Ein Team führt eine Nierentransplantation am Universitätsklinkum Halle durch.
Ärzte des Universitätsklinkums Halle führen eine Nierentransplantation durch. Bildrechte: dpa

Fragen und Antworten BGH entscheidet über Schadenersatz nach Nierenspende

Eine Nierenspende kann Leben retten, doch sie ist auch ein Risiko für den Spender. Dabei geht es nicht nur um den eigentlichen Eingriff, sondern auch um die Folgen. Zwei Spender klagen wegen unzureichender Aufklärung gegen eine Essener Klinik auf Schadenersatz. Am Dienstag entscheidet der Bundesgerichtshof.

Ein Team führt eine Nierentransplantation am Universitätsklinkum Halle durch.
Ärzte des Universitätsklinkums Halle führen eine Nierentransplantation durch. Bildrechte: dpa

Am Dienstag entscheidet der Bundesgerichtshof über die Schadenersatzklagen von zwei Organspendern. Die Kläger haben jeweils eine ihrer Nieren an nahe Angehörige gespendet und leiden seitdem unter gesundheitlichen Problemen.

Sie sind der Auffassung, die Ärzte hätten sie vor dem Eingriff nicht ausreichend über das gesundheitliche Risiko einer Nierenspende aufgeklärt. Vor zwei Instanzen sind die Kläger gescheitert, nun entscheidet mit dem BGH das oberste deutsche Gericht.

Wer sind die Kläger?

Im ersten Fall klagt eine Frau, die im Jahr 2009 ihrem Vater eine Niere gespendet hatte. Sie sagt, sie leide seit dem medizinischen Eingriff an chronischer Erschöpfung und Niereninsuffizienz und fordert vom Essener Universitätsklinikum unter anderem ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro.

Im zweiten Fall hatte sich 2010 am selben Krankenhaus ein Mann eine Niere herausnehmen lassen, um sie seiner Ehefrau zu spenden. Auch er klagt seither über Erschöpfungszustände und Niereninsuffizienz. Außerdem sei er als selbstständiger Unternehmer nur noch sehr eingeschränkt berufsfähig. Der Mann verlangt 100.000 Euro Schmerzensgeld.

Was sagen die bisherigen Instanzen?

In erster und zweiter Instanz scheiterten die Klagen vor dem Landgericht Essen sowie dem Oberlandesgericht Hamm. Die Richter sahen zwar Versäumnisse der Ärzte, doch für die Haftung seien diese irrelevant. Denn in beiden Fällen gingen die Richter von einer "hypothetischen Einwilligung" der Patienten aus. Das heißt: Nach Ansicht der Vorinstanzen hätten die Kläger wegen der emotionalen Nähe zu den Organempfängern auch dann einer Transplantation zugestimmt, wenn die Aufklärung korrekt erfolgt wäre.

Reicht dem BGH eine "hypothetische Einwilligung"?

Der zuständige BGH-Zivilsenat bezweifelte in der mündlichen Verhandlung im November ebenfalls, dass alle Anforderungen an die Aufklärung der Organspender eingehalten wurden. Entscheidend dürfte deshalb die Frage sein, ob eine sogenannte hypothetische Einwilligung angenommen werden kann. Genau diese Frage wird in Karlsruhe nun diskutiert. Die Frage einer "hypothetischen Einwilligung" durch Patienten in eine Transplantation ist noch nicht höchstrichterlich entschieden. Für zukünftige Organspender dürfte das Urteil daher interessant sein.

Welche Organe können bei einer Lebendorganspende übertragen werden?

In Deutschland werden bei Lebendorganspenden fast ausschließlich eine Niere und Teile der Leber übertragen. Möglich ist auch die Entnahme von Teilen der Lunge, des Dünndarms oder der Bauchspeicheldrüse. Das ist aber in der Bundesrepublik sehr selten.

Wie häufig sind Lebendspenden in Deutschland?

2018 wurden nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 690 Organe durch Lebendspende transplantiert, davon 638 Nieren und 52 Lebern. Von insgesamt 3.385 transplantierten Organen wurden damit 18,3 Prozent nach einer Lebendspende übertragen.

Warum sind Lebendorganspenden sinnvoller als postmortale Organspenden?

Organe, die bei einer Lebendorganspende übertragen werden, erfüllen ihre Aufgabe im Körper des Empfängers meist länger als Organe, die aus einer postmortalen Organspende stammen. Das liegt unter anderem daran, dass die Organqualität sehr gut ist, weil nur sehr gesunde Menschen als Organspender infrage kommen.

Da die Operationen im selben Krankenhaus stattfinden, ist die Zeit, in der ein Organ nicht durchblutet wird und dadurch Schaden nehmen kann, außerdem deutlich kürzer als bei einer postmortalen Organspende. Zudem kann im Vorfeld der Lebendorganspende besonders detailliert untersucht werden, wie gut ein Organ für einen möglichen Empfänger passt.

Wer kann ein Organ lebend spenden?

Spender müssen mehrere Voraussetzungen erfüllen, um für eine Spende infrage zu kommen: Um Organhandel zu verhindern, darf eine Lebendorganspende nur zwischen Personen stattfinden, die sich persönlich nahestehen. Dazu zählen zum Beispiel Verwandte und Ehe- oder Lebenspartner, aber auch andere Personen, die sich offenkundig nahestehen.

Wer sich für eine Lebendorganspende entscheidet, muss volljährig und einwilligungsfähig sein, nach ärztlicher Beurteilung als Spenderin oder Spender geeignet sein, über alle Risiken im Zusammenhang mit der Lebendorganspende aufgeklärt worden sein und darf voraussichtlich nicht über das Operationsrisiko hinaus gefährdet sein.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 29. Januar 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2019, 09:32 Uhr