ein Läufer mit einer Beinprothese
Prothesen gehören fest zum Körper, entschied der Bundesgerichtshof 2015. Bildrechte: colourbox.com

Bestattung Was passiert mit Prothesen und Zahngold bei Einäscherung?

Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub - so heißt es bei traditionellen Beerdigungszeremonien. Doch längst nicht alles, was sich im menschlichen Körper befindet, wird zu Erde, zu Asche oder zu Staub. Prothesen etwa bleiben übrig. Gerade bei Feuerbestattungen sind die Metalle für Krematorien oft ein heikles Thema. Wem gehören sie und was passiert mit ihnen?

von Raja Kraus, MDR AKTUELL

ein Läufer mit einer Beinprothese
Prothesen gehören fest zum Körper, entschied der Bundesgerichtshof 2015. Bildrechte: colourbox.com

Künstliche Gelenke, Prothesen, Goldzähne. Bei vielen Menschen gehören diese Metalle sozusagen zum Körper. So sieht es auch Volker Mewes. Er ist der Abteilungsleiter der städtischen Friedhöfe Leipzig und somit auch für das Krematorium der Stadt zuständig. Für ihn ist klar: Auch ein künstliches Hüftgelenk ist Teil der verstorbenen Person und sollte deshalb mit bestattet werden:

Wir möchten auf jeden Fall sicherstellen, dass der Verstorbene so, wie er aus dem Leben geht, auch in der Asche, an dem Platz, wo er durch die Angehörigen bestattet wird, seine letzte Ruhe findet. Unser Ziel ist hochwertig und pietätvoll mit den Verstorbenen umzugehen.

Volker Mewes Abteilungsleiter der städtischen Friedhöfe Leipzig

Große Prothesen, die nicht in die Urne passen, werden in Leipzig deshalb mit in die Grabstelle, neben die Urne gelegt.

Manche Metalle werden recycelt und die Erlöse gespendet

Orte der besondere Sorte: Erfurter Krematorium
Ein Krematorium in Erfurt. Bildrechte: Stadt Erfurt

Wenn Angehörige die Asche des Verstorbenen zum Beispiel für eine Seebestattung mitnehmen wollen, bleiben die Prothesen allerdings zurück. Auf dem Südfriedhof in Leipzig gibt es eine eigene Beisetzungsstelle für solche Überreste.

Andere Krematorien geben die Metalle ins Recycling und spenden die Erlöse für einen guten Zweck, erzählt Alexander Helbach vom Verein Aeternitas, der "Verbraucherinitiative Bestattungskultur". Der Verein hat ein juristisches Gutachten erstellen lassen, nach dem das rechtens ist.

"Wir wollten klarstellen, dass die gängige Praxis der Krematorien, Implantate zu entnehmen, weiterhin gehandhabt werden kann. Und dass es da, was das Bestattungsrecht betrifft, überhaupt keine Rechtsunsicherheit gibt," erklärt Helbach. Strafrechtlich sei das etwas anderes. Etwa, wenn Mitarbeiter des Krematoriums Zahngold entnehmen und heimlich verkaufen würden. Das sei natürlich strafbar.

Leipzig ändert Betriebsordnung für Krematorien

2015 hatte ein Urteil des Bundesgerichtshofs für Unsicherheit bei vielen Betreibern von Krematorien gesorgt: Es hatte bekräftigt, dass Prothesen, Implantate und Zahngold feste Bestandteile des Verstorbenen sind. Die meisten Krematorien halten deshalb nun auch vertraglich fest, dass sie Prothesen der Asche entnehmen dürfen. Denn große Metallteile passen weder in die Mühlen, in denen die Asche nach der Feuerbestattung zerkleinert wird, noch in die Urnen.

Südfriedhof in Leipzig
Der Südfriedhof in Leipzig. Hier werden Prothesen und Zahngold mitbestattet. Bildrechte: imago/epd

Die Stadt Leipzig will ihre Praxis, Metalle mitbeizusetzen, offiziell machen. Eine Änderung der Betriebsordnung für Krematorien sei geplant, erzählt Volker Mewes. Wie genau die Änderung aussehe, soll in den nächsten Wochen oder Monaten in der Ratsversammlung beschlossen werden. Darunter fällt auch, die Metalle, die in Krematorien übrig bleiben, eben nicht weiter zu verwerten.

Bei Goldzähnen kann es übrigens auch vorkommen, dass Hinterbliebene Besitzansprüche stellen. Das sei aber selten, sagen Alexander Helbach und Volker Mewes. Dann können die Angehörigen das Zahngold in der Regel auch bekommen. Ansonsten kommt es, zusammen mit der restlichen Asche, in die Urne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. März 2019, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

30.03.2019 13:13 part 2

Wie zu Zeiten der ersten Klassengesellschaften, als aus Aberglauben Gold, Bronze und Alltagsgegenstände mit ins Grab gelegt wurden. Wissen die Verantwortlichen überhaupt welche Recourcen verschwendet und wieviel Umweltverschmutzung betrieben wird um Edelmetalle oder hochwertige Metallegierungen zu gewinnen? Jetzt macht die Wegwerfgesellschaft sogar vor der letzten Ruhestätte keine Halt, wo schon aufwendig und mit viel Energie tote Körper vernichtet werden können.

30.03.2019 08:20 Carolus Nappus 1

Eigentlich ein Unding, dass sowa erst noch geklärt werden muss. Lag wohl am unschönen Brauch vieler Betreiber, dass Zahngold ein zu entnehmen und zu verscherbeln.