Krankenscheine liegen auf einem Schreibtisch
Vermutet ein Arbeitgeber Missbrauch bei einer Krankmeldung, kann er sich an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen wenden. Bildrechte: dpa

Thüringen Missbrauch bei Krankmeldungen kommt selten vor

Unternehmer setzen Detektive ein, um zu überprüfen, ob Angestellte wirklich so krank sind wie sie angegeben haben. Einer dieser Fälle wird an diesem Mittwoch vor dem Landesarbeitsgericht Thüringen verhandelt. Ein Arbeitnehmer hat seinen Arbeitgeber verklagt, weil dieser ihn beobachten ließ. Doch wie häufig kommt das eigentlich vor, dass Krankmeldungen von Arbeitnehmern angezweifelt werden?

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Krankenscheine liegen auf einem Schreibtisch
Vermutet ein Arbeitgeber Missbrauch bei einer Krankmeldung, kann er sich an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen wenden. Bildrechte: dpa

Der Volksmund kennt viele Worte für den Missbrauch von Krankschreibungen: Blaumachen oder Krankfeiern sind nur zwei davon. Doch so vielfältig die Wortwahl auch ist, der Missbrauch kommt selten vor. Auch in Thüringen ist das so, sagt Ute Zacharias, Sprecherin des Thüringer Arbeitgeberverbands: "Alle drei bis vier Monate haben unsere Juristen so einen Fall auf dem Tisch. Das hat sich auch in den letzten Jahren weder verstärkt noch verringert." Es ist also kein Massenphänomen.

Jeder Fall muss einzeln betrachtet werden

Doch Ute Zacharias kennt natürlich auch Fälle aus Thüringen wenn krankgeschriebene Arbeitnehmer Dinge tun, die Unternehmer misstrauisch machen: "So klassische Beispiele sind: Sie sehen einen Beschäftigten im Garten. Der macht schwere Gartenarbeit oder steht auf dem Gerüst und streicht seine Fassade. Oder der krankgeschriebene Mitarbeiter wird auf Volksfesten gesehen oder geht täglich einkaufen. Gerade so in kleineren Orten fällt das ja auch den anderen Mitarbeitern auf."

Doch nicht immer sind diese Tätigkeiten verboten. Wer zum Beispiel psychosomatische Probleme hat, für den kann körperliche Arbeit oder Einkaufen gehen gut sein. Das haben Gerichte so geurteilt. Insofern muss jeder Fall einzeln betrachtet werden, sagt Ute Zacharias.

Arbeitgeber kann sich an MDK wenden

Generell gilt, dass Arbeitnehmer bis drei Tage nach Krankmeldung ein Attest vom Arzt brauchen, das sie in der Firma einreichen müssen. Der gelbe Krankenschein weist aber nicht aus, welche Krankheit der Arbeitnehmer hat. Es ist am Ende also eine Vertrauensfrage. Wenn Unternehmer aber starke Zweifel daran haben, können sie handeln. Abmahnen oder krankheitsbedingt kündigen. Klagt der Arbeitnehmer dann dagegen, kann dieser seinen behandelnden Arzt vor Gericht aussagen lassen.

Eine andere Variante wäre, dass der Unternehmer den Medizinischen Dienst der Krankenkassen einschaltet. Arbeitnehmer müssten sich dann dort vorstellen: "Um praktisch zu prüfen, ob derjenige wirklich krank ist. Das liegt dann nicht nur im Interesse des Arbeitgebers sondern eben auch im Interesse der Krankenkassen, wenn es sich um sehr lange Krankschreibungen handelt."

DGB gegen Einsatz von Privatdetektiven

Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des DGB Hessen/Thüringen, sieht aber vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht. Wenn Fälle von Missbrauch auftreten, hat das in der Regel mit dem Betriebsklima zu tun. Sandro Witt hat herausgefunden, dass "in Studien deutlich nachgewiesen ist, dass solche Dinge in tarifgebundenen Unternehmen, wo ein Betriebsrat da ist, die Bezahlung stimmt und auch das drumherum stimmt, eher gar nicht vorkommt. Solche Dinge sind oft im Unternehmen selbst begründet."

Wenn ein Arbeitnehmer dennoch eine Krankheit vortäuscht, sollte zuallererst das Gespräch gesucht werden, rät Sandro Witt. So schwierig das auch sein mag. In jedem Fall rät der Thüringer DGB-Vorsitzende davon ab, einen Privatdetektiv einzuschalten. Das ist rechtswidrig, sagt Witt, was durch mehrere Urteile immer wieder bestätigt wurde. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. August 2018 | 06:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 06:00 Uhr

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9 Kommentare

15.08.2018 16:46 andre 9

@Lars - Da liegen Sie aber komplett falsch, die Kommentare von uns beschreiben die Realität, Sie beschreiben eine Ideologie der Sie folgen! Und wenn man dahingehend keine Erfahrung hat und nur wieder die gesellschaftliche Keule schwingen möchte, dann kann man auch einfach mal ruhig sein!

15.08.2018 16:09 Normalo 8

Der wichtigste Satz des Berichts: Wenn das Klima stimmt gibt's kaum so etwas.

15.08.2018 15:32 wwdd 7

Unser Erwerbsleben ist ein Marathonlauf plus X und für die Jüngeren hier plus XXL. Da sollte man, um den körperlichen und geistigen Verschleiß vorzubeugen, sich schon ab und an eine Auszeit genehmigen oder eine Gesundheitswoche einlegen. Andere leben hier auch mit wenig Tun sehr gut.

15.08.2018 15:26 Lars 6

In den ersten paar Kommentaren drückt sich gleich wieder der typisch deutsche Untertanengeist aus: Solidarität mit dem armen Arbeitgeber, der von seinen Lohnsklaven durch vorgetäuschte Krankheiten um einen winzigen Teil seiner sauber und ehrlich verdienten Profite gebracht wird....
Da ist es dann auch nur rechtens, wenn der Arbeitgeber seine Lohnabhängigen bespitzelt um zu beweisen, das er sie hätte noch ein bisschen mehr auspressen können.

Solche Bekenntnisse sind zwar tragisch und komisch zu gleich, zeigen aber wenigstens anschaulich auf welcher Seite die politische Rechte steht und schon immer stand: auf der Seite der Herrschenden, Ausbeuter und Unterdrücker jeglicher Coleur. Niemals auf der Seite der arbeitenden, lohnabhängigen Bevölkerung.

15.08.2018 14:07 Lothar 5

Da hat wohl jemand die Rosarote Brille auf. Alleine hier in meinem Umfeld gibt es mind. 3 "Doc-Holidays".
Hust = 3 Wochen; Schnief=3Wochen, Mir gehts nicht so gut=4 Wochen.
Und es sind immer die selben Kollegen. Dazu noch die Montags-Freitags-Krankheit. Da bei uns ja erst ab 3 Tagen die Arbeitsunlustbestätigung kommen muss.

15.08.2018 12:10 andre 4

Da sollte sich Frau Zacharias aber mal genauer informieren, die meisten Arbeitgeber gehen solchen Sachen einfach nicht mehr nach, weil man gemerkt hat, dass das ganz viel Energie kostet aber man im Zweifeslfall sowieso nicht´s machen kann! Denn die Arbeitsgerichte setzen zu hohe Hürden, um einen Arbeitnehmer zu bestrafen wenn dieser nur krank "gefeiert" hat! Die Beweislage muss eineindeutig sein und wer hat schon so viel Zeit???
@1 und 2 - Ihre Kommentare treffen den Nagel auf den Kopf, gerade was die Kündigungsfristen und auch die gewerkschaftlich organisierten Betriebe angeht!

15.08.2018 11:19 Basil Disco 3

Da schließen Sie vielleicht von sich auf alle anderen, frank d?

In Betrieben ohne Betriebsrat und starke Arbeitnehmervertretungen sind die Mitarbeiter Freiwild. Da wird sich dann auch krank zur Arbeit geschleppt, da ansonsten die Kündigung droht. Im öffentlichen Dienst hingegen und in anderen Betrieben mit einer vernünftigen Mitarbeiterkultur ist das nicht erforderlich.

15.08.2018 09:42 frank d 2

Wenig Missbrauch?
Interessante These welche Die MDR schaffenden Vertreten.
Gegenthese! Da wo es geht wird es auch missbraucht. Oder wie wollen sie die um ein viel faches erhöhten Krankenstände im Öffentlichen Dienst denn erklären? Oder liegt es daran das der Staat ein so schlimmer Manchester Kapitalistischer Arbeitgeber ist?
2.) Krank während der Kündigungsfrist.
Das ist eine solche Unsitte geworden, dass Menschen immer während der Kündigungsfristen erkranken, sicher ein ganz spezieller Virus der da umgeht.
Die ersten 6 Wochen jeder Krankheit zahlt im übrigen der böse Arbeitgeber allein ohne Solidargemeinschaft usw.

15.08.2018 07:36 Carolus Nappus 1

Wahrscheinlich wird das inzwischen einfach nur von vielen Arbeitgebern hingenommen und einkalkuliert. Aus der Anzahl der verfolgten Fälle zu schließen, dass das alle alle wären, ist vollkommen weltfremd. Nirgendwo wird so oft krankgefeiert, wie in Bertieben mit Betriebsrat, guter Bezahlung bei überschaubarem Aufwand. Einfach weil dort auch das dazugehört und die Arbeitgeber meist nicht darauf angweisen sind, ihre Leistungen erstmal am Markt verdienen zu müssen.