinen zwei doppelt so hohen Türmen ist eine der frühesten gotischen Kirchen Frankreichs. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Feuer in der Kathedrale Notre-Dame
Notre-Dame liegt auf einer kleinen Insel der Seine im Herzen von Paris. Die gotische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert gilt als Sehenswürdigkeit Nummer 1 der Hauptstadt mit jährlich zwölf bis 14 Millionen Besuchern. Bildrechte: dpa
Die Kathedrale Notre Dame in Paris brennt
Aus den noch zugänglichen Gebäudeabschnitten retteten Helfer in der Nacht wertvolle transportable kulturhistorische Schätze. Darunter ist auch eine Relique, die Dornenkrone, die Jesus Christus getragen haben soll. Sie wurde im Rathaus in Sicherheit gebracht. Bildrechte: imago images/IP3press
Feuerwehrleute bekämpfen restliche Brandstellen.
Hunderte Feuerwehrleute schafften es in der Nacht zum Dienstag, dass Feuer unter Kontrolle zu bringen. Am Morgen gibt es dann die Nachricht: Nur noch einzelne Feuernester brennen. Die Struktur der Kathedrale konnte offenbar gerettet werden. Jetzt muss geprüft werden, ob die Statik hält und welche Schäden es gibt. Bildrechte: dpa
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Ermittlungen eingeleitet

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Dabei wird die Spur eines Unfalls verfolgt, die Staatsanwaltschaft spricht von einer "unbewussten Zerstörung" durch Feuer. Von möglicher Brandstiftung war keine Rede. Nach Medienberichten könnte der Brand durch Bauarbeiten auf dem Dach ausgelöst worden sein.

Milliardäre wollen 300 Millionen Euro spenden

Die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault kündigte über das Luxuslabel LVMH an, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Zur der Gruppe gehören unter anderem die Marken Moët Hennessy und Louis Vuitton.

Der französische Milliardär Francois-Henri Pinault und seine Frau Salma Hayek auf der Pariser Fashion Week.
Francois-Henri Pinault und seine Frau, die Schauspielerin Salma Hayek. Bildrechte: dpa

Zuvor hatte die Milliardärs-Familie Pinault 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame versprochen. Das teilte der Geschäftsmann François-Henri Pinault mit, Chef des Luxuskonzerns Kering, zu dem Modemarken wie Gucci, Brioni und Saint Laurent gehören. Der Milliardär ist als Kunstliebhaber und Mäzen bekannt.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo schlug eine internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau von Notre-Dame vor. Dabei könne man Mäzene aus der ganzen Welt und Experten für die Rekonstruktion zusammenzubringen.

Notre-Dame: ein architektonisches Meisterwerk

Notre-Dame wurde ab 1163 errichtet und markiert in ihrer Architektur den Übergang von der Romanik zur Gotik. Vielen gilt sie als Inbegriff von Frankreichs Kathedralen - ein Überblick.

Notre-Dame
Notre-Dame de Paris ("Unsere Liebe Frau von Paris") ist die Kathedrale des katholischen Erzbistums Paris. Charakteristisch sind vor allem die beiden 69 Meter hohen Türme. Das Gebäude steht auf der Île de la Cité, einer kleinen Insel im Fluss Seine. Bildrechte: imago images / PanoramiC
Notre-Dame
Notre-Dame de Paris ("Unsere Liebe Frau von Paris") ist die Kathedrale des katholischen Erzbistums Paris. Charakteristisch sind vor allem die beiden 69 Meter hohen Türme. Das Gebäude steht auf der Île de la Cité, einer kleinen Insel im Fluss Seine. Bildrechte: imago images / PanoramiC
Besucher in der Kathedrale Notre-Dame
Das Kirchenschiff bietet bis zu 10.000 Personen Platz. Im Inneren ist es 130 Meter lang, 48 Meter breit und 35 Meter hoch. Bildrechte: imago images / ZUMA Press
Notre-Dame - Skulpturengruppe und Rosette des Kirchenfensters
Die Geschichte der Kathedrale reicht bis ins Jahr 1163 zurück, als der Bau unter Bischof Maurice de Sully begann. Es dauerte rund 200 Jahre, bis verschiedene Bauphasen und Erweiterungen abgeschlossen waren. Bildrechte: imago/imagebroker
Bleiglasfenster Rosette des nördlichen Querschiffs in der Kathedrale Notre Dame von Chartres
In der Architektur erkennt man deswegen den Übergang von der Romanik zur Gotik: Zu Beginn wurde der Chor im romanischen Stil errichtet, später wurden zunehmend technische Möglichkeiten und Stilmittel der Gotik eingesetzt. Fensterrosen beispielsweise sind vor allem in gotischen Kirchen zu finden.  Bildrechte: imago/imagebroker
Blick vom Notre-Dame über das verschneite Paris
Notre-Dame ist berühmt für die unheimlichen Grotesken und Wasserspeier der "Galerie des Chimères",  die von der oberen Balustrade auf die Stadt hinabblicken. Die heutigen Figuren sind allerdings Nachbildungen aus dem 19. Jahrhundert. Bildrechte: imago/ZUMA Press
Skulpturenstein zeigt den Kopf von König David.
1793 wurde das Bauwerk von Frankreichs Revolutionären geplündert und verwüstet. Die Kirche wurde entweiht und zum "Tempel des höchsten Wesens", der Vernunft, erklärt. In den Folgejahren verfiel die Kathedrale zunehmend. Diese Büste des Königs David von Juda wurde zerstört, weil die Revolutionäre dachten, es handele sich bei ihm um einen früheren französischen Herrscher. Bildrechte: imago images / ZUMA Press
Gemälde - Die Krönung des Napoleon.
1802 gestattete Napoleon die erneute liturgische Nutzung der Kirche. Zwei Jahre später ließ er sich hier zum Kaiser krönen. Bildrechte: imago/United Archives International
Szene aus - ''Der Glöckner von Notre Dame''.
Mit seinem 1831 erschienenen Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur. Durch die Geschichte wurde sie auch in der Bevölkerung wieder beliebter. Hier eine Szene aus dem Film von 1956 mit den Darstellern Gina Lollobrigida und Anthony Quinn. Bildrechte: imago/United Archives
Dornenkrone Christi - Passionsreliquien in der Notre Dame-Kathedrale in Paris.
In Notre-Dame wurde bis zum Brand eine der wichtigsten katholischen Reliquien aufbewahrt: die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. Die Krone sowie weitere wertvolle Kunstschätze konnten aus dem Feuer gerettet werden. Bildrechte: imago/robertharding
Kathedrale von Notre-Dame vor dem Feuer.
Der schlanke Vierungsturm der Kathedrale, der etwa 93 Meter in die Höhe reichte, stürzte beim Großbrand jedoch ein. Bildrechte: imago images / ZUMA Press
Stahlrohre eines Baugerüstes hüllen die Kathedrale Notre Dame ein.
Vor dem Brand befand sich die Kathedrale in einem schlechten baulichen Zustand. Witterung und Luftverschmutzung hatten ihr über die Jahre schwer zugesetzt, an vielen Stellen bröckelte zuletzt die Bausubstanz. Erst vor kurzem war mit einer umfassenden Sanierung begonnen worden. Bildrechte: dpa
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Auch Mitteldeutschland will helfen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer rief bei MDR AKTUELL zu Spenden auf: "Ich wünsche mir die gleiche Solidarität und Unterstützung, die wir für die Frauenkirche in Dresden bekommen haben." Auch sein Thüringer Amtskollege Bodo Ramelow zeigte sich betroffen. Er erinnerte im MDR-Gespräch an die Brandzerstörung der Anna-Amalia-Bibliothek 2004 in Weimar. Den Brandgeruch habe er noch heute in der Nase.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rief ebenfalls zur Solidarität mit Paris auf. Er sagte dem MDR, die Zerstörung eines so wunderbaren Denkmals gehe wohl jeden an, egal ob Christ oder nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 11:06 Uhr