In einem Hörsaal verfolgen Studenten 2015 eine Vorlesung, die Prof. Dr. med. Heike Kielstein hält.
Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Damit liegt Deutschland unterhalb des Durchschnitts der OECD-Länder. Bildrechte: dpa

OECD-Bildungsstudie Soziale Herkunft entscheidet weiter über schulischen Erfolg

Kinder von Nichtakademikern sind an den Unis vergleichsweise selten. Und schon in früheren Jahren zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Chancen auf optimale Bildung. Das müsste laut Experten nicht sein.

In einem Hörsaal verfolgen Studenten 2015 eine Vorlesung, die Prof. Dr. med. Heike Kielstein hält.
Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Damit liegt Deutschland unterhalb des Durchschnitts der OECD-Länder. Bildrechte: dpa

In Deutschland entscheidet die soziale Herkunft weiter maßgeblich über den schulischen Erfolg von Kindern oder Jugendlichen. Dieser Effekt sei stärker ausgeprägt als in vielen anderen Ländern, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). So lägen Schüler aus einkommensschwachen Familien in Naturwissenschaften fast dreieinhalb Schuljahre zurück.

Soziale Durchmischung verbessert sich

Kinder und Erzieherinnen am Essenstisch.
Eine gute frühkindliche Förderung legt laut Experten die Grundlage für späteren Bildungserfolg. Bildrechte: dpa

In Deutschland gebe es immer noch "eine große Leistungsschere, aber sie hat sich in die richtige Richtung bewegt", sagte der OECD-Direktor für Bildung, Andreas Schleicher, zu den Ergebnissen der Studie.  Beispielsweise sei in Deutschland die "soziale Durchmischung der Schulen deutlich besser als in anderen Ländern", betonte Schleicher - und das trage zu besseren Ergebnissen für Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern bei.

Deutliche Qualitätsunterschiede an Schulen

Und trotzdem gibt es offenbar gravierende Unterschiede: besonders drastisch fallen die dem Bericht zufolge aus, wenn man sich anschaut, welche Schulen benachteiligte Schüler besuchen. Schüler an benachteiligten Schulen haben demnach einen Rückstand von vier Jahren auf Schüler an begünstigten Schulen. In den Ländern Finnland, Norwegen oder Polen existiert ein solcher Unterschied laut Studie dagegen nicht.

Bildung der Eltern entscheidend

Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Im Durchschnitt der meisten OECD-Länder sind es immerhin 21 Prozent. Laut Experten sei das ein wichtiger Gratmesser: weil die Abschlüsse über die Berufschancen entscheiden. Bei den Hochschulabsolventen liegt die Arbeitslosenquote nur bei etwa der Hälfte der ohnehin vergleichsweise geringen Quote in Deutschland.

Forderung nach frühkindlicher Bildung

Die Autoren der Studie folgern aus ihrem Ländervergleich, dass alle Staaten mit der richtigen Bildungspolitik den Einfluss des sozialen Hintergrunds auf die Chancengleichheit reduzieren könnten. Die OECD rät der Politik deshalb, mehr in frühkindliche Bildung und in Kindergärten zu investieren. Weiterhin könnte es beispielsweise finanzielle Anreize für Lehrer geben, wenn sie in schwierige Klassen gingen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 11:00 Uhr