Organ-Transplantation in einem Krankenhaus
Der MDK beklagt fehlende Anreize für die Krankenhäuser, korrekt abzurechnen - die wiederum fühlen sich ungerecht behandelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Krankenkassen MDK: Jede zweite geprüfte Krankenhausabrechnung falsch

Prüfer der gesetzlichen Krankenkassen haben vergangenes Jahr jede zweite kontrollierte Abrechnung von Kliniken beanstandet. Der MDK fordert nun den Gesetzgeber zum Handeln auf. Die Kliniken dagegen sehen sich als "Opfer beliebiger Prüfverfahren".

Organ-Transplantation in einem Krankenhaus
Der MDK beklagt fehlende Anreize für die Krankenhäuser, korrekt abzurechnen - die wiederum fühlen sich ungerecht behandelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jede zweite von den gesetzlichen Krankenkassen geprüfte Krankenhausabrechnung ist fehlerhaft. Das teilte der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) am Donnerstag mit. Demnach führten von 2,6 Millionen erstellten Gutachten 52 Prozent zu Rückerstattungsansprüchen der Kassen.

Bei den Kontrollen ging es vor allem darum, ob eine Krankenhausbehandlung oder die Verweildauer medizinisch notwendig waren. Zudem beurteilten die Prüfer, ob Diagnosen und Behandlungsprozeduren richtig kodiert und damit korrekt abgerechnet wurden.

MDK: Gesetzgeber soll Anreize schaffen

Sachsens MDK-Geschäftsführer Ulf Sengebusch forderte, der Gesetzgeber müsse Anreize für das korrekte Abrechnen von stationären Leistungen schaffen. Bei einer überhöhten Rechnung riskiere das Krankenhaus lediglich, der Krankenkasse das zu viel erhaltene Geld zurückerstatten zu müssen.

Derzeit drohe sich die Spirale aus Falschabrechnungen und MDK-Prüfungen immer weiter nach oben zu drehen, erklärte Sengebusch. 2014 habe die Zahl der Gutachten in diesem Bereich noch bei 1,9 Millionen gelegen.

Krankenhäuser weisen Vorwürfe zurück

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wies die Vorwürfe zurück. Die Kliniken seien "Opfer beliebiger Prüfverfahren der Krankenkassen", hieß es. Gegenstand der Prüfverfahren seien in der Regel nicht die Qualität der Behandlung und das Wohl des Patienten. Vielmehr gehe es um formale Kriterien.

Nach Schätzungen von Branchenexperten entstehen für das Prüfen und Gegenprüfen von Rechnungen pro Jahr bundesweit Kosten von 1,7 Milliarden Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. April 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 14:04 Uhr