Eine junge Frau hält die Hände einer alten Frau, die in einem Rollstuhl in einem Seniorenheim sitzt.
Rund 2,5 Millionen Deutsche pflegen ihre Angehörigen laut Pflegereport zu Hause. Bildrechte: dpa

Barmer-Pflegereport Pflegende Angehörige sind überlastet

Die Pflege alter Menschen ist ein Knochenjob. Das gilt für Fachkräfte ebenso, wie für pflegende Angehörige. Viele zu Pflegende werden zuhause betreut, auch in Sachsen-Anhalt. Wie es denen geht, hat die Barmer in ihrem Pflegereport gefragt, den die Krankenkasse am Donnerstag veröffentlicht.

von Anne-Marie Kriegel, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Eine junge Frau hält die Hände einer alten Frau, die in einem Rollstuhl in einem Seniorenheim sitzt.
Rund 2,5 Millionen Deutsche pflegen ihre Angehörigen laut Pflegereport zu Hause. Bildrechte: dpa

Die Pflege von Oma oder Vater, Schwiegermutter oder Onkel bestimmt das Leben. Zu wenig Schlaf und umständliche Bürokratie – das sind die Probleme, die pflegende Angehörige haben. Deswegen ist auch jeder 14. kurz davor, das Handtuch zu werfen. Das zeigt das Ergebnis einer Umfrage der Barmer unter 1.900 pflegenden Angehörigen.

Mehr Pflege zu Hause

Auch in Sachsen-Anhalt werden immer mehr Pflegebedürftige zu Hause versorgt. Zwischen 2015 und 2017 stieg die Zahl um zwölf Prozent auf 74.000 Personen. Die Krankenkasse schreibt, dass rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen von Angehörigen betreut werden. Die pflegenden Familienmitglieder seien damit ein sehr wichtiger Pfeiler des Pflegesystems. Laut Barmer kommen dabei jedoch ihre eigenen Bedürfnisse zu kurz.

Pflegende brauchen Entlastung

Eine Gefahr, auf die auch Doreen Bader aufmerksam machen will. Die Pflegedienstleiterin des ambulanten Malteser Pflegedienstes in Magdeburg arbeitet seit 20 Jahren in der Pflege und mit pflegenden Angehörigen.

Man darf seine eigene Selbstentlastung nicht vergessen.

Doreen Bader, ambulanter Malteser Pflegedienst

Bader rät den Angehörigen, sich auch für sich selber Auszeiten zu nehmen. Durch den Gesetzgeber gebe es da auch einige Entlastungsmöglichkeiten wie zum Beispiel die Familienpflegezeit.

Fast 60 Prozent der pflegenden Angehörigen leiden unter Rückenbeschwerden. Bei Menschen, die sich nicht noch zusätzlich um jemanden kümmern, ist der Anteil wesentlich kleiner. Ähnlich sieht es bei Depressionen aus, auch hier sind Pflegende stärker betroffen, heißt es von der Barmer.

Hilfe aus der Politik

Die Unterstützung von pflegenden Angehörigen kann das Land nicht alleine leisten, heißt es aus dem Sozialministerium. Man habe aber einen runden Tisch installiert, der Handlungsempfehlungen an die Politik erarbeitet hat.

Außerdem gebe es seit knapp zwei Jahren Unterstützung vom Bund, erklärt Ute Albersmann, Sprecherin des Sozialministeriums: "In diesem Rahmen wird unterstützt, dass sich zum Beispiel Selbsthilfegruppen gründen, dass Kontaktstellen aufgebaut werden, auch in Sachsen-Anhalt. Das Land stellt Haushaltsmittel dafür zur Verfügung und die werden von den Pflegekassen um die gleiche Summe nochmal aufgestockt."

Noch Verbesserungsbedarf

In der Landtagsfraktion der Linken ist Dagmar Zoschke für Sozialpolitik verantwortlich. Was die Kontaktstellen und Beratungsangeboten angeht, hat sie eine ganz konkrete Vorstellung. "In den Kommunen müssen auch Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen sitzen, die genau wissen, an welcher Stelle welche Hilfe geleistet wird, an wen kann derjenige sich wenden und nach welchen Kriterien kann ich mich dorthin wenden", fordert Zoschke.

Auch die schwarz-rot-grüne Landesregierung will die Kommunen stärken. Im kommenden Jahr soll es zwei Kompetenzzentren geben. Eines auf dem Land und ein anderes in einer der größeren Städte Sachsen-Anhalts. Wo genau, ist noch nicht klar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Dezember 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

14.12.2018 19:06 Bechtel klaus 9

Was mich am meisten Kraft und Nerven kostet ist die Krankenkasse ständig Anträge bearbeiten Verordnug abgelehnt Wiederspuch eingelegt Verordnung Kosten werden übernommen hier wird Versucht auf Kosten Kranker Menschen Geld zu sparen wie Krank muss man sein bei 21 Milliarden Rücklagen

13.12.2018 17:38 Mustermann 8

Wenn z.B. das Auto eine Problem hat - dann geht der Besitzer häufig zum Profi (meist in die Vertrags-Werkstatt o.ä.) und zahlt ohne zu murren mehrere hundert EUR für die Durchsicht. Wenn der Mensch kaputt ist - dann versuchen viele - aus falscher Höflichkeit, aus Dankbarkeit, aus Selbstüberschätzung, aus Geiz etc. etc. etc. - dies selbst zu übernehmen. Das kann nicht funktionieren...aber kostet halt auch Geld - denn es gibt nicht ohne Grund eine dreijährige Ausbildung für Altenpfleger!

13.12.2018 17:34 HOPF L. 7

@1 Dippong Atanasska,13.12.2018,10:19 Uhr.Ich habe auf Ihren Hinweis,nach dem schwedischen Modell recherchiert.Es ist ein Vorzeigemodell.Daß man je auf dieses Modell umsteigt,fehlt mir der Glaube.Für Alles ist in Deutschland Geld vorhanden,nur nicht für die Pflege und Betreuung von alten Menschen.

13.12.2018 14:17 ralf meier 6

@Galuschka Andrea: Hallo, legen Sie umbedingt Widerspruch ein. Hab ich auch gemacht und erfolgreich. Manchmal werden Anträge schlicht deshalb abgelehnt, weil vorab schon 'zu viele' bewilligt worden sind.

13.12.2018 13:51 HOPF L. 5

@2 Galuschka Andrea,13.12.2018,10:23 Uhr.Ich möchte Sie darauf hinweisen,dies was Sie was Sie schildern,war vor 24 Jahren nicht anders.Meine Mutter hatte ich 11 Jahre,als Pflegefall betreut.
Dabei kam nach 7 Jahren,der Hinweis meines Arztes,daß ich zur Betreuung meiner Mutter,eine private Pflegestation hinzu ziehen muß.Gesund-
heitlich würde ich es alleine nicht mehr schaffen.
Da ich beruflich,oft mehr als 8 - 9 Stunden tätig war,mußte ich eine Betreuende Person,für meine Mutter hinzuziehen.Dies hatte natürlich,Einiges an Geld verschlungen,sodaß ich ein Darlehen für die Betreuung meiner Mutter aufnehmen mußte.Dies hatte Niemand gekümmert.Sie sehen,es hat sich Nichts verändert.

13.12.2018 11:52 Gerd Müller 17878 4

@13.12.2018 10:23 Galuschka Andrea
Ich gebe Ihnen ein Tipp, gehen sie zum VDK die 70€ Beitrag im Jahr sind gut angelegt.
Des weiteren nehmen Sie ein Stück Pappe schreiben Sie was darauf (zB.Barmer sind erbarmungslos) ein Stiel daran und stellen Sie sich vor einer Barmer-Vertretung, ich versichere Ihnen das hilft, nur Mut.
In mein Augen sind es Beitragsschmarotzer mehr nicht.
Ich weiß wovon ich rede, man muss sie packen wie eine Schlange, am Kopf, das hilft.
Bleiben Sie gesund .

13.12.2018 10:42 Regina 3

ich habe unter sehr großen Belastungen meinen Ehemann ( Schlaganfall ) auch ein Jahr zu Hause gepflegt, hätte ihn nie in einem Pflegeheim / altersh. gegeben solange wie ich einigermaßen Fit war, die nur früh zum waschen und Rollstuhl setzen pflegekräfte waren eine grauenvolle Zumudung zum teil dann auch noch alleine gemacht als erstens Händy Zeit eingeben war die erste Arbeit von denen, das sollte spahn mit seine Konsorten von Berlin mal haben aber die können sich ja für ihr nichtsbringendes Steuergeld von uns alles leisten selber.

13.12.2018 10:23 Galuschka Andrea 2

Ach ja die BARMER , der Antrag auf Pflegeleistung bzw Pflegegrad für meine Mutter, zweiundachtzig, wurde gerade abgelehnt. Sie leidet an einer schweren Herzinsuffizenz, d.h. 40% Herzleistung. Trägt einen Schrittmacher, hatte einen Schlaganfall, fällt ständig in Ohnmacht, einfach das volle Progamm. Mein Vater ist an den Rollstuhl gebunden und kann nicht helfen. Wir sind schon lange an unsere Grenze gekommen, was die Krankenkasse nicht interessiert. Wir sind nur zahlende Mitglieder, sonst weiter Nichts. Alle die einen lieben Menschen zu Hause pflegen,können ein Lied davon singen. Da nützen die schönen Werbefilmchen auch nicht. Es ist ein Skandal .

13.12.2018 10:19 Dippong Atanasska 1

Man sollte z.Bsp. mal Schweden schauen.. andere Pflegemodele sind dringend notwendig.