Auto steht auf Fahrradweg und Radfahrer muss drumherum fahren
Parken Autos auf Radwegen, gefährden sie andere Verkehrsteilnehmer, denn Radfahrer müssen dann auf die Straße oder den Fußweg ausweichen Bildrechte: Colourbox.de

Verkehrssicherheit Bundesweite Aktion gegen Falschparker auf Radwegen

Bei schönem Wetter steigt man doch lieber auf das Fahrrad als ins stickige Auto. In großen Städten ist das allerdings nicht ganz ungefährlich: In den letzten Wochen gab es erneut tödliche Unfälle von Fahrradfahrern im Straßenverkehr. Ein Grund dafür können falsch geparkte Autos sein. Daher hat der ökologische Verkehrsclub Deutschland für diese Woche dazu aufgerufen, Falschparkern sprichwörtlich die gelbe Karte zu zeigen. Doch die sind sich der Tragweite ihres Handelns meist gar nicht bewusst.

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Auto steht auf Fahrradweg und Radfahrer muss drumherum fahren
Parken Autos auf Radwegen, gefährden sie andere Verkehrsteilnehmer, denn Radfahrer müssen dann auf die Straße oder den Fußweg ausweichen Bildrechte: Colourbox.de

Autofahrern dauert Parkplatzsuche zu lange

Richard-Lehmann-Straße Ecke Karl-Liebknecht-Straße in Leipzigs Süden: Wo sich die beiden viel befahrenen Straßen treffen, ist der Fahrradweg essentiell. Aber innerhalb von nur zwei Minuten parken genau dort drei Autos. Denn hier befindet sich eine Postfiliale, wo jeder nur "mal schnell was abholen will" – wie auch der Freund einer jungen Autofahrerin, die nun den Radweg blockiert:

Ich finde es selber blöd, weil ich ja sehe, wie die um mich rumfahren müssen. Aber bevor ich jetzt hier wegfahre und dann das große Suchen los geht, stehe ich lieber fünf Minuten hier und dann bin ich ja auch schon wieder weg.

Autofahrer, der auf einem Radweg parkt

Direkt vor der Post steht ein Mann mit seinem Rad, der das Problem nur zu gut kennt: "Wer hier auf dem Radweg parkt, der achtet auch nicht so sehr darauf, dass er mit seiner Tür einen Radfahrer gefährden könnte. Vor allem, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin, da ist es oft besser zu sagen: Halt mal kurz an, bevor wir ausscheren und das ist dann immer ganz nervig, teilweise gefährlich."

Stuntfahrer Mario Eichendorf demonstriert in Kronshagen bei Kiel (Schleswig-Holstein) vor Schülern des Gymnasiums Kronshagen einen typischen Unfall zwischen Fahrradfahrer und Auto.
Ein Stuntfahrer demonstriert einen typischen Unfall zwischen Radfahrer und Autotür: Wird die Tür unachtsam geöffnet, kann das zur tödlichen Gefahr für Radfahrer werden. Bildrechte: dpa

Halten und Parken auf Radwegen führt zu schweren Unfällen

Es gibt keine Statistik, wie oft Parken und auch Halten auf dem Radweg zu schweren Unfällen führen. So wie auch das Parken in zweiter Reihe oder zu nah an der Straßenkreuzung. Laut Straßenverkehrsordnung ist das alles verboten. Dafür müssen Autofahrer sensibilisiert werden, meint Almut Gaude vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland VCD: Man könne das Ordnungsamt aufmerksam machen.

Im Notfall, wenn Gefahr in Verzug ist und man sieht, hier sind wirklich Fahrradfahrer oder Fußgänger in Gefahr, kann man die Polizei anrufen und bitten, das Auto abzuschleppen.

Almut Gaude Ökologischer Verkehrsclub Deutschland

Fahrradstadt Leipzig

Das Leipziger Stadtgebiet birgt zahlreiche Gefahrenstellen für Radfahrer. Ein Streifzug durch die Innenstadt.

Fahrradstadt Leipzig
Ein symptomatisches Bild für die Fahrradverkehrsplanung der Stadt: Der Wille ist da, aber die Umsetzung ist oft mangelhaft. Hier beginnt der Fahrradweg am Connewitzer Kreuz an einem Werbeschild. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Ein symptomatisches Bild für die Fahrradverkehrsplanung der Stadt: Der Wille ist da, aber die Umsetzung ist oft mangelhaft. Hier beginnt der Fahrradweg am Connewitzer Kreuz an einem Werbeschild. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Die innere Jahnallee ist häufig Schauplatz von schweren Unfällen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Radfahrer teilen sich den spärlichen Platz mit Autos und Straßenbahn. Parkende Autos und Baustellen erschweren die Situation zusätzlich. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Der Bahnhofvorplatz ist eine wichtige Verkehrsader für den Radverkehr, die aufgrund der schlechten Führung nur in Schrittgeschwindigkeit befahren werden kann. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Auf der Ostseite des Bahnhofs herrscht Chaos. Straßenbahn, Autos und Radfahrer kreuzen wild und ohne Konzept. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Durch den Umbau der Karl-Liebknecht-Straße entstanden zahlreiche neue Ampeln. Hier an der Ecke Straße des 17. Juni stehen auch Radfahrer regelmäßig bei Rot, auch wenn keine Bahn kommt. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Die Beethovenstraße ist eine vor allem bei Studenten beliebte Achse zum Clarapark. Um dorthin zu gelangen, müssen Radfahrer durch den Kreisverkehr. Dort kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Die Harkortstraße stadtauswärts ist regelmäßig überfüllt und lässt keinen Raum für Radfahrer. Auf den Gehwegen stehen meist parkende Autos und Lieferwagen, was die Situation auch für Fußgänger zum Gefahrenherd werden lässt. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Fahrradstadt Leipzig
Leipzig, Stadt der Scherben: Immer wieder wird der Radweg auch zur Slalomfahrt duch zerbrochene Bierflaschen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Bundesweite Aktion gegen Falschparker

Der VCD hat in dieser Woche bundesweit zu Aktionen gegen Falschparker aufgerufen, zum Beispiel auch durch Hinterlassen eines kleinen Briefes oder einer "gelben Karte" als Denkanstoß auf deren Windschutzscheibe. Denn oft seien Autofahrer sich der Auswirkung des Falschparkens nicht ausreichend bewusst, sagt Almut Gaude.

Letztlich sei aber der Gesetzgeber gefragt. "Er muss die Bußgelder für gefährliches Falschparken deutlich anheben, die sind jetzt in Deutschland bei 20 Euro. Wenn man in europäische Nachbarländer schaut, da geht es bis 200 Euro hoch. Die Kontrollen müssen verschärft werden und wir brauchen Aufklärungskampagnen, auch von der Bundesregierung."

ADAC wünscht sich mehr Parkplätze

Der ADAC sieht auch die Kommunen in der Pflicht. Dazu Markus Löffler vom ADAC Sachsen: "Was wir uns wünschen würden, ist, dass man versucht, Parkplätze anzubieten. Denn nicht umsonst entstehen diese Situationen gerade an den Stellen, wo Parkplätze Mangelware sind, wo es auch sehr schwer wird, für diese kurze Erledigung, die man vorhat, einen legalen Parkplatz zu finden." Eine Idee wären da zum Beispiel Kurzzeitparkplätze, so Löffler.

Alternative Verkehrsmittel Wer Mut hat, wird Fahrradfahrer

Hauptstädte sind bekannt für ihren starken Verkehr. Doch was, wenn man vom Auto auf den alternativen Drahtesel umsteigen will? In Osteuropas Hauptstädten braucht man dafür auch eine gehörige Portion Mut.

Ein Radweg in Bukarest
Bukarest Fahrradfahren in Bukarest ist bis heute lebensgefährlich, auch wenn sich in der rumänischen Hauptstadt in den vergangenen Jahren viel getan hat: Die Lobby der Fahrradfahrer in der knapp zwei-Millionen-Einwohner-zählenden Stadt wird immer stärker. Schätzungen besagen, dass knapp 280.000 Bukarester – und damit rund 16 Prozent – inzwischen ein Fahrrad besitzen. Das Radwegenetz ist bislang nur rudimentär: Es erstreckt sich gerade mal auf sieben Kilometer - und auch auf den ausgewiesenen Radwegen gibt es so manches gefährliches Hindernis. Bildrechte: Optar
Ein Radweg in Bukarest
Bukarest Fahrradfahren in Bukarest ist bis heute lebensgefährlich, auch wenn sich in der rumänischen Hauptstadt in den vergangenen Jahren viel getan hat: Die Lobby der Fahrradfahrer in der knapp zwei-Millionen-Einwohner-zählenden Stadt wird immer stärker. Schätzungen besagen, dass knapp 280.000 Bukarester – und damit rund 16 Prozent – inzwischen ein Fahrrad besitzen. Das Radwegenetz ist bislang nur rudimentär: Es erstreckt sich gerade mal auf sieben Kilometer - und auch auf den ausgewiesenen Radwegen gibt es so manches gefährliches Hindernis. Bildrechte: Optar
Radfahrer demonstrieren in Budapest für eine fahrradfreundliche Stadt
Ist Budapest also auf dem Weg zur Rad-Hauptstadt Osteuropas? Die Chancen stehen gut. Eine wachsende Radfahrerszene kämpft dafür, dass das Rad zu einem alltäglichen, von allen anerkannten Verkehrsmittel wird. Für ein fahrradfreundliches Budapest demonstrierten zum Beispiel im April 2015 Tausende Radler. Und außerdem hat die Tourismusbranche die Radfahrer als Zielgruppe entdeckt: Seit einiger Zeit werden in Budapest Stadttouren per Rad angeboten, übrigens auch in deutscher Sprache. Bildrechte: IMAGO
Ein Radweg zwischen parkenden Autos
Als Fahrradfahrer in Bukarest muss man sich dünn machen. Autos – das steht fest - haben in der rumänischen Hauptstadt Vorfahrt. 1,1 Millionen Fahrzeuge sind in der Stadt gemeldet, die Bukarest zu einer der am meisten mit Feinstaub belasteten und damit gesundheitsgefährdendsten Hauptstädte Europas machen. Nichtregierungsorganisationen beklagen, dass es den Stadtvätern nicht nur an Interesse für alternative Verkehrsmittel mangele, sondern generell an Zukunftsvisionen, wie sie die Stadt gestalten wollen. Bildrechte: Optar
Ein Radfahrer fährt auf einem schotterigen, unbefestigten Seitenstreifen auf der Pancevo-Brücke in Belgrad.
Bis heute ist die Zahl der Fahrradfahrer im 1,3 Millionen Einwohner zählenden Belgrad verschwindend gering: unter einem Prozent. Radfahren auf der Straße kommt einem Überlebenstraining gleich: Riesige Verkehrstraßen, große Brücken und wild parkende Autos machen es den Radfahrern äußerst schwer. Besonders gefährlich ist es auf der Pancevo-Brücke, der einzigen in der Stadt, die die Donau überquert. Hier bleibt den Radfahrern nur eine wild angelegte, steinige Piste. Bildrechte: Zoran Bukvic, Ulice za bicikliste
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Mai 2018 | 06:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2018, 07:01 Uhr

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8 Kommentare

30.05.2018 18:49 Anfrage 8

Welcher Lobby gehören die Fußgänger an , damit endlich die Fußwege ohne Stolperfallen in Ordnung gebracht werden und Fußgängerzonen für diese da sind und die Kampfradler endlich darin gestoppt werden ? Führerschein für Radfahrer einführen. In Schulen wird es ja noch den Kindern beigebracht und unsere Heranwachsenden mit ihren 18-21 jahren haben es schon vergessen !

30.05.2018 13:00 lummox 7

hallo nr. 5: muß ihnen zustimmen.
die stadtplaner sind nicht fähig fahrradgerecht zu planen, man kennt seit jahrzehnten etliche straßenführungen mit unterbrochenen und desolaten radwegen, das führt so weit das bei neu errichteten radwegen die bordsteine nicht abgesenkt werden, wo nötig.
außerdem wurde die verkehrspolizeiliche überwachung totgespart. die polizei würde sich köstlich amüsieren wenn man jeden falschparker anzeigen würde. frau Gaude scheint die realität nicht zu kennen.

30.05.2018 11:27 NRW-Wessi 6

Beispielsweise an Kommentar 2 ist erkennbar, wohin uns die Politik der letzten jahre geführt hat, während wichtige Dinge einfach ausgessen wurden.
Hätte man zusätzliche Parkplätze bauen lassen, wie vom ADAC vorgeschlagen, gäbe es keine Falschparker auf Radwegen und x-malige Runden um den Häuserblock wären auch unnötig. Stattdessen wurden immer mehr Verbotzonen eingerichtet.

30.05.2018 11:16 Markus 5

Die Falschparkerinnen und die Falschparker sind solche nicht, weil sie so gerne gegen Gesetz verstoßen. Die Städte bemühen sich nicht genug, ausreichend Parkplätze bereit zu stellen, das ist der Grund für Problem. Sterbende Fahrräder sind also auf dem Gewissen von Stadtväter (und natürlich auch Stadtmütter).

30.05.2018 09:57 lummox 4

bin mein leben schon radfahrer und habe jahr für jahr miterlebt wie sich die vernunft verabschiedet hat. und das nicht nur bei autofahrern, sondern auch bei radfahrern und fußgängern, besonders die letzteren können nicht mehr zwischen rechts und links unterscheiden und radler benutzen oft genug den fußweg als rennstrecke und wenn dann noch ein falschparker ins spiel kommt ist die katastrophe nicht mehr weit.
vielleicht wäre es sinnvoller in allen gesellschaftlichen bereichen erst mal benimm-schulen :) einzurichten ehe wir an unserem selbstgemachten wahn ersticken.

30.05.2018 09:35 NRW-Wessi 3

Natürlich ist das Parken auf Radwegen nicht richtig und auch verboten.
Wenn es aber dagegen eine bundesweite Aktion geben muss, dann bitte auch gegen Radfahrer, die rote Ampeln ignorieren, vorhandene Radwege nicht benutzen und bewusst provozierend mitten auf der Fahrbahn unterwegs sind, um die "bösen" Autofahrer zu bestrafen, weil manche Radfahrer von sich glauben, nur sie seien die "Guten".
Außerdem sollte es bundesweite Aktionen geben, um Radfahrern die Perspektive eines LKW-Fahrers zu vermitteln, der einen neben sich fahrenden Radfahrer beim Rechtsabbiegen meist nicht sehen kann. Schon oft hat deswegen tödliche Unfälle gegeben.

30.05.2018 09:18 Simone 2

"Bundesweite Aktion gegen Falschparker auf Radwegen"

um es Geschlechterneutral auszudrücken, so wie es die STVO fordert, sollte es doch in er Überschrift heißen, "wer sein Auto falsch parkt"

es gibt ja auch keine Radfahrer oder Autofahrer mehr, das sind ja jetzt auch "wer ein Fahrrad führt" oder "Auto Fahrende".
Bitte ändern sie das.
Danke

30.05.2018 07:00 Gerd 1

"Im Notfall, wenn Gefahr in Verzug ist und man sieht, hier sind wirklich Fahrradfahrer oder Fußgänger in Gefahr, kann man die Polizei anrufen und bitten, das Auto abzuschleppen.
Almut Gaude Ökologischer Verkehrsclub Deutschland"

Ach Frau Gaude, die Polizei ist doch nicht für den "ruhenden" Verkehr zuständig.

Da sieht man es wieder mal.

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